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Gemeinschaft Cenacolo Florida (USA)
Durch eine Eingebung des Heiligen Geistes entstand durch die gottgeweihte
Frau Sr. Elvira Petrozzi im Juli 1983 die Gemeinschaft Cenacolo als Antwort
Gottes auf den Schrei der Hoffnungslosigkeit vieler müder, enttäuschter,
verzweifelter drogenabhängiger junger Leute und generell aller Menschen,
die die Freude und den wahren Sinn des Lebens suchen.
Derzeit arbeiten mit der Gemeinschaft freiwillige Helfer, gottgeweihte
Personen und Familien zusammen, die ehrenamtlich rund um die Uhr im Dienst
stehen.
Das „Mutterhaus“ der Gemeinschaft befindet sich in Saluzzo,
einer Provinzstadt Cuneos (Piemonte) im Nordwesten Italiens. Seit dem Gründungsjahr
entstanden viele Bruderschaften des Cenacolos. Derzeit gibt es 51 Gemeinschaften,
die vor allem in Italien, doch ebenso über den Rest der Welt verstreut
sind.
Wie lange befindest du dich bereits in der Gemeinschaft?
Ich bin etwa fünf Jahre Mitglied der Gemeinschaft, doch arbeite ich
seit etwa acht Jahren in der Organisation hier in den USA mit.
Wie sah dein Leben vor dem Kennen lernen der Gemeinschaft aus?
Ich stamme aus einer sehr guten Familie, die mir stets gute und heilsame
Werte zu übermitteln versuchte. Während meiner Jugendzeit besuchte
ich immer wieder unser Pfarrzentrum, was auch viele andere Jugendliche
zu meiner Zeit taten. Als ich etwa 17 Jahre alt war, begann mein Aufstand
gegen die Gesellschaft und die Familie. Ich traf mich von nun an immer
häufiger mit einer Gruppe von Nonkon-formisten und Rebellen. All das
brachte mich nach und nach dazu, leichte Drogen zu nehmen. Zu meiner Zeit
fingen die Drogen erst richtig an, vor allem in den kleineren Dörfern.
Wir waren wenige und wir glaubten, dass wir mit den Drogen die Welt verändern
können. Das war unsere große Illusion, doch anstelle die Welt
zu verändern, veränderten wir uns und nach und nach wurden
wir zu ihren Sklaven.
Weshalb fingst du mit den Drogen an?
Ich fing mit den Drogen an, da ich mich den anderen überlegen glaubte,
und ebenso, um meine Ängste und Defekte zu verstecken, die auch alle
anderen Jugend-lichen in sich tragen. Die Droge war eine Substanz, die
all die Leere füllte, die ich als Jugendlicher in mir trug.
Und wie lerntest du danach die Gemeinschaft kennen?
Durch das Kreuz meiner Drogenab-hängigkeit. Wie ich bereits erwähnte,
erfährt man anfangs eine Illusion, die sich später in ein Sklaventum
verwandelt. Während meiner jahrelangen Abhängigkeit berührte
ich mehr als nur einmal den Boden, doch auf die eine oder andere Weise,
ebenso mit der Hilfe meiner Familie, erholte ich mich immer wieder, bis
eines Tages meine ganze Illusionswelt völlig in sich zusammenbrach.
Ich war stets davon überzeugt, dass ich es alleine schaffen könnte,
weshalb ich mir irgend-eine Ausrede suchte, bis ich eines Tages den Boden
unter den Füßen verlor. Ich verlor alles und hatte schon kein
Leben mehr in mir. Es war ausgelöscht. So bat ich um Hilfe.
Wie lerntest du Sr. Elvira kennen und wie sah dein erstes Treffen mit
ihr aus?
Ich hatte bereits über die Gemeinschaft Cenacolo reden gehört,
da sich das Mutter-haus in der Nähe meines Geburtsortes befindet.
Außerdem waren bereits einige meiner Freunde in den Anfangszeiten
zur Gemeinschaft gegangen. Mein erstes Treffen mit Sr. Elvira ergab
sich völlig unvorbereitet. Ich befand mich in der Gemeinschaft,
um dort einen Cousin zu besuchen (er ist jetzt Priester der Gemein-schaft
Cenacolo),
der dort seinen Zivil-dienst ablegte. Nach einem kurzen Besuch in
der Wohnung meines Cousins, kam Sr. Elvira aus der Kapelle und sah
mich im Gang stehen.
