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Dieses Mal sprechen wir mit einem Missionar
des P.I.M.E. (Päpstliches Institut für Mission) Er ist Italiener,
wurde im Jahr 2004 zum Priester geweiht und später nach Arakan Valley
(Kidapawan) auf der Insel Mindanao (Südphilippinen) auf Mission geschickt.
P. Giovanni, wie alt sind Sie?
Ich bin derzeit 34 Jahre alt.
Wie sah Ihre religiöse Erziehung während der Kindheit
und der Jugendzeit aus? Welche Rolle spielte Ihre Familie, Ihre Pfarre
und die
verschiedenen Jugendgruppen, die Sie besuchten?
Ich wuchs in einer christlichen Familie auf, die mich lehrte, die Gegenwart
Gottes intuitiv zu erkennen und die Anforderung dieser Gegenwart wahrzunehmen.
In meiner Familie wurde das Glaubensleben als intime Tatsache gelebt. Es
war zur selben Zeit ein Teil des persönlichen und des familiären
Bewusstseins. Ich glaube nicht, dass meine Eltern niemals darüber
nachgedacht hatten, dass die christliche Wahl einmal die Herausforderung
und das Abenteuer eines ganzen Lebens sein könnte. Trotzdem wünschten
sie aus ganzem Herzen, dass ich verschiedene Erfahrungen hätte, wie
Sport, Musik, andere Sprachen, Kulturkenntnis, Pfadfinder,… die mir
ein vollständiges menschliches Wachstum gewähren würden.
Mein Glaubensleben ist im Leib meiner Familie und in der Pfadfinderge-meinschaft
mit Burschen und Mädchen meines Alters herangewachsen. In der Pfadfindergruppe
konnte ich erfahren und auf die Probe stellen, wie viel Glaube an Jesus
Christus ich intuitiv hatte und zu Hause lebte.
Wie alt waren Sie, als Sie ihre Berufung zum Priestertum entdeckten?
Ich war etwa 22 Jahre alt.
Erhielten sie den Ruf zum Priestertum zuerst und danach den Ruf Missionar
zu werden oder handelte es sich um einen Ruf?
Es gab verschiede Augenblicke. Zuerst spürte ich eine starke Gegen
wart Gottes und danan den Wunsch, mich dem Herrn zu weihen. Danach sah
ich die Nutzlosigkeit meiner Beschäftigungen während meiner Studentenzeit
und schließlich die Forderung, vollständig auf Ihn zu vertrauen.
Den wertvollen Schatz, denn ich bewahre, ist der Wunsch und das Bewusstsein,
dem Herrn zu gehören. Die Freude, Missionar zu sein und die Verfügbarkeit,
wo auch immer hin zu gehen, sind die Folgen der Kraft, Ihm zu gehören,
die ich tief im Innersten verspüre. Außerdem glaube ich, dass
es ein Teil unseres christlichen Glaubens ist, Pilger, Fremder zu sein
und in einer Minderheitsgruppe zu leben.
In meiner Berufung war die Hilfe eines Missionspaters des P.I.M.E, der
seit meinem achtzehnten Lebensjahr mein Beichtvater ist, ausschlaggebend.
Fiel es Ihnen schwierig, auf den Ruf des Herrn zu antworten? Was
waren so die großen Hindernisse, die Sie überwinden mussten?
Ich benötigte etwa zwei Jahre um zu verstehen, worum mich der Herr
bat. Als ich annahm, dass dies mein Weg war, hatte ich nicht genügend
innere Kraft, um dieser Intuition zu trauen und das Abenteuer zu beginnen.
Weiters verstand ich nicht, dass ich sofort und vollständig meine
Univer-sitätsstudien abbrechen musste. Ich dachte vorerst, dass ich
sie abschließen musste. Später, nach den ersten Monaten, die
ich im Seminar verbrachte, verstand ich, dass sie für die Nachfolge
Christi eher ein Hindernis als eine Hilfe waren.
Wie reagierte Ihre Familie auf Ihre Berufung? Und wie denkt sie
jetzt darüber?
