| |
Wo leben Sie?
In Österreich, genau gesagt in Niederösterreich. Unser Zuhause
befindet sich etwa 80 Kilometer nördlich vom bekannten Wallfahrtsort
Maria Zell.
Können Sie uns kurz Ihre Familie vorstellen?
Mein Mann heißt Leopold. Wir haben fünf Kinder: Gabriel, Erich,
Reinhard, Roswitha und Andreas. Mein Mann ist als Schulwart tätig
und ich bin für den Haushalt verantwortlich. Obwohl von den fünf
Kindern niemand verheiratet ist, leben nur noch zwei zuhause, der Älteste
und der Jüngste.
Wie lebte Ihre Familie und welche Erziehung genossen Sie?
Meine Familie war sozusagen normal katholisch. Wir wuchsen in ein gläubiges
Umfeld hinein. Das Einhalten der Gebote und der sonntägliche Kirchengang
waren überhaupt keine Frage. Danach wurde vor und nach dem Essen gebetet.
Während des ganzen Jahres wurden die religiösen Feste wunderschön
gefeiert. Wir Kinder nahmen dann auch noch zweimal wöchentlich an
der Schulmesse teil. Es wurde aus dem Glauben heraus gelebt. Für uns
war diese Art zu leben eine Selbstverständlichkeit. Über Gott
wurde nicht so sehr geredet, sondern vor allem wurde das Christentum mit
Tatsachen gelebt. Alles was den Glauben anbelangte wurde sehr ernst genommen.
Dank dem Herrgott handelte es sich um eine solide religiöse Erziehung.
Bei den Eltern handelte es sich damals noch um Autoritäten, denen
man nicht widersprechen durfte. Trotzdem fühlte ich mich von ihnen
geliebt. In meinen Eltern und auch ganz besonders in meinem Pfarrer, der
zwar im Unterricht sehr viel verlangte, aber auch sehr anschaulich erzählen
konnte, womit sich seine Strenge wieder ausglich, habe ich gute Vorbilder
gehabt.
Welche Methoden Ihrer Erziehung wendeten Sie später
praktisch bei Ihren Kindern an?
Nun gut, wir versuchten und versuchen es immer noch, den Kindern ein gutes
Beispiel zu geben. Von ganz klein auf nahmen wir sie in die Kirche mit.
Die Gebete wurden langsam gesprochen und so gut wie möglich kurz gehalten,
damit die Kinder auch den Sinn verstanden. Sehr oft erzählte ich ihnen
von Gott und seiner Schöpfung. Auch versuchten wir ihnen die religiösen
Feste und deren Bedeutung nahe zu bringen. Die Buben fingen schon sehr
jung zu ministrieren und Sternsingen an. Leider gab es damals in unserer
Pfarre keine katholische Kinder- und Jugendgruppe, etwas, was ich sehr
bedauerte. So brachten wir unsere Kinder täglich 25 Kilometer in eine
private Klosterschule, um sie von katholischen Schwestern religiös
erziehen zu lassen. Andreas, der Jüngste unserer Sprösslinge,
hatte Glück, da es zu seiner Zeit schon eine katholische Pfadfindergruppe
im Ort gab.
Ist die Erziehung heute schwieriger geworden? Warum?
Ja. Das religiöse Umfeld fehlt weitgehend, auch auf dem Land. In der
Schule herrschten früher, zumindest auf dem Land, die christlichen
Werte, die meistens auch von den Lehrern vorgelebt wurden. Heute sind Schüler
und Lehrer, die ihren Glauben tatsächlich leben, nur mehr vereinzelt
vorzufinden. Es fehlt an Vorbildern. Auch ist es nicht gut, wenn die Kinder
keine religiösen Freunde haben, da sie so notwendigerweise in eine
Außenseiterstellung gedrängt werden. Alle Gebote und Tugenden
werden selbst, oder gerade von den Erwachsenen in Frage gestellt und lächerlich
gemacht, angefangen von den Politikern. Uns Eltern wurde und wird immer
wieder eingeredet, dass nur Fachleute eine richtige Kindererziehung ausführen
können. Doch haben wir endlich zu erkennen, dass Fernseher, Videos
und Computer einen sehr mächtigen, und falls man nicht aufmerksam
ist, negativen Einfluss auf Kinder und Jungendliche haben.
