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Wir lernten Luke Condit auf der Universität
Ave Maria in Florida (Vereinigten Staaten) kennen. Er kümmert sich
dort um all das, was die Studenten so während ihrem Studium benötigen
könnten. Nachdem er ein etwas leichtlebiges Leben geführt hatte,
bekehrte er sich und entschloss sich mit seinem ganzen Sein dem Willen
Gottes zu erfüllen.
Bei diesem Interview erzählt er uns seine Lebensgeschichte.
Hallo Luke, wie alt bist du?
Hallo, ich bin 27 Jahre alt.
Auf welcher Universität warst du?
Ich war auf der Franziskaneruniversität Steubenville in Ohio, wo ich
im Jahr 2002 abschloss. Derzeit arbeite ich.
Und wo arbeitest du?
Gleich nach der Universität arbeitete ich auf einer Farm, danach organisierte
ich auf der Franziskaneruniversität einige Sommerkurse. Derzeit bin
ich an der Universität Ave Maria in Florida tätig. Ich helfe
hier nun seit einigen Jahren als Gehilfe des für das Residenzleben
zuständigen Direktors.
Könntest du uns vielleicht erklären, was die Rolle von „Student
Life“ (Universitätsprogramm, dass sich um die Bedürfnisse
der Studenten kümmert) ist?
Die Rolle von „Student Life“ ist, sicherzustellen, dass sich
die Universität h auf die Ganzheit der Person zentriert und nicht
nur auf einen Aspekt. Für den Studenten ist es sehr wichtig, sich
nicht nur auf das akademische Leben zu konzentrieren, sondern ebenso den
geistlichen, den körperlichen und den sozialen Aspekt der Person zu
pflegen. Mittels „Student Life“ versuchen wir verschiedene
Möglichkeiten anzubieten, damit der Student zu dem Menschen wird,
zu den ihm der Herr gerufen hat. Unsere Hoffnung ist, dass der Student
bei Verlassen der Universität nicht nur sein konkretes Gebiet beherrscht,
sondern Kenntnis darüber hat, was ein Mann oder eine Frau Gottes in
all ihren Lebensaspekten ist. Und schließlich versuchen wir aus ihnen
Heilige zu machen, die die Ehre Gottes auf der ganzen Welt verbreiten und
die Welt im Lichte Gottes sehen.
Du trägst stets eine Kette um dein Handgelenk. Könntest du uns
vielleicht die Bedeutung dieser Kette erklären?
Diese Kette soll mich stets an das Versprechen erinnern, das ich Jesus
gab. Der hl. Ludwig Maria von Monfort, ein großer Marienverehrer,
empfahl uns eine kleine Kette zu tragen, die uns stets an unsere Weihe
an Jesus und Maria erinnert. Wir übergeben unser Leben in Form eines
Sklaven an seine Mutter, indem wir Ihr alles geben, da wir wissen, dass
Sie uns auf vollkommenere Weise zu Jesus bringen wird. Die Kette erinnert
mich ununterbrochen daran, dass ich all mein Handeln, meine Gedanken und
Worte Unserer Mutter übergeben muss, damit Sie alles Jesus vorlegt.
Denkst du, dass der tägliche Empfang der Eucharistie notwendig ist?
Wenn es auch nicht verpflichtend ist, so denke ich, dass es notwenig ist.
Wir haben das beeindruckende Privileg, durch dieses Sakrament den wahren
Leib, Blut, Seele und Gottheit Christi in uns aufzunehmen. In den Augenblicken
etwaiger Schwächen ist Er unsere Stärke. In Christus befindet
sich die Vollkommenheit jeder Gabe und jedes Segens, und unseren Leib und
unsere Seele mit diesem Geschenk zu füllen ist äußerst
notwenig, um Zeuge der Liebe Gottes zu sein. Ob du Ihn nun durch das Sakrament
der Eucharistie empfängst oder eine geistliche Kommunion machst, wichtig
ist, dass du Ihn jeden Tag empfängst, denn ohne die Gnade Gottes können
wir nichts Gutes tun! Alle Tage unseres Lebens müssen wir danach streben,
wie Christus zu sein. Und welch bessere Möglichkeit gibt es, als Ihn
auf diese intime Weise unter den Zeichen von Brot und Wein zu empfangen?