Zuerst fiel es ihnen sehr schwierig, meine Entscheidung, dem Herrn als
Priester zu folgen, anzunehmen. Meine Eltern bauten ihr ganzes Leben lang
auf unserer Familie und suchten und lebten in ihr ihre Freude, ihre menschliche
Verwirklichung und ihr Leben. Unglücklicherweise sahen sie meine Berufung
zum Priestertum als Opposition der Werte des Familien-lebens und der Fruchtbarkeit,
und als Flucht vor der Realität und der Vielschichtigkeit des christlichen
Lebens. Doch Gott sei Dank beruhigten sie sich in letzter Zeit und sie
erkennen, dass ebenso mein Leben einen wunderschönen und wertvollen
Schatz beinhält.
Und Ihre Freunde?
In diesen Jahren waren die Leitung meines Beichtvaters und die Freund-schaft
einiger Menschen und einiger Familien ausschlaggebend. Das waren die zwei
konkreten Orte, an denen ich mich geliebt und verstanden fühlte.
Woher nahm ein junger Ingenieurstudent die nötige Kraft, um
eine aus der menschlichen Sichtweise viel versprechendere Zukunft aufzugeben,
um
Priester und Missionar zu werden?
Die Tatsache ist, wenn man dem Herrn begegnet, so nimmt man sehr intensiv
seine Gegenwart und die bedrängende Forderung, auf diese Liebe zu
antworten, wahr. Vor dem Herrn und seinem Ruf verliert jedes Leben und
jedes Ding ohne Gott seinen Reiz und löst sich in nichts auf. Wirst
du dir darüber bewusst, dass dieses Leben dein Leben ist, so kann
dich nichts mehr zurückhalten (Es sei noch gesagt, das jene Zukunft
nicht wirklich versprechend war).
Weshalb entschlossen Sie sich in den P.I.M.E einzutreten? Was zog Sie an?
Ganz einfach der Grund, dass ich in einem Priester des P.I.M.E einen Beichtvater
und geistlichen Leiter fand, der fähig war, mich während dem
Glaubensabenteuer zum Treffen mit dem Herrn zu führen. 
Könnten Sie uns etwas die Gefühle des Tages der Priesterweihe
beschreiben? Wie erlebten Sie diesen Tag?
Ich erlebte diese wunderschönen Tage der Schweigeexerzitien, die der
Priesterweihe vorausgingen, auf sehr intensive Weise. Wir waren dreißig
Burschen, die darauf warteten, in die Kathedrale einzutreten. Während
diesen Tagen mussten wir auf gewisse Weise unseren Wunsch nach Gott vertiefen
und unser Herz öffnen, um im Sakrament der Weihe nach Ihm geformt
zu werden. Tatsächlich fühlt man sich auch am Tag der eigenen
Weihe wie ein verzückter Zuseher eines außer-ordentlichen Geheimnisses,
dass uns völlig übernimmt. Ich empfing an diesem Tag die Gnade,
vollständig gegenwärtig zu sein; mit meinem ganzen Wesen, meinem
Herzen und meinem Glauben. Unglücklicherweise war ich etwas nervös
und konnte somit die Liebe der Menschen, denen ich an diesem Tag begegnete
nicht mit aller Ruhe und mit tiefer Freude annehmen. Jetzt danke ich Gott
aus ganzem Herzen für alles, was ich während diesen Tagen empfangen
habe.
Was bedeutet für Sie das Priestertum?
Das konkrete Leben, in dem mich der Herr darum bittet Ihn zu suchen und
in dem Er mir verspricht, dass Er sich finden lässt.
Wo fand Ihre erste Mission statt?
In Arakan Valley, auf der Mindanaoinseln im Süden der Philippinen.
Es handelt sich dabei vor allem um Evangelisationsarbeit, und das ist es
auch, was mein Herz begehrt.
Wie sieht in Mindanao die Situation für einen katholischen Missionar
aus? Ist es aufgrund der starken moslemischen Gegenwart nicht äußerst
gefährlich?
In den ersten Jahren arbeitete ich mit zwei Priestern des P.I.M.E., die
sich jeweils seit 1978 und seit dem Jahr 2000 auf den Philippinen befinden.
Der soziale, kulturelle und religiöse Kontext ist Islam. Trotzdem
ist die Mission von Arakan Valley vor allem an Stammes-völker animistischer
Religionen gerichtet. Das größte Auftreten des Islams macht
sich in der Region um Zamboanga City bemerkbar, die ziemlich weit von meiner
Missionsstation entfernt ist, obwohl es im Missionsgebiet des P.I.M.E.
liegt.
Sorgen Sie sich nicht um Ihr Leben?