Wie war, religiös gesehen, Ihre Jugend?
Einerseits hatte ich persönlich keine Schwierigkeiten, lebte ich doch
vom Glauben umgeben, jedoch fühlte ich mich in dieser Zeit ziemlich
einsam, da mir Freundinnen fehlten, welche mit Freude ihren Glauben lebten.
Echte Probleme hatte ich mit jenen Menschen, die zwar zur Kirche gingen,
aber ihren Glauben nicht lebten. Ich konnte ihr Verhalten einfach nicht
verstehen und war sehr betroffen darüber. Gerade in der Jugendzeit
benötigt man starke Vorbilder. Das kann ein jeder Mitchrist, aber
auch jeder Jugendliche sein. Diese waren es, die mir damals fehlten. Gott
sei Dank hatte ich während dieser Zeit nur gute Priester kennen gelernt.
Als ich mit zwanzig Jahren eine berufsbildende Schule besuchte, hatten
wir einen Priester der alles in Frage stellte und selbst keinen Glauben
hatte. Das war eine sehr schlimme Zeit für mich. Ich hätte damals
eine christliche Gemeinschaft gebraucht, die mich in meinem Glauben gestärkt
hätte.

Woran erinnern Sie sich bezüglich Ihres christlichen Lebens?
Ich ging gerne in die Kirche. Gott war mir immer sehr wichtig. So bemühte
ich mich die Gebote zu halten, betete und machte auch verschiedene Wallfahrten
mit. Nie konnte ich es ertragen und es tat mir sehr weh, wenn Menschen über
die Kirche oder den Glauben schimpften oder spotteten.
Und doch weiß ich heute, dass alles zu wenig war. Ich kannte Gott
zu wenig. Des Öfteren dachte mich mir, dass es unmöglich sei
jemanden zu lieben, den man nicht kennt. Früher hielt ich die Gebote
mehr aus Angst vor Strafen, heute aus Liebe zu Jesus Christus, was mir
natürlich viel leichter fällt. Aus Liebe tut man natürlich
alles gerne und ist darüber hinaus bereit, viel mehr als vorgeschrieben
zu tun.
Welchen Unterschied sehen sie zur heutigen Welt?
Erstens im Wertewandel: Statt feste Gebote werden unverbindliche Normen
vorgeschlagen, die persönliche Freiheit darf nicht eingeschränkt
werden.
Zweitens in der Ehe, der Familie: Früher wurde die wichtigste Zelle
im Staat geschützt – heute angegriffen wie nie zuvor. Kinder
wurden früher als Geschenk angesehen, heute stören sie die Berufstätigkeit
der Frau und sind finanziell nicht tragbar. Mütterlichkeit hat einen
eher negativen Sinn bekommen. Vom Baby bis zum hundertjährigen Greis
wird jedes Lebensalter vermarktet, das heißt, teure Kurse, Heime,… werden
angeboten. Konsum, Wohlstand, Bildung, Freiheit und Freizeit sind heute
die Schlagwörter. Der Umgang miteinander wird immer unpersönlicher.
Jede Aktivität, egal ob im Privaten oder sonst, wird nur noch nach
dem finanziellen Gewinn beurteilt.
Wie ist das religiöse Umfeld in Österreich?
Eine heikle Frage. Ein Priester formulierte es einmal so: Früher wurde über
die Menschen geredet, die nicht zur Kirche gingen. Heute wird über
die Menschen geredet, die in die Kirche gehen.