Ohne mich nach meinem Namen zu fragen, fing sie mit aller Heftigkeit
mit mir zu schreien an und nannte mich alles Mögliche. Ich kann
mich jetzt nicht mehr zu genau an alle Details erinnern, doch möchte
ich sie auch nicht wirklich wiedergeben, ihr könnt es euch schon
vorstellen. Die Unterhaltung war nicht gerade friedvoll. Vor allem
die Intensität
ihrer Stimme zog meine Auf-merksamkeit auf sich. Doch auch was sie
sagte war die reine Wahrheit. Ohne Zweifel hätte ich sie bei
einer anderen Gelegenheit alleine stehen gelassen, um so mit den
vier Wänden zu
schreien. Doch dieses Mal blieb ich bis zu Schluss. Innerlich war
ich noch nicht vor-bereitet, um den Schritt zu machen, hatte ich
mir doch gerade eine Indienreise vorgenommen.
Doch Sr. Elviras Worte waren so tief in mich eingedrungen, dass ich
ein Jahr später völlig
ohne Hoffnung zur Gemeinschaft kam.
Was ist das Charisma, die Mission der Gemeinschaft?
Das Charisma der Gemeinschaft ist zu glauben, dass wir mit dem Wort
Gottes unser Leben ändern können. So glauben wir auch, dass die Jugendlichen,
die bereits verloren, hoffnungslos, verworfen und aus der Gesellschaft
ausgeschlossen sind, wieder zum Leben zurückkehren und ebenso von
neuem an sich glauben können, glaubt doch auch die Gemein-schaft
an sie.
Wie entstand die Gemeinschaft?
Eine kleine Ordensfrau namens Elvira verspürte während einem
konkreten Zeitpunkt ihres Weges als gottgeweihte Seele den Wunsch den Jugendlichen
zu helfen. Zu dieser Zeit, vor etwa 20 Jahren, gab es nicht allzu viele
Einrichtungen, die den Drogenabhängigen halfen. Sie sah diese Dringlichkeit
und musste nun nur noch auf die Erlaubnis ihrer Oberen warten, um damit
anfangen zu können. Das Gemeindeamt von Saluzzo überließ ihr
eine große Villa, die sich in einem sehr schlechten Zustand befand,
weil sie schon seit Jahren unbewohnt war. Mit der Hilfe einer Schwester
und einer Laienfrau wurde die Gemeinschaft Cenacolo im Sommer 1983, dem
Festtag unserer Lieben Frau auf dem Berg Karmel ins Leben gerufen. Wie
die Gemeinschaft aussehen sollte wusste nicht einmal Sr. Elvira, doch besaß sie
eine brennende Hoffnung und ein vollständiges Vertrauen auf die
Vorsehung Gottes.
Was wird von einem Jugendlichen mit Drogenproblemen erwartet,
um in die Gemeinschaft aufgenommen werden zu können?
Um aufgenommen zu werden, muss man zuerst durch einige Vorstellungs-gespräche
hindurch und danach einige Probetage in verschiedenen Häusern der
Gemeinschaft verbringen. An erster Stelle werden diese Vorstellungsgespräche
mit den Burschen gemacht, die in der Ge-meinschaft leben und sich früher
in der-selben Situation befanden, wie jener Jugendliche, der um Hilfe bittet.
Dies schafft augenblicklich eine unterschied-liche Beziehung, denn wer
kennt schon die Drogenabhängigen besser als jene Jungs, die früher
dieselbe Situation durch-lebten? Der ganze Prozess kann sehr lange dauern,
doch hängt es auch sehr viel davon ab, wie sehr der Jugendliche tatsächlich
sein Leben ändern möchte und wie tief er gesunken war.
Auf welchen Säulen gründet sich das Gemeinschaftsleben, um einen
Jugendlichen wieder aus den Drogen helfen zu können?
Es gibt keine besonderen Therapieprogramme, endlosen Studien, bezahlte
Spezialisten, etc. Die einzige Säule ist die „Christustherapie“,
das heißt, einen Glaubensweg zu beginnen. Anfangs ist es nicht immer
ganz einfach. Grund dafür ist, dass die Mehrheit der Jugendlichen
einfach alles verloren hat, inklusive das Vertrauen in sich selbst. Der
Weg wird selbstverständlich auch von Arbeit, vor allem manueller Arbeit,
Disziplin, Ausdauer, Opfer, Beständigkeit, Wahrheit, Demut, zusammenfassend,
den christlichen Werten begleitet. Aus diesem Grund wird unsere Gemeinschaft
auch „Lebensschule“ genannt.
Wie lange dauert die Mindest-aufenthaltszeit?
Die Aufenthaltsdauer ist grund-sätzlich drei Jahre, doch haben wir
verstanden, dass ein jeder Mensch unterschiedlich ist und eben die dafür
benötigte Zeit bleiben muss. Wir haben keine Eile die Burschen wieder
auf die Straße zu setzen.
Welchen Platz nimmt im Ge-meinschaftsleben das Opfer ein?
Die Burschen bringen in der Gemeinschaft ein ständiges Opfer dar.