In Wahrheit denke ich nicht wirklich darüber nach. Trotzdem denke
ich, dass eine mögliche Krankheit oder eine schwierige Situation trotz
allem ein bevorzugter Ort des Treffens mit Gott ist. Ich fürchte vielmehr
die Verlängerung gewisser konfliktgeladener Verhältnisse mit
Menschen, die ich eigentlich lieben möchte.
Welche Arbeit verrichten Sie dort?
Nachdem ich in Davao City den Seboanosprachkurs abgeschlossen hatte, kam
ich auf die Missionsstation in Arakan, in der Diözese Kidapawan, Mindanao.
In Arakan blieb ich nicht länger als sieben Monate und kam danach
zur Gemeinschaft von Zamboanga City, um wieder zu etwas Atem und Gesundheit
zu kommen. Die in Arakan gemachte Erfahrung ist ein Versuch unter vielen,
mit ihren Einschränkungen und ihren Annahmen. Während vier Monaten
lebte ich bei einer Familie in der kleinen Gemeinschaft von Meocan, eine
dreiviertel Stunde Fahrtweg mit dem Motorrad vom Priesterhaus entfernt
(wir sind vier Priester des P.I.M.E.). Während dem ersten Monat verweilte
ich in der Gemeinschaft und besuchte die verschiedenen Familien. Im zweiten
Monat versuchte ich ebenso die nächstgelegenen Gemeinschaften zu erreichen.
Ich verließ früh-morgens, oft zu Fuß, meine Bleibe und
kehrte für die Essenzeit oder etwas später wieder „nach
Hause“ zurück. Ich traf mich mit den Leitern der christlichen
Gemeinschaften und einigen Familien. Während der letzten zwei Monate
lebte ich während zwei Tagen der Woche in einer der nahe liegenden
Gemein-schaften, wobei ich bei den Familien übernachtete, die mir
der Leiter angab und kehrte Mittwoch nachts wieder nach Meocan zurück.
Könnten Sie uns vielleicht noch einige Anekdoten aus Ihrer Evangelisationsarbeit
erzählen?
Ich befinde mich erst seit sehr kurzer Zeit in diesen Ländern und
bin deshalb noch wie ein Kind. Wenn ich bei den Gemeinschaften angelange,
bitte ich eine jede Familie besuchen zu können, wo ich dann mit Erstaunen
und Leiden das anhöre, was sie mit mir teilen möchten. Es handelt
sich vor allem um arme Menschen, die vom Elend erdrückt leben und
sich darüber sorgen, genügend zu essen zu haben und nicht krank
zu werden. Sie fühlen die Gegenwart des Herrn als sehr lebendig; sie
besitzen einen sehr starken Glauben, wenn auch einfach. Manchmal suchen
sie die Sakramente, vor allem die Taufe, als Schutz gegen das Böse
und ihre Krankheiten und ebenso, um auf diese Weise Gott dankbar zu sein.
Mit Den Priester nehmen sie stets mit viel Freude auf und bieten ihm von
dem an, was sie haben: Kaffee, etwas süßen Reis und Knollen.
Was war bis jetzt Ihre größte Freude?
Ich bin über diese erste Erfahrung in Arakan sehr glücklich.
An erster Stelle aufgrund der wunderbaren Familien, die mich in ihren Häusern
aufnahmen. Aufgrund der mit ihnen verbrachten und geteilten Zeit (sehr
oft des Nachts, in einer armen Bambushütte, mit der ganzen Familie
im Schein des Kerzenlichtes um den Tisch versammelt) und danach aufgrund
der vielen Jugendlichen, die ich kennen lernte. Ich erinnere mich ganz
besonders an zwei Augenblicke.
Eines morgens verließ ich mit zwanzig Jugendlichen Meocan, um während
eines dreistündigen Marsches, barfuß, bei dem wir Maisfelder
und Flüsse überquerten, den Schlamm oftmals bis zu den Hüften
hatten, zur Mission nach Arakan zu gelangen, wo wir mit all den Jugendlichen
der Pfarre ein dreitägiges Treffen organisiert hatten. Sie lachten
ununterbrochen und waren sehr darum bekümmert, dass ich nicht allzu
weit zurückbliebe.
In Meocan näherte sich mir ein junges Pärchen, ein Bursche und
ein Mädchen mit drei kleinen Kindern und baten mich darum, wieder
zur katholischen Kirchen „zurückkehren“ zu können.
