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Nur einige kurze Gedanken zur Lesung, die wir gehört haben: Auf dem Hintergrund der dramatischen Lage im Nahen Osten bewegt uns die Schönheit dessen, was uns der Apostel Paulus darlegt (vgl. Eph 2,13-18): Christus ist unser Friede. Er hat Juden und Heiden miteinander versöhnt, indem Er sie in seinem Leib vereint hat. Er hat die Feindschaft in seinem Leib, am Kreuz, überwunden. Mit seinem Tod hat Er die Feindschaft überwunden und uns alle in seinem Frieden vereint.

Noch stärker als die Schönheit dieser Darlegung bewegt uns jedoch der Gegensatz zur Wirklichkeit, in der wir leben und die wir sehen. Und im ersten Augenblick können wir nichts anderes tun als den Herrn zu fragen: »Aber Herr, was soll denn das heißen, dass dein Apostel zu uns sagt: ›Sie sind miteinander versöhnt‹? « Wir sehen doch, dass sie in Wirklichkeit nicht miteinander versöhnt sind … Es herrscht noch immer Krieg zwischen Christen, Muslimen und Juden; und es gibt andere, die den Krieg anfachen, und alles ist noch immer voller Feindschaft und Gewalt. Wo ist die Wirkung deines Opfers? Wo ist in der Geschichte dieser Friede, von dem dein Apostel zu uns spricht?

Wir Menschen können nicht das Geheimnis der Geschichte verste-hen, das Geheimnis der menschli-chen Freiheit, »nein« zu sagen zum Frieden Gottes. Wir können nicht das ganze Geheimnis der Beziehung Gott–Mensch verstehen, das Ge-heimnis des Handelns Gottes und unserer Antwort. Wir müssen das Geheimnis als solches annehmen. Der Herr gibt uns jedoch Elemen-te für eine Antwort.

Ein erstes Element – das Versöh-nungswerk des Herrn, sein Opfer – ist nicht wirkungslos geblieben. Es gibt die große Wirklichkeit der Gemeinschaft der Universalkirche, der Kirche aller Völker, das Netz der eucharistischen Gemeinschaft, das über die Grenzen der Kulturen, der Zivilisationen, der Völker, der Zeiten hinausgeht. Es gibt diese Gemeinschaft, es gibt diese »Inseln des Friedens« im Leib Christi. Es gibt sie. Und sie sind Kräfte des Friedens in der Welt.

Wenn wir in die Geschichte zurück-blicken, dann können wir die großen Heiligen der Nächstenliebe sehen, die »Oasen« dieses Friedens Gottes in der Welt geschaffen haben, immer wieder sein Licht entzündeten und immer wieder auch fähig waren, zu versöhnen und Frieden zu schaffen. Es gibt die Märtyrer, die mit Chris-tus gelitten haben, die dieses Zeug-nis vom Frieden abgelegt haben, von der Liebe, die der Gewalt eine Grenze setzt.

Und wenn wir sehen, dass es die Wirklichkeit des Friedens gibt – auch wenn die andere Wirklichkeit geblieben ist –, dann können wir die Botschaft dieses Briefes des hl. Paulus an die Epheser tiefer ver-stehen. Der Herr hat am Kreuz gesiegt. Er hat nicht mit einem neuen Reich gesiegt, mit einer Kraft, die stärker ist als die anderen Kräfte und fähig, diese zu zerstören; Er hat nicht auf menschliche Weise gesiegt, wie wir es uns vorstellen, mit einem Reich, das stärker ist als das andere Reich. Er hat mit einer Liebe gesiegt, die in der Lage ist, bis zum Tod zu gehen.

Das ist die neue Weise, auf die Gott siegt: Er setzt der Gewalt keine stärkere Gewalt entgegen. Er setzt der Gewalt genau das Gegenteil entgegen: die Liebe bis zum Ende, sein Kreuz. Das ist die demütige Weise, auf die Gott siegt: Durch seine Liebe – und nur so ist es möglich – setzt Er der Gewalt eine Grenze. Diese Weise zu siegen scheint uns sehr langsam zu sein, aber sie ist die wahre Weise, um das Böse zu besiegen, um die Ge-walt zu besiegen, und wir müssen uns dieser göttlichen Weise zu siegen anvertrauen.

Uns anvertrauen heißt, aktiv in diese göttliche Liebe einzutreten, an dieser Friedensarbeit teilzu-haben, um uns auf einer Linie zu befinden mit dem, was der Herr sagt: »Selig, die Frieden stiften, die Frieden wirken, denn sie sind Kinder Gottes«. Wir müssen soweit wie möglich allen Leidenden unsere Liebe bringen, denn wir wissen, dass der Richter des Jüngsten Gerichts sich mit den Leidenden identifiziert. Was wir also den Leidenden tun, das tun wir dem obersten Richter über unser Leben. Das ist wichtig: dass wir in diesem Augenblick der Welt seinen Sieg bringen können, indem wir aktiv an seiner Liebe teilhaben.

Heute, in einer multikulturellen und multireligiösen Welt, sind viele ver-sucht zu sagen: »Es ist besser für den Frieden in der Welt, zwischen den Religionen und den Kulturen, nicht zuviel von der Besonderheit des Christentums zu sprechen, also von Jesus, der Kirche, den Sakra-menten. Begnügen wir uns mit den Dingen, die uns mehr oder weniger gemeinsam sein können…«. Aber das ist nicht wahr. Gerade in diesem Augenblick – einem Augen-blick, in dem der Name Gottes großen Missbrauch erfährt – brauchen wir den Gott, der am Kreuz siegt, der nicht mit Gewalt siegt, sondern mit seiner Liebe. Gerade in diesem Augenblick brau-chen wir das Antlitz Christi, um das wahre Antlitz Gottes kennen zu lernen und so dieser Welt Versöh-nung und Licht zu bringen. Daher müssen wir zusammen mit der Liebe, mit der Liebesbotschaft, mit all dem, was wir für die Leidenden in dieser Welt tun können, auch das Zeugnis dieses Gottes bringen, das Zeugnis von Gottes Sieg eben durch die Gewaltlosigkeit seines Kreuzes.

So kommen wir zum Ausgangspunkt zurück. Was wir tun können, ist Zeugnis ablegen von der Liebe, vom Glauben. Vor allem können wir unsere Stimme zu Gott er-heben: Wir können beten! Wir sind uns sicher, dass unser Vater den Ruf seiner Kinder hört. In der Messe, wenn wir uns auf die heilige Kommunion vorbereiten, auf den Empfang des Leibes Christi, der uns vereint, beten wir mit der Kirche: »Erlöse uns, Herr, von allem Bösen, und gib Frieden in unseren Tagen«. Das möge unser Gebet zu dieser Stunde sein: »Erlöse uns von allem Bösen und schenke uns Frieden«. Nicht morgen oder übermorgen: Schenke uns, Herr, den Frieden heute! Amen.

 

©Zeitschrift HM Nr. 25 September- Oktober 2006

 

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