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von P. Rafael Alonso Reymundo.
Das Menschenleben definiert sich mit der
Zeit mehr durch das, was wir nicht mehr tun können, als was wir noch tun
können.
Sehr oft habe ich aus dem Mund älterer Menschen folgendes hören
können: „Nütz die Zeit jetzt aus, wo du noch jung bist,
denn wenn du einmal mein Alter erreicht hast, ist es bereits zu spät.“.
Grundsätzlich beziehen sie sich dabei auf materielle Wonnen, körperliche
Freuden oder der Zufriedenstellung von den drei Wünschen: Macht, Besitz
und Vergnügen.
Auche Seine Heiligkeit Johannes Paul II. wurde alt, das heißt,
er sammelte nach und nach mehr Jahre zusammen und durchschritt wie auch
alle
menschlichen Wesen den Weg der Krankheit und des Greisenalters. Und trotzdem schrieb er in seinem Brief an die alten Menschen, dass es sich um eine
bevorzugte Zeit handelt, um der Menschengemeinde einen anderen Dienst
zu erweisen.
Der ältere Mensch voller Weisheit kann über die menschlich Realität
und das eigene Leben in aller Weisheit richten, und auf diese Weise dem
so oft in Oberflächlichkeit, im Carpe Diem gelebten Leben ein hohes
Maß an Weisheit beifügen. Auch kann er sein Leben voller Schmerz
und Leiden als Reinigung seines eigenen Lebens und in Zusammenarbeit
mit dem Heilsgeheimnis der Menschheit leben.
Niemals habe ich beobachten können, dass Mamie die Jugendlichen dazu
aufgefordert hätte, das Leben in einem Sinn auszunützen, der
nicht vollkommen christlich wäre. Was auf keinem Fall Abstand von
den Wünschen, Anstrebungen, Zielen und Objektiven einer Jugend voller
Illusionen im Berufsleben, im Studium, im Freundschaftsleben oder der Möglichkeit
einer Familiengründung oder der Ganzhingabe an Gott im Priester- oder
Ordensleben bedeutete. Ganz im Gegenteil. Sie stand den Jugendlichen
sehr nahe, verstand ihre Anstrebungen, begleitete sie bei ihren Niedergeschlagenheiten,
Leiden und Widersprüchen des Lebens. Ich sah eine Mamie, die ununterbrochen
all jene Jugendlichen, die zu ihr kamen, um ihr ihre Herzen zu öffnen,
ermutigte, stützte, aufforderte und sie zum nachdenken anregte. Und
stets konnte ich beobachten, wie sie jedermanns Freiheit aufs höchste
respektierte. Inmitten einer oftmaligen Verwirrung, war ihr Wort eine sehr
hilfreiche Orientierung. Mamie fragte sie nach ihren Qualitäten, ihren
Neigungen, ihren Wünschen, und erhob dies danach auf ein übernatürliches
Niveau, damit die Jugendlichen in aller Ruhe antworten und auf
all das eine Antwort geben konnten, was sie in ihren Seelen verspürten.
Doch all das inmitten eines hohen Respekts.
Auch Mamie verlor mit der Zeit ihre Beweglichkeit und beschritt einen
Weg, auf dem sie immer weniger Dinge tun konnte. Sie pflegte oftmals
zu wiederholen: „Jetzt
muss ich meinen Quadratmeter heiligen.“.
Ihr Quadratmeter war ein Armsessel, in dem sie praktisch lebte,
ununterbrochen betete und auf einen Anruf oder Besuch wartete. Sie konnte einfach nichts
anderes mehr tun. Eines Tages sagte sie zu mir: „Mein Sohn, ich bin
dir schon nicht mehr nützlich. Ich kann schon nicht einmal mehr die
Anrufe entgegen nehmen, um dir danach die Nachrichten zu hinterlassen.“. Mit aller Wahrheit musste ich ihr antworten: „Doch, Mamie, du bist
mir noch sehr nützlich. Denn in deinem Stuhl hier, in dem du lebst,
opferst du dem Herrn dein Leben auf und betest für unser Apostolat,
damit die Menschen die Botschaft Jesu vernehmen können.“
Das Greisenalter, wie auch die Krankheit, haben ihren christlichen
Wert. Wir müssen in nur zu entdecken wissen. Das Leben des Heiligen
Vaters und das Leben Mamies bezeugen diesen christlichen Wert.
©HM Nr. 21
Januar-Februar 2006
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