Ich persönlich kann nur von meiner Sichtweise sprechen. Im Allgemeinen
ist die Situation sehr lau. Bei der Jugend ist schon nur noch sehr wenig
vorhanden. Es mangelt bereits bei ihrer Erziehung. Ohne Zweifel gibt es
von Region zu Region Unterschiede, selbst von Pfarrgemeinde zu Pfarrgemeinde
sind sie ersichtlich. Auch in kirchlichen Kreisen gilt es als „modern“, über
den Hl. Vater zu lächeln, über die Bischöfe und Priester
zu schimpfen. Es herrscht unheimlich viel Verwirrung auch unter den Katholiken.
Man passt sich lieber der Gesellschaft an und zieht es vor mit der Masse
mitzuschwimmen, als treu zur Kirche zu stehen. Christliche Ehen werden
nur noch selten geschlossen. Esoterik und fernöstliche Methoden boomen.
Doch Gott sein Dank gibt es ebenso erfreuliche Aufbrüche und neue
Gemeinschaften und Bekehrungen. Viel Hoffnung schenken christliche Radio-
und Fernsehsender. Die Menschen haben somit mehr Möglichkeiten sich
Wissen über den Glauben anzueignen und im Glauben zu wachsen.
Kann man sagen, dass die Welt nicht an Gott denkt?
Wahrscheinlich sind es nicht mehr viele. Man bastelt sich einen Gott nach
den eigenen Bedürfnissen. „So und so muss er sein, damit ich
an ihn glauben kann.“ „Wenn es einen Gott gäbe, dann würde
er all das nicht zulassen.“ Gott wird sozusagen vorgeschrieben, wie
Er zu sein hat.
War Ihr christliches Leben immer so?
Nein. Ich möchte damit nicht sagen, dass Gott in meinem Leben fehlte,
doch kannte ich Ihn viel zu wenig. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie
ich jemanden lieben kann, den ich nicht persönlich kenne. Ich wusste,
dass es meine Pflicht war die Gebote zu halten und all das zu tun, was
eben zum religiösen Leben gehört, aber mir fehlte die tiefe Beziehung
zu Jesus Christus. Heute ist Er der Mittelpunkt meines Lebens, weshalb
ich ständig eine große innere Freude in mir trage. Dass Er uns
die Gebote aus Liebe gegeben hat und alles ein Geschenk ist, zu dieser
Erkenntnis kam ich nicht aufgrund intensiven Nachdenkens, sondern Dank
einer großen Gnade Gottes.
Wie ist jetzt Ihre Erfahrung mit Gott? Woraus besteht
Ihr geistliches, spirituelles Leben?
Meine Erfahrung. Nun, wie gesagt, Gott liebt mich unendlich. Er gab sein
Leben, sein Blut für mich, nur um mich zu retten. Er kennt meine Schwächen
und verzeiht mir immer wieder aufs Neue. Er ist ein lebendiger Gott, der
immer mit mir ist, wenn ich Ihn nicht abweise. Er wartet immer wieder mit
offenen Armen auf mich. Alles Gute im Leben wird uns von Ihm geschenkt.
Er legt eben im Leben andere Maßstäbe an, als wir es tun, und
denkt in anderen Zeitbegriffen. Leider bin ich im Glauben noch viel zu
schwach und meine Liebe zu Ihm muss noch sehr wachsen.
Wir, das heißt, mein Mann und ich, bemühen uns den Geist des
Heims der Mutter gemäß zu leben. Dies vor allem durch den täglichen
gemeinsamen Rosenkranz, den morgendlichen Angelus und den Weihegebeten
ans Unbefleckte Herz Mariens und ans Heilige Herz Jesu, der Mitfeier der
Hl. Messe, falls möglich in der Kirche, ansonsten über Radio
Maria, dem Lesen der Hl. Schrift und religiöser Literatur, usw.
Beten Sie für Ihre Kinder? Glauben Sie, dass die Gebete der Mütter
erhört werden? Hatten Sie eine Bestätigung dafür?
Ja, ich bete sehr viel für meine Kinder, da es so oft nur noch das
einzig ist, was wir für sie tun können. Ich bete, damit sie ihren
Glauben nicht verlieren, damit sie ihre Seele vor dem Tod bewahren. Aber
auch, dass sie ein sinnerfülltes Leben suchen und finden. Ich bitte
für sie, dass sie Gottes Willen erkennen und mit Freude annehmen.