Die Geschichte war so, dass die Eltern des Burschen sich zu trennen entschieden
hatten und als Folge davon den Jungen, der noch sehr klein war, ausgesetzt
hatten. Er erinnerte sich nicht daran, jemals eine christliche Gemeinde
auf-gesucht zu haben. Das Mädchen, als Katholikin getauft, „pilgerte“ aus
persönlichen Gründen von einer protestantischen Gemeinde zur
anderen. Und jetzt, als Familie, baten sie um die Aufnahme in die katholische
Gemeinde von Meocan. Während einigen Monaten besuchte ich ihre Familie.
Wir lasen und meditierten gemeinsam das Sonntags-evangelium und ich versuchte
sie in die Sakramente, die sie empfangen würden, und auf das Gnadenleben
und dessen Bedeutung einzuführen. Nachdem sie an den Pfarrkursen teilge-nommen
hatten, konnte ich den Mann und die drei Kinder taufen und die Hochzeit
der Eltern feiern.
Hatten Sie ebenso eine starke oder beeindruckende Erfahrung durchgemacht?
Als Priester erlebt man so manche Augenblicke tiefer Gnade, wie es die
Eucharistiefeier und das Sakrament der Beichte ist. Während der Adventzeit
besuchte ich viele Gemeinden, um dort die Eucharistie zu feiern, wobei
immer wieder viele Männer, Frauen und Kinder auf eine Beichtgelegenheit
warteten. Und der Herr berührt das Herz und das Leben der Menschen
in diesem Sakrament seiner Barmherzigkeit. Ich behalte das von den Menschen
Anvertraute und die Erfahrung, die sie von der Barmherzigkeit und der Gegenwart
Gottes in ihnen gehabt hatten, mit Bewunderung und bringe es im Gebet vor
Gott.
Was ist es, das Ihnen bei der Missionsarbeit am schwersten fällt?
Ich bin auf Mission, um den Herrn zu suchen und nachzu-folgen. Ich wünsche
Ihn mit meinem Leben zu lieben und zu dienen. Sehr oft fällt es mir
schwer zwischen der Zeit und dem Herz, die ausschließlich Gott gehören
und der Leidenschaft und den Kräften, die die Menschen erfordern und
erhoffen, einen Ausgleich zu finden. Ich erkenne, dass ich auf meine Gesundheit
und meinen Glauben Acht geben muss.
Welche Rolle spielt die Eucharistie in Ihrem geistlichen Leben?
Es ist der Raum der Schweigens und zur selben Zeit der geheimen Gegenwart
Gottes. Ich muss in Stille vor der Eucharistie verharren, um mir über
diesen tiefen Brunnen lebendigen Wassers bewusst zu werden, dem wir uns
jedes Mal dann nähern können, wenn wir die Geheimnisse unseres
Herrn Jesus Christus im Leben der Kirche und im täglichen Zusammentreffen
mit den Menschen auf der Straße feiern. Nähere ich mich dem
Altar, um die Hl. Messe zu feiern, so bemerke ich, wie ich immer wieder
zu mir sage, dass ich noch immer nicht verstehe, was ich lebe. Und trotzdem
nehme ich dieses Geheimnis als lebendig und tatkräftig vor, ganz besonders
dann, wenn ich mit dem ge-opferten Brot meine ganze menschliche Schwäche
vereine.
Und die Rolle der Heiligen Jungfrau?
Ich sehe Maria an erster Stelle als Frau des Glaubens. Mich überrascht
und zieht vor allem ihre Mütterlichkeit unglaublich an. Ich sehe das
Rosenkranzgebet wie ein beten und betrachten der Geheimnisse Christi mit
Maria.
Was würden Sie den Jugendlichen von heute sagen?
Es gibt keine größere Freude, als Jesus Christus zu gehören
und ein so entzückendes und heraus-forderndes Abenteuer zu be-ginnen,
wie es das des Glaubens an Ihn und der Dienst in den Missionen ist.
Was wünschen Sie von allen Lesern dieser Zeitschrift, worum sie Gott
für Sie bitten sollten?
Dass ich jeden Tag meines Lebens, und ebenso den letzten Tag meines Lebens,
mit Glauben betrachten kann.
©HM Nr. 23
Mai - Juni 2006
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