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Stets definieren wir das Heim als „das
Geschenk, das der Herr seiner Mutter Maria machen möchte“. Und
alle, die wir dem Heim angehören, fühlen wir uns als jene bevorzugten
Seelen, die Unsere Mutter für sich ausgewählt hat. Ich glaube,
dass mich Maria an dem Tag unter ihrem Schutz nahm, als mich meine Eltern
noch als Kleinkind Unserer Lieben Frau von Saragossa weihten.
Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wer mich die drei „Gegrüßet
seist du, Maria“ vor dem Schlafengehen zu beten gelehrt hat, doch
das Salve Regina (Sei gegrüßet, o Königin) lehrte mich
meine Lehrerin. Und obwohl ich die Bedeutung dieses Gebetes nicht wirklich
verstand, betete ich es ebenso vor dem Schlafengehen, da es mir so gut
gefiel. Ich erzähle all das, da ich glaube, dass diese ersten Gebete
das Fundament meines zukünftigen Lebens waren.
Als ich älter wurde und in das Jugendalter kam, schlug ich einen nicht
allzu guten Weg ein. Gott sei Dank ließ mich mein Gewissen nicht
einen Augenblick lang in Ruhe. Da jedoch die Beichte unglaublich viel Selbstüberwindung
kostet, verbrachte ich eine geraume Zeit, ohne dieses Sakrament in Anspruch
zu nehmen. Um mich aber zu gerechtfertigen, musste ich mich davon überzeugen,
dass Gott nicht wirklich existierte, wobei ich zur selben Zeit eine tiefe
Abneigung gegen die Kirche hatte und sie als unheilvoll betrachtete. Interessant
ist, dass ich persönlich in der Tiefe meines Herzens keinen Augenblick
an die Richtigkeit meines Handelns glaubte und eine unglaubliche Unruhe
verspürte. Und je mehr ich sündigte, desto unzufriedener war
ich. In kürzester Zeit war ich Sklavin meiner Leidenschaften geworden.
Auf gewisse Weise begann ich mich selbst schrecklich zu verabscheuen. All
das ist das Spiel des Feindes, der dir zuerst eine äußerst attraktive
Seifenblase präsentiert und dir einredet, dass du mit dieser Seifenblase
glücklich werden wirst. Zerplatzt diese danach in deinen Händen,
lässt er dich in deinem Elend und deiner Bitterkeit im Stich. Die
Menschen fragen mich immer wieder: „Kann sich ein vierzehnjähriger
mit solchen Dingen auseinandersetzen?“ Natürlich kann er. Jugendlicher
zu sein bedeutet nicht automatisch ein Idiot zu sein. Sie sind ganz einfach
Jugendliche, und mit vierzehn Jahren fragte ich mich über den Sinn
des Lebens und der Suche nach der Wahrheit.
Es war in der Hauptschule, als ich einige Mädchen des Heims der Mutter
kennen lernte. Wir gingen in dieselbe Klasse. Während einer Pause
erklärte ich einmal, dass Gott nicht existierte und rechtfertigte
dieses Argument damit, dass der Himmel ganz einfach voller Wolken war,
die sich ausschließlich aus Wasser zusammensetzten, wobei ich mich
dieser Erklärung so zufrieden gab, als hätte ich gerade eine
Doktorarbeit geschrieben. Erinnere ich mich jetzt daran zurück, kann
ich eine gewisse Schamesröte nicht verbergen. Doch mit diesen Kriterien
schritt ich durch das Leben und meinte auch noch schlau zu sein, als mir
ein Mädchen antwortete: „Sag doch das nicht, denn Gott existiert
tatsächlich.“ So forderte ich sie auf: „Na beweise es
mir doch.“ Und sie erwähnte: „Ich kann es dir nicht beweisen,
doch sage ich dir nochmals, Gott existiert. Ich weiß es. Er hört
auf mich und ich bin mir vollständig sicher dabei.“ Selbstverständlich
machte ich sie nun mit weiteren dummen Argumenten vor den anderen lächerlich.