War es in deiner Familie, wo du deinen Glauben zu leben lerntest?
Ich wurde in einer sehr katholischen und liebenswürdigen Familie erzogen.
Ich bin der Jüngste von drei Kindern und meine Eltern empfangen die
Hl. Eucharistie täglich.
Ich bin sehr stolz darauf sagen zu können, dass ich mein ganzes Leben
lang von viel Liebe umgeben war. Meine Mutter und mein Vater sind und waren
schon immer Zeugen der Schönheit des Ehelebens. Jedes Mal wenn ich
sie sehe, sind sie noch mehr ineinander verliebt, und das dank der täglichen
Kommunion. Sie erzogen mich im katholischen Glauben, lehrten mich die Gebote
der Kirche. Doch das Wichtigste dabei war, dass diese ganze Kenntnis und
Schulung des Glaubens auf der wahrhaftigen Gegenwart Jesu Christi in der
Eucharistie gegründet war. Während all meinen Prüfungen
und Sünden zweifelte ich keinen Augenblick an dieser Realität.
Ich danke Gott für die Gabe des Glaubens und ich danke Ihm für
meine Eltern, die sich stets darum bemühten, diesen Glauben zu stärken,
selbst dann, als ich weit vom christlichen Leben entfernt war.
Wenn ich über meine Familie gefragt werde, so muss ich darauf antworten,
dass wir uns wahrlich in guten Händen befinden, wenn uns Gott genauso
liebt, wie mich meine Familie liebt. Meine Familie ist ein wahres Zeugnis
der Liebe Gottes, doch zur selben Zeit weiß ich, dass sie nur ein
kleines Abbild der Liebe Gottes ist.
Kannst du uns nun etwas über deine Geschwister sagen?
Ich habe einen älteren Bruder und eine ältere Schwester. Ich
habe sie stets bewundert, da sie nie damit aufhörten, mir ihre Liebe
zu zeigen, wenn es auch ab und zu in Form von Provokation war, damit ich
zornig werden würde. Doch tatsächlich war meine Schwester für
mich ein Zeuge der Liebe Christi. Ist auch die Entfernung zwischen meiner
Schwester und mir so groß wie nie zuvor, so sind wir uns gegenseitig
von Mal zu Mal näher. Dies ist der Einheit unserer Herzen in den Herzen
von Jesus und Maria zuzuschreiben.
Mein Bruder und ich haben eine nicht ganz so starke Beziehung zueinander,
doch ist sie ohne Zweifel sehr gut. Immer wieder wollte ich ihm alles nachmachen
(er ist zehn Jahre älter als ich). Jetzt ist er Vater von fünf
Kindern und ich bewundere ihn als Vater und als Ehemann. Ich wurde wirklich
mit einer Familie gesegnet, die Gott liebt, die sich liebt und täglich
die Heiligkeit anstrebt. 
Du erwähntest vorhin, dass du dem christlichen Leben entfernt
lebtest. Wie das?
Während meiner ersten Jugendjahre hatte ich meine ersten Kontakte
mit Alkohol. Ich ging gewöhnlich auf Feste und trank. Danach fuhr
ich mit meinem Auto wieder nach Hause. Bei mehreren Gelegenheiten entwischte
ich nur sehr knapp dem Tod, doch die Gnade und Barmherzigkeit Gottes begleiteten
mich stets, weshalb ich stets um ein Haar davonkam und mir nicht wirklich
etwas passierte.
