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D. Rafael Alonso
Über Mamies Hüte zu sprechen scheint beinahe
eine Oberflächlichkeit
zu sein.
Wir können uns jetzt fragen, wie wir über die Hüte
eines Menschen sprechen, wollen wir mehr über das Geistesleben dieser
Person erfahren?
Ich kenne Mamies Hüte nur aufgrund von Hinweisen, das heißt,
aufgrund vertraulicher Mitteilungen, die sie mir gemacht hatte. Sie erklärte
mir, dass sie eine grüne Baskenmütze besaß, da Grün
eine ihrer Lieblingsfarben war. Weiters hatte sie einen breiten Damenstrohhut,
einen so genannten Florentiner, der für ihren Geschmack jedoch etwas
zu auffällig war. Mamie versuchte eben immer im Schatten zu stehen.
„
Als ich noch klein war, trugen in meinem Land (sie kam in Brüssel,
Belgien zur Welt) alle Menschen, ob Mann oder Frau, einen Hut.“
Das ist der Grund, weshalb Mamie, als sie jung war, ebenso einen Hut
trug. Der Hut war eben ein zusätzlicher Teil der gewöhnlichen
Kleidung.
Auf keinem Fall suchte Mamie Eitelkeit
oder weibliche Koketterie, vielmehr versuchte sie diese mit allen möglichen Mitteln zu verhindern. Sie
erzählte, wie sie aufgrund einer Familienfeier eines Tages zum Haarschneider
ging. Als sie später zuhause ankam, kam sie sich so aufgeziert vor,
dass sie ihre Frisur sofort wieder aufmachte und sich abschminkte.
Wie bereits erwähnt, kannte ich keinen der
Hüte, die Mamie
trug. Aber ich weiß, was sie nach ihren Jugendjahren stets auf
dem Kopf zu tragen pflegte, nämlich ein großes, diskretes
Kopftuch, das sie unter dem Kinn zusammenknotete und unter dem sie all
ihre Haare versteckte. Von dem Augenblick an, an dem ich sie im Jahr
1973 kennen lernte, sah ich sie stets so. Mamie war einfach unvorstellbar
ohne ihrem Kopftuch, genauso wie sie auch ohne ihrem Kaffee oder ohne
ihrer Zigarette unvorstellbar war. Wie ihr schon wisst, fing sie bereits
mit zwölf Jahren zu rauchen an, da sie einige ältere Frauen
aus der Schweiz in dieses Laster eingeführt hatten.
Ich erinnere mich noch, wie wir während einem Sommerlager in Teran
de Cabueringa in Kantabrien im Jahr 1982 ihren Geburtstag feierten, den
sie am 12. Juli hatte. Außer den Mädchen des Sommerlagers
waren noch P. Rey Repiso, Mamie und ich. Das Essen verbrachten wir mit
einer unglaublichen Freude. Mamie erfreute uns alle mit ihrer großartigen
Sympathie. Als Geschenk erhielt sie von P. Jose Luis Rey Repiso,
S.I. ein weiß-schwarzes Kopftuch aus Seide. Sie hatte eine große
Freude damit, war es doch sehr schwierig, das Richtige zu finden, das
sie auch tatsächlich interessieren würde. Der Grund dafür
war nicht, dass sie so heikel war und deshalb die Geschenke verabscheute,
sondern vielmehr wünschte sie aufgrund ihrer Einfachheit keine wertvollen
Geschenke zu bekommen und akzeptierte diese nur von einigen wenigen Menschen,
unter denen sich auch ihr geistlicher Sohn, P. Rey Repiso befand.
Wie wir uns vorstellen können, trug sie bei ihr zuhause kein Kopftuch,
doch sobald sie das Haus verlassen musste, band sie sich dieses, nachdem
sie die Schuhe und den Mantel oder die Gabardine angelegt hatte, auf
dem Kopf fest. Und wo ging Mamie hin? Falls sie sich in Santander befand,
ging sie zur Messe in die Christuskappelle und in Toledo in die Kirche
zum Hl. Johannes (Jesuiten). Doch trug sie ihr Kopftuch ebenso, wenn
sie lange Reisen unternahm, die vor allem aus Pilgerreisen bestanden
und die sie nach Lourdes, nach Fatima, nach Rom, nach Mailand und vielen
anderen Orten machte. Stets mit ihrem Kopftuch auf, stets im Gebet versunken
und mit Gott vereint.
©Zeitschrift HM º 24Juli/August 2006
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