Augenscheinlich gewann ich diese Diskussion, doch die Tatsache ist, dass
ich später solche Gewissenbisse verspürte, dass ich sie und ihre
gläubigen Freundinnen einige Tage später darum bat, mir glauben
zu helfen, denn ich wollte es, konnte aber nicht. So luden sie mich zu
den wöchentlichen Gruppentreffen ein, zu denen sie gingen. Ich weiß nicht
wirklich, weshalb ich ging, denn denke ich jetzt zurück, so machte
es nicht wirklich Sinn. Es war ganz so, als hätte mich jemand an der
Hand genommen und mich geführt, ohne dass ich mir tatsächlich
darüber bewusst wurde. Dieses Gruppentreffen wurde von Sr. Maria,
einer Dienerin des Heims der Mutter, geleitet. Während der ganzen
Zeit kam mir nur ein Gedanken in den Sinn: „Das ist die Wahrheit.“
Also wollte ich Mitglied des Heims der Mutter werden und begann wieder
damit, sonntags zur Hl. Messe und wöchentlich zum Gruppentreffen zu
gehen. Doch noch immer gab ich mich nicht vollständig hin. Ich wandelte
am äußersten Rand eines Abgrundes und befand mich mehr Zeit
im Absturz als auf festem Boden, da ich nicht wirklich mit meinem alten
Leben Schluss machte. Während einem Sommerlager des Heims entschied
ich mich schließlich endlich für die Heiligkeit. Einige Menschen,
die mich vorher kannten, behauten jetzt, dass ich während dieser Zeit
einer Gehirnwäsche unterzogen worden bin. Doch stimmt das nicht wirklich,
denn was mir tatsächlich gewaschen wurde war meine Seele und dies
nicht durch Menschhand, sondern durch Jesus Christus persönlich. Was
mich mein Leben ändern ließ war die unglaublich starke Erfahrung,
die ich von Ihm hatte. Als ich eines Tages in der Kapelle war, vernahm
ich in meiner Seele mit ungewöhnlicher Kraft seine Stimme: „Folge
mir oder verlass mich!“ Und damit verstand ich, dass der
Herr unsere vollständige Trennung meiner Halbherzigkeit vorzog. In
diesem Augenblick verspürte ich eine unbeschreibliche Freiheit. Ich
wusste, dass ich mich entscheiden musste. Ich wusste, dass Er die Wahrheit
ist und, dass
ich nur in Ihm glücklich war, denn so hatte ich es bereits erfahren.
Doch zur selben Zeit verstand ich, dass die Nachfolge Christi mit Leiden
verbunden war. Und trotzdem entschied ich mich Ihm nachzufolgen und öffnete
meine Seele der unzähligen Gnaden, die Er mir schenken wollte. Wenige
Tage später sprachen die Schwestern über die Berufung, nicht
nur die Berufung im Ordensleben, sondern ebenso im Eheleben. Sie erklärten
uns, dass wir uns dem Willen des Herrn volltändig öffnen müssten.
In der Kapelle sagte ich zum Herrn: „Herr, wenn du willst, würde
ich gerne von Dir auserwählt werden und für jene Seelen antworten,
die es nicht tun. Doch zeige mir Deinen Willen, denn ich möchte das
tun, was Du von mir wünschst.“. Heute sehe ich mit völliger
Klarheit, was Er mir antwortete: „Ja, ich nehme dein Angebot an.“ Zu
diesem Zeitpunkt verstand ich es noch nicht so klar, doch weiß ich
nicht ob der Grund dafür meine Unreife oder meine Angst war. Die Wahrheit
ist, dass ich mich jetzt so klar daran erinnere, als wäre es gestern
gewesen. Ich habe absolut keine Zweifel über das, was ich während
jenem Augenblick experimentierte. Als ich es endlich verstand, verspürte
ich große Freude und den Wunsch, stets großzügig mit Ihm,
meinem zukünftigen Gatten, zu sein.
Ich musste jetzt noch vier Jahre warten, bis ich als Kandidatin in die
Gemeinschaft eintreten konnte. Während all dieser Jahre musste ich
stets um meine Berufung kämpfen, da die Menschen sie immer wieder
auszulöschen versuchten. Hin und wieder werde ich jetzt gefragt: „Wie
hast du all diesen Angriffen während so langer Zeit standhalten können?“ Ich
denke, dass es meine Treue zum Gebet und zur Ehrlichkeit war, außerdem
wollte ich stets nur noch den Willen Gottes erfüllen, ist es doch
der sicherste Weg. Doch, dass ich jetzt hier bin, habe ich vor allem
der Barmherzigkeit Gottes zu verdanken, der mich aus irgendwelchem Grund,
den
nur Er kennt, und wobei sicherlich auch Unsere Mutter Maria ihre Finger
im Spiel hatte, nicht fallen lassen wollte.
Manchmal kam es selbst soweit, dass ich alles ganz einfach fallen lassen
wollte. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich einmal die Kapelle
aufsuchte, um mich von Gott zu verabschieden, um Ihm zu sagen, dass ich
nicht mehr zurückkehren werde, da ich all der Leiden müde war.
Während ich mich bereits erhob, um zu gehen, öffnete ich das
Gebetsbuch und las: „Auch du willst mich verlassen?“ Dies
war für mich eine sehr, sehr große Gnade.
Ich muss zugeben, dass der Herr mir immer wieder Menschen sandte, die
mir dabei halfen, den Willen Gottes zu erfüllen. Er lässt uns nie
im Stich, grundsätzlich sind es immer wir, die Ihn im Stich lassen.
©HM Nr. 23
Mai - Juni 2006
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