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Am 20 Jänner 1842 bekehrte sich der aus Strassburg stammende 27-jährige Israelit Alfons Ratisbonne in der römisch-katholischen Pfarrkirche „Sant’ Andrea delle Fratte“ durch die besondere Gnade der Erscheinung der Unbefleckten Empfängnis, so wie Sie auf der Wunderbaren Medaille zu sehen ist, augenblicklich zum Katholizismus. Doch was während diesem Augenblick unglaublicher Gnade vor sich ging, beschreibt uns Alfons persönlich in einigen Briefen und der vor dem Vikariat in Rom gemachten Aussage, wo man die Wahrheit dieser Ereignisse bescheinigte. Alfons Ratisbonne wurde am 31. Jänner 1842 von Kardinal Patrizi getauft und in der katholischen Kirche empfangen. 1847 empfing er seine Priesterweihe.

Nachfolgend bringen wir eine Zusammenfassung seines Briefes, bei dem Alfons die Reise nach Rom und seine innere Erfahrung beschreibt.


Ich ging in die königliche Schule Strassburgs, wo ich mehr im Verderb meines Herzens als in Kultur Fortschritte machte. Es war im Jahr 1825 (ich kam am 1. Mai 1814 zur Welt), als sich mein Bruder Theodor, auf dem man viel Hoffnung gesetzt hatte, zum Christentum bekehrte. Und wenige Zeit später ging er trotz der bereits verursachten Verheerung noch einen Schritt weiter: Er wurde zum Priester geweiht und verrichtete sein Priestertum in derselben Stadt vor den untröstlichen Augen seiner Familie.

Ich war noch sehr jung. Doch missfiel mir dieses Betragen meines Bruders sehr, weshalb ich nