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Unausweichlich muss ich mit der Aussage beginnen, dass Gott sich niemals an Großzügigkeit gewinnen lässt, blickte Er doch mit seinen barmherzigen Augen auf mich, damit ich an dem Geschenk an seine Mutter teilnehmen könnte, dass das Heim ist.

Ich war sechzehn Jahre alt, als ich zum ersten Mal vom Heim der Mutter hörte. Während dieser Zeit befand ich mich in einer Schwesternschule. Es war etwa gegen die Ferienzeit, als meine Brüder nach Hause kamen und erzählten, dass sie eine Schwester in einem weißen Ordensgewand und einem Priester im Talar gesehen hätten. Schwestern im Ordensgewand zu sehen, war für mich etwas mehr oder weniger normales, doch einen Priester im Talar zu sehen, war schon etwas ganz anderes. Ehrlich gesagt hatte ich persönlich noch nie einen Priester in Talar gesehen, kannte ich doch diesen nur von den Filmen her. Vorerst dachte ich, dass es sich um die Schwestern meiner Schule handelte, doch lag ich völlig falsch.

Wenige Zeit später erklärte mir eine Freundin, dass einige spanische Schwestern zu uns nach Chone gekommen seien, weshalb ich mich augenblicklich an das Gesagte meiner Brüder erinnerte, und tatsächlich handelte es sich um dieselben. Mein Interesse, sie kennen zu lernen, wuchs nun unglaublich. Doch wusste ich rein gar nichts über sie, nicht einmal wo sie wohnten, noch welcher Gemeinschaft sie angehörten. Ich wusste ausschließlich, dass es sich um spanische Schwestern handelte, die sich jetzt in Chone befanden. Und so vergaß ich sie auch schon bald wieder.

In meiner Schule war es Brauch, das Fest der hl. Mariana von Jesus, der Gründerin der Ordensschwestern, die unsere Schule leiteten, mit einer schönen Messe zu feiern. Dieses Jahr entschied man sich, diese Messe in der Pfarre des hl. Cayetano zu feiern. Weiters erfuhr ich noch, dass eventuell ebenso die spanischen Schwestern dort sein würden. Wie sehr freute ich mich doch, konnte ich sie nun endlich kennen lernen.

Als nun der große Tag anrückte, war meine Klasse für den Chor verantwortlich. Die ganze Zeit schaute ich immer wieder nach hinten, um zu sehen, wann die Schwestern endlich kommen würden. Doch schienen sie auf die Messe vergessen zu haben. Als der Priester mit der Messfeier anfing, hatte ich schon meine Hoffnung verloren, dass sie kommen würden. „Na gut, dachte ich mir, die kommen eben doch nicht.“ Und als ich mich mit dieser Tatsache endlich abgefunden hatte, forderte mich eine Freundin auf, nach hinten zu gucken. Und dort waren sie.

Nach der Heiligen Messe näherten wir, meine Freundin und ich, uns zu den Schwestern, um diese zu begrüßen. Eine der Schwestern lud uns ein, bei einem Jugendtreffen teilzunehmen. Obwohl wir absolut kein Interesse hatten, antworteten wir zustimmend, um vor ihnen nicht schlecht dazustehen. So verabschiedeten wir uns wieder und vergaßen augenblicklich auf dieses Treffen.