Natürlich bete ich auch um ihren körperlichen Schutz.
Ob meine Gebete erhört werden? Ich glaube gegen jede menschliche Vernunft
daran, einfach weil Jesus selbst es uns versprochen hat. Er ist die Wahrheit.
Auch habe ich schon mehrmals eine Bestätigung dafür bekommen.
Bevor mein Sohn Reinhard nach Spanien ging habe ich ihn der Mutter Gottes
und der hl. Theresia vom Kinde Jesu anvertraut. Zu dieser Zeit verspürte
ich in meinem Innersten keine Spur an Angstgefühlen um ihn. Als er
mir Wochen später schrieb, das er im „Heim der Mutter“ gelandet
war, wusste ich wem ich das zu verdanken hatte. Als er dann in die Gemeinschaft
eintrat (was er uns bis zum letzten Tag verheimlichte), war es auch keine
besondere Überraschung mehr für mich. Aber da ich ja insgesamt
fünf Kinder habe, werde ich wohl noch bis zu meinem Lebensende Arbeit
haben.
Woher nehmen Sie die Kraft für Gott zu arbeiten?
Aus dem Gebet, aus der Hl. Messe, aus der Liebe zu Christus, aus der Erkenntnis,
das Gott es so will. Auch ein klein wenig aus Dank für all das Gute,
das Er mir immer wieder schenkt.
Erzählen Sie uns über Ihre Beziehung zur Jungfrau
Maria.
Von klein auf war es eher eine Beziehung wie von Kind zu Mutter. Ich fühlte
mich bei Ihr sehr geborgen. Als Kind hat man ja viele Ängste und es
ist schön, wenn man mit all diesen Ängsten zur Mutter Gottes
gehen kann. In meiner Heimatkirche steht ein wunderschöner holzgeschnitzter
Altar. Nicht allzu weit entfernt von diesem Altar saß ich mit meiner
Familie in der Kirchenbank. Ich liebte es immer dort zu sitzen und auf
Maria zu schauen. Später verlor ich ein wenig den Zugang zu Ihr. Doch
Dank dem Herrgott bin ich zu einer innigen Beziehung zur Hl. Jungfrau zurückgekehrt,
obwohl ich mir wünsche, dass sie noch mehr wächst. Ich übergebe
Ihr meine Kinder, meine Familie, meine Freuden und Sorgen. Sie ist meine
große Fürsprecherin. Weiters ist Sie mir ein großes Vorbild
an Glauben, Mütterlichkeit, Liebe und Demut. Ich wollte, Sie gebe
mir nur einen Bruchteil davon.
Ist die Gegenwart der Jungfrau im Leben wichtig?
Ja. Jesus hat uns sicher nicht umsonst Maria als Mutter gegeben. Sie erfüllt
Ihre Aufgabe an uns in oft verborgener und unaufdringlicher Weise. Wir
bedürfen ja alle so sehr Ihres Schutzes. Ich bin auch überzeugt
davon, dass die Jungfrau es ist, die alle Brüder und Schwestern aus
aller Welt ins Heim der Mutter beruft. Sie ist auch für die ganze
Kirche und Menschheit unentbehrlich. Gerade in dieser Zeit zeigt Sie durch
ihre zahlreichen Erscheinungen uns allen wieder den Weg, der zu Gott führt.
Ihre große Liebe treibt Sie dazu, immer wieder beim Herrn für
uns Menschen zu bitten. Tausende Male rufen wir Sie an: „Bitte für
uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes.“ Ich wünsche
mir für uns alle, für diese letzte und schwerste Stunde, die
wir trotz unserer Lieben und Freunden ganz alleine durchleiden müssen,
dass die Hl. Mutter Gottes uns beisteht, uns zum Herrn begleitet und für
uns die Barmherzigkeit erbittet. Nur in seiner großen und unfassbaren
Liebe hat Jesus uns dieses Geschenk seiner eigenen Mutter machen können.
©Zeitschrift HM º 24Juli/August 2006
|