Mit vierzehn Jahren hatte ich meine ersten sexuellen Beziehungen, natürlich
außerhalb der Ehe. Die Folgen davon waren mir völlig egal, ich
dachte überhaupt nicht darüber nach. Ich tat was mir auch immer
Spaß machte und niemand konnte mich davon abhalten. So lebte ich
während meiner Mittelschulzeit und als ich dann siebzehn Jahre alt
war, begann ich auch noch mit den Drogen. Ich war beinahe ununterbrochen
unter Drogeneinfluss. Ich konsumierte Marihuana, LSD, Kokain, Eckstasistabletten
und vieles mehr. Ich war so tief drinnen, dass ich damit anfing, meinen
Eltern Unmengen an Geld zu stehlen, um auf diese Weise für mich und
meine Freunde Stoff besorgen zu können. Einige meiner Freunde wurden
eingesperrt, da sie zu Drogenhändlern wurden. Neuerlich dank der Gnade
Gottes, musste ich nie ins Gefängnis. Doch setzte ich diesen Weg während
mehr als zwei Jahren fort, in denen ich mein Leben immer mehr und mehr
ruinierte.
Wie sah während dieser Zeit die Situation bei dir zu Hause aus?
Ich belog meine Eltern ununterbrochen und behandelte sie sehr schlecht.
Doch das Schlimmste an dieser Situation war, dass ich den Ruf Gottes in
meinem Gewissen vollständig ignorierte. Gott hörte nie damit
auf, nach mir zu rufen, doch setzte ich auf dem Weg in Richtung Hölle
fort, wobei ich jeden Tag noch tiefer hinab sank. Doch die Liebe Gottes
ist unendlich. Meine Mutter sah, wie ich mich selbst zerstörte und
betete ununterbrochen für mich.
Wie kamst du aus all diesem Elend wieder heraus?
Ich bin vollständig davon überzeugt, dass es die Antwort auf
die Gebete meiner Familie war. Ich entschloss mich auf die Franziskaneruniversität
zu gehen, wobei ich bereits im ersten Semester einen Lebenswandel durchmachte.
Ich besuchte regelmäßig die Hl. Messfeier (ebenso während
der Woche), betete den Herrn im Allerheiligsten Sakrament an, danach hörte
ich mit den Drogen auf und wandelte in Richtung zum guten Weg, wenn ich
auch noch immer Alkohol zu mir nahm und immer wieder sexuelle Beziehungen
pflegte.
Wie bekamst du Zugang auf die Universität, da es sich doch
um ein durchaus katholisches Projekt handelt?
Nun gut. Ich wurde auf dieser erstaunlichen katholischen Universität
aufgenommen, da es Gott so für mich wollte und nicht, da ich es verdient
hätte. Mein Notendurchschnitt befand sich unter der vereinbarten Grenze,
da meine Noten zu niedrig waren, um auf diese Universität zu gehen.
Dank der Barmherzigkeit Gottes und der guten Noten meiner Schwester, die
sich ebenso dort befand, nahmen sie mich mit der Bedingung auf, dass ich
den Durchschnitt einer sechs von zehn erhalten müsste. Doch gegen
Ende meines ersten Semesters konnte ich die notwendigen Bedingungen nicht
aufweisen und wurde von der Universität verwiesen. Meine Eltern erkannten
eine Änderung meiner Haltung während dieser Zeit auf der Universität
bis ich den Brief erhielt, durch den ich darauf hingewiesen wurde, dass
ich für das zweite Semester nicht mehr zurückkommen konnte.
Wie sah deine Reaktion in diesem Augenblick aus, schloss sich doch
vor deinen Augen eine Tür und wie reagierten deine Eltern?
Ziemlich schlecht. Ich kehrte wieder zur Droge und zum Alkohol zurück
und verlor jegliche Hoffnung. Ich dachte: „Gott, wie kannst du zulassen,
dass so etwas passiert? Ich dachte, dass du mich als guten Menschen sehen
wolltest.“ Und Er wollte es auch, jedoch hatte ich mich entschlossen,
ein Leben zu führen, das nicht würdig war, christlich genannt
zu werden, und deshalb auch für die Franziskaneruniversität nicht
würdig genug war. Meine Eltern wollten keinesfalls, dass ich zu meinem
Leben im Tode zurückkehrte, weshalb sie mich ermutigten, in Steubenville
eine öffentliche Universität aufzusuchen und mich dort für
das nächste Semester anzumelden. Ich hörte auf sie und fing an,
die Dinge in die Wege zu leiten. Ich musste meinen „Freunden“ erklären,
dass ich nicht mehr mit ihnen verkehren konnte, da ich wusste, auf welche
Wege sie mich führen würden. So fing ich an, täglich zu
beten und Gott um Hilfe zu bitten. Der Herr hörte auf mein Gebet und
ich wurde auf der Franziskaneruniversität noch einmal akzeptiert.