Es gibt keine Bequemlichkeiten. Die Einrichtung ist sehr einfach. Es gibt
keinen Fernseher, keine Zeitschriften, kein Radio, keine Musik, keine Freundin
oder Frau, das heißt, wir können nicht mehr tun, was wir wollen,
denn all diese Freiheit hatten wir zuvor, jedoch konnten wir sie nicht
verwalten. Die Jugendlichen von heute besitzen alles und niemand bittet
sie auch nur um das kleinste Opfer und viele von ihnen sind sehr unglücklich
und un-zufrieden, nehmen sie auch keine Drogen zu sich. Die Welt und die
Familien fordern nicht mehr und unglücklicherweise werden jetzt Gene-rationen
herangezogen, denen alles er-laubt ist und die zu allem Zugang haben. In
der Gemeinschaft wird einfach alles gefordert und es wird sehr daran gear-beitet,
dass sie zu geben lernen, denn wir glauben an die Qualitäten der
Jugend-lichen.
Weshalb wird all das von den Burschen gefordert?
Dies ist ein Teil des Gemeinschafts-leben und zur gleichen
Zeit Training für das zukünftige Leben, wenn sie selbst eine Familie und Kinder
haben, denen sie zuhören und selbst des Nachts aufstehen müssen,
um der Ehefrau zu helfen und beizustehen. Ein Haus bauen, verschiedene
Arbeiten verrichten, den Brüdern des Nachts zuhören, wobei Stunden
des Schlafes aufgeopfert werden, die Freizeit aufopfern, um das schmutzige
Gewand zu waschen, etc. all das gehört dazu.
Worin hilft ihnen all das?
Sich von ihnen selbst, von ihrer Selbstsucht loszulösen.
Wovon lebt die Gemeinschaft?
Von der Vorsehung. Sie erhält sich von dem ständigen Vertrauen
auf Gott, der uns nie in Stich lässt. Doch es muss auch gesagt werden,
dass wir nicht mit verschränkten Armen dastehen und warten. Täglich
wird acht Stunden hart gearbeitet. Es wird das gegessen, was wir haben
und wir lernen ebenso ohne das auszukommen, was wir nicht haben, ohne uns
darüber zu beschweren. Da wir niemals einkaufen gehen, leben wir von
dem, was uns die Leute bringen. Oftmals kennen wir sie nicht einmal. Wir
bebauen ebenso das Land und lernen seine Früchte zu schätzen,
denn wie gesagt, viele von uns wurden sehr schlecht erzogen und verwöhnt.
Was bedeutet von der göttlichen Vorsehung zu leben?
Es bedeutet darauf zu vertrauen, dass Gott stets unter
uns ist und für
uns sorgt. Und wir erfahren dies alle Tage in unseren auf der ganzen Welt
verteilten 51 Gemein-schaften. Wir befinden uns sowohl in reichen wie auch
in armen Ländern. Für Gott gibt es keine Grenzen und derzeit
befinden sich um die 1500 Personen in der Gemeinschaft.
Weshalb habt ihr euch dazu ent-schieden, von der göttlichen
Vorsehung zu leben?
Sr. Elvira entschied sich bereits von Anfang an von
der göttlichen
Vorsehung zu leben, da sie keine Unterstützungen der Regierung annehmen
wollte. Wir wollen in unserem Werk keine Interferenzen haben.
Ist das nicht ein sehr großes Risiko bei einer so zahlreichen
Gemeinschaft?
Vertraut man auf Gott, gibt es kein Risiko mehr.
Müsste Sr. Elvira
nochmals von vorne anfangen, würde sie keine Minute lang darüber
nachdenken, um denselben Weg einzuschlagen. Welchen Platz nehmen Gott, die Eucharistie und das
Gebet in eurer Gemeinschaft ein?
Gott ist in all unseren Kapellen eine lebendige
Gegenwart. Das Gebet ist das Zentrum unseres gemeinschaftlichen
Weges und ohne
das Gebet
wären
wir nur eine Gesellschaft mehr. Unser Tag beginnt um sechs Uhr früh
mit einem Gebet, wobei wir den Rosenkranz kniend als Dankgebet für
die Gabe des Lebens beten. Neben den Sonntagen haben wir jedes Mal dann
die Hl. Messe, wenn wir einen Priester zur Verfügung haben. In all
unseren Häusern pflegen wir die ewige Anbetung und wir wissen, dass
es immer irgendwo jemanden gibt, der für uns betet.
Welche Rolle spielt die Heilige Jungfrau Maria
in deinem Leben?
Ich bin ein sehr großer Marienverehrer, denn Sie schützt uns
in und außerhalb der Gemeinschaft. Täglich bete ich den Rosen-kranz,
der wie eine ständige Anrufung Marias, unserer Mutter, ist.