Und so vergingen nun die Wochen, bis wir uns auch schon im Monat Juli befanden, in dem wir normalerweise unsere Schulfeiern hatten, bei denen die Königin gewählt werden musste. Meine Freundin und ich wollten natürlich die Königin unserer Klasse sein, weshalb wir Gott einen Vorschlag machten. Falls Er uns dabei half, dieses Jahr den Wettbewerb zu gewinnen, würden wir während neun Sonntagen die Heilige Messe besuchen, was für mich einfach schrecklich war, gab es doch für mich nichts schlimmeres, nichts langweiligeres. Ging ich hin und wieder zur Messe, so war der Grund ganz einfach, dass mich mein Vater dazu verpflichtete oder dass wir von der Schule aus gingen. Da keiner von uns die Messe leiden konnte, versuchten wir Gott auf diese Weise zu erpressen, doch schien Ihm unser Vorschlag nicht allzu sehr zu gefallen. Wie auch immer, auf jeden Fall hatte Er für uns etwas anderes geplant und wollte, dass wir verlieren. Ich war natürlich äußerst zornig und erklärte Ihm, dass nun aus der Messe nichts werden würde. Später hatte ich schreckliche Gewissensbisse und erklärte meiner Freundin, dass es trotz unserer Niederlage besser wäre, die neun Sonntage die Hl. Messe mitzufeiern. Und so taten wir. Am ersten Sonntag gingen meine Freundin und ich, ebenso meine kleine Schwester, zur Sonntagsmesse. Wie es doch oft so sein muss, trafen wir die Schwestern. Welch ein Zufall! Jetzt erkenne ich völlig klar, dass unsere Gottesmutter ihre Hände im Spiel hatte. Da meine Freundin und ich uns zu sehr schämten, begrüßten wir die Schwestern dieses Mal nicht.

Auch am darauf folgenden Sonntag gingen wir wieder schön brav zur Messe und dieses Mal schöpften wir Mut und näherten uns den Schwestern. Während der Unterhaltung erinnerten wir sie an die Einladung zu diesem Gruppentreffen, die sie uns beim letzten Mal gemacht hatten. Ohne zu zögern forderten sie uns auf, noch an diesem Sonntag um vier Uhr abends bei diesem wöchentlichen Treffen teilzunehmen. Dieses Mal nahmen wir die Einladung ernst, waren wir doch tatsächlich bereit hinzugehen. So baten wir unsere Eltern um die Erlaubnis, die sie uns auch gleich gaben. Doch bis zum Treffen entschieden wir uns noch unzählige Male dafür und ebenso unzählige Male dagegen, bis wir uns schließlich dafür entschieden.

Als wir schließlich vor der Haustür der Schwestern standen, waren wir unfähig zu läuten, bis, Gott sei Dank, endlich meine Schwester den ersten Schritt wagte. Wir schrecklich nervös wir waren, dachten wir doch ununterbrochen an die anderen Jugendlichen, wie sie wohl sein würden, wie wir zu handeln hätten, usw. Als wir eintraten, befanden sich außer zwei Schwestern und zwei Mädchen, meine Schwester und ich, niemand dort. Wo sind doch bloß die andern. Noch bevor wir diesen Gedanken zu Ende dachten, erklärten uns die Schwestern den Grund: Wir waren die ersten. O Schreck! Vor lauter Verlegenheit wünschten wir das Haus laufend wieder verlassen.

Und so lernte ich das Heim kennen. Ich muss jetzt zugeben, dass ich unserer Gottesmutter unglaublich viel zu verdanken habe, hat Sie mir doch ihre Hand ausgestreckt, um mich aus dem Elend herauszuholen, in das mein ganzes Leben versunken war, um mich danach zu ihrem Geschenk zu machen. Seither habe ich die wahre mütterliche Liebe der Heiligen Jungfrau kennen lernen können. Für mich war Sie vorerst nicht mehr als die Mutter Jesu, hatte ich doch absolut keine Ahnung, dass Sie ebenso meine Mutter ist. Jetzt befindet Sie sich ständig an meiner Seite, um mir zu sagen, dass ich keine Angst zu haben brauche, da Sie mir dabei helfen werden, ihren Sohn mehr und besser lieben zu lernen. Die Eucharistie, die ich absolut nicht hinnehmen konnte, ist nun meine Stärke, meine geistliche Nahrung, die ich täglich benötige, um die nötige Kraft zu haben. Ich verstand, dass es sich dabei keinesfalls um einen Blödsinn, sondern um die Liebe Christi handelt, der sich für mich und alle anderen Menschseelen hingegeben hat.

Das einzige, dass ich jetzt sagen kann, sind die Worte des Psalmisten: „Wie gebe ich dem Herrn all das gute zurück, das Er mir geschenkt hat.“

 

©Zeitschrift HM Nr. 26 November/Dezember 2006

 

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