Als ich später mein Studium abschloss erhielt ich den Titel für
Theologie und Philosophie und suchte stets den Herrn und seinen Willen.
Wie sieht dein Leben jetzt aus, wo du von neuem mit dem Herrn zusammengetroffen
hast?
Ich möchte, dass vorerst alle wissen, dass ich mich noch immer anstrengen
muss, dem Herrn auf vollkommenere Weise täglich nachzufolgen, und
ebenso noch immer täglich die Folgen meiner Sünden zu tragen
habe. Ununterbrochen benötige ich die Gnade Gottes, die mir dabei
hilft, die Versuchungen dieser Welt zu überwinden. Stürze ich
und verliere dabei die Hoffnung, so blicke ich auf Ihn und Er hilft mir.
Ich demütige mich und bitte Ihn um Verzeihung und Hilfe. Ich weiß,
dass ich nichts Gutes tun könnte, würde nicht Gott ununterbrochen
seine Liebe, seine Barmherzigkeit und seine Gnade über mich ausschütten.
Es ist nun über vier Jahre her, dass ich keine Drogen mehr nehme (ich
wünschte, dass es schon viel länger her wäre, doch ich fiel
aufgrund meines Egoismus und dem Wunsch, meine eigenen Wünsche und
nicht die des Herrn zu befrieden, zu gewissen Augenblicken in meine alten
Sünden zurück). Vor ungefähr drei Jahren hörte ich
zu rauchen auf. Doch das Wichtigste dabei ist der Beginn meiner wahren
Freundschaft mit Jesus, einer Freundschaft für das ganze Leben.
Kannst du jetzt noch einige Worte an die Jugendlichen richten,
die eventuell ein ähnliches Leben führen oder geführt haben?
Ich möchte ihnen gerne sagen, dass Gott uns mehr liebt, als wir uns überhaupt
vorstellen können. Ununterbrochen sucht Er nach uns, damit wir diese
Liebe annehmen und Ihm auf diese Liebe wieder antworten können. Vertraue
darauf, dass für Gott nichts unmöglich ist, auch wenn du inmitten
der Begierden dieser Welt steckst, oder wenn du jemanden kennst, dem es
so ergeht. Bitte Gott ununterbrochen und Er wird auf deine Gebete hören.
Er ist ein Gott der Liebe und der Barmherzigkeit, Er ist unser Schöpfer
und wünscht nur Gutes für uns. Wir müssen Ihm mit einem „Ja“ antworten
und auf seinen Wegen weitergehen! Gelobt sei Gott, jetzt und in alle Ewigkeit!
Und was würdest du all jenen Jugendlichen sagen, die dieses
Interview zu lesen bekommen?
Allen Jugendlichen, die dieses Interview, meine einfache Botschaft lesen,
möchte ich sagen, dass wir uns darüber bewusst werden müssen,
dass Jesus uns über alles liebt. Wo auch immer du dich befindest,
was auch immer du gerade machst, Jesus bittet dich, seine unendliche Liebe
anzunehmen. Auch wenn du meinst, in der größten Sünde zu
leben, vertraue auf die Liebe Gottes. Er holte mich aus aller Tiefe der
Sünde heraus und führt mich ständig, und Er wird mich auch
in Zukunft führen, wie Er es auch mit dir tun wird. Wir müssen
ganz einfach nur zu Ihm zurückkehren und Ihn um Hilfe zu bitten. Lass
den Herrn deine Stärke sein, erfreue Ihn durch deine häufigen
Besuche beim Allerheiligsten Sakrament, erzähle Ihm deine Probleme,
deine Ängste, und lass Ihn vor allem deine Dankbarkeit für all
das, was Er dir täglich gibt, wissen.
©HM Nr. 22
März-April 2006
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