Könntest du uns etwas über den Tagesablauf der Gemeinschaft
erzählen?
Wie bereits erwähnt beginnt der Tag um sechs Uhr früh mit dem
Weckruf. Danach gehen wir augenblicklich in die Kapelle, um dort den freudenreichen
Rosenkranz zu beten. Nach dem Rosen-kranz wird die Lesung des jeweiligen
Tages gelesen und besprochen. Um sieben Uhr dreißig haben wir Frühstück
und um acht Uhr beginnen wir mit der Arbeit. Um zwölf Uhr haben wir
das Mittagessen und etwas Freizeit bis zum erneuten Arbeits-beginn um ein
Uhr dreißig. Nachmit-tags wird bis etwas fünf Uhr dreißig
oder sechs Uhr gearbeitet. Während dieser Zeit werden die schmerzhaften
Geheimnisse des Rosenkranzes gebetet. Nach der Arbeit gehen wir uns waschen
und danach in die Kapelle, um den glorreichen Rosenkranz zu beten, das
Evangelium zu lesen und das am Tag Erlebte zu teilen. Tauchen Probleme
und Diskussionen auf, werden diese offen und ohne Angst analysiert, und
dies stets in der Kapelle und mit helfendem Geist.
Welche Wichtigkeit hat die Arbeit?
In der Gemeinschaft ist die Arbeit etwas grundsätzliches, um das Fun-dament
der Zukunft vorzubereiten. Viele von uns wechselten sehr häufig den
Arbeitsplatz, waren unverant-wortlich und hatten keine Lust zu arbeiten.
In der Gemeinschaft lernen wir alle Arbeiten zu verrichten, auch jene,
die uns nicht wirklich zusagen. Ständig rotieren wir bei der Arbeiten,
so dass wir alles tun lernen. Weiters hilft es der Beharrlichkeit und
Ausdauer.
Und wie sieht es mit der Freundschaft aus?
Man lernt die wahre Freundschaft kennen,
bei der keine Interessen im Spiel sind.
Täglich lebt man vierund-zwanzig Stunden lang mit denselben
Burschen zusammen und gibt es jemanden, der nicht ganz dein Typ ist,
so lebst du mit ihm und lernst sein Freund zu sein. Wir sagen uns stets
die
Wahrheit, weshalb auch wahre Freund-schaften ohne Komponenten geschaffen
werden.
Was sind heutzutage die Beweg-gründe, weshalb ein Jugendlicher
in den Drogen Zuflucht sucht?
Noch gibt es keine vollständige Erklärung, doch denke ich, dass
die Drogenplage aufgrund der Schwierig-keiten in den Familien, des fehlenden
Gespräches, der eigenen Ängste, der Beziehungen mit den Mädchen
ihren Grund findet. Die Droge ist ein Zu-fluchtsort, der zur selben Zeit
die innere Leere der Jugendlichen füllt, wobei sie die Illusion schenkt,
glücklich zu machen.
Gibt es deinem Anschein nach eine „vorbeugende Medizin“,
um den Ju-gendlichen dabei zu helfen, nicht in die Droge zu stürzen?
Es ist sehr schwierig eine vorbeugende
Medizin zu finden, da wir keinen Zauber-stab
besitzen.
Doch
gibt es kleine Ände-rungen, die gemacht
werden können, um diesem Problem
zuvorzukommen.
Welche?
Die Wurzel liegt in der Familie. Ich
denken, dass wir unser Konzept des
Dialogs, des
Opfers und der
Forderung
einer
Familie dem Sohn
gegenüber
etwas zu überholen haben. Heutzutage wird den Kindern alles gegeben
und nur wenig ge-fordert. Es herrscht zuviel Freiheit: man hat zuviel Zugang
zum Computer, zum Fernseher, zur Musik, die uns immer wieder falsche Botschaften übermitteln
und unter den Jugendlichen Verwirrung verursachen, durch die sie verloren
gehen. Ein Weg des Glaubens in den Familien hilft auf jeden Fall im Gespräch
mit den Kindern. Ein Problem sind oftmals die getrennten Familien, denn
schließlich sind es die Kinder
die den Egoismus der Eltern bezahlen.
Was würdest du einen Jugendlichen
mit einem Drogen- oder Alkoholproblem
sagen?
Komm zur Gemeinschaft, denn alleine
wirst du es nicht schaffen. Manchmal
kannst
du die Leere
mit
verschiedenen
Situationen
oder dem Reisen
von einem Ort zum anderen füllen. Doch unglück-licherweise
liegt das Problem in dir, weshalb du
es stets mit dir herumtragen wirst.
©Zeitschrift HM Nr. 25 September- Oktober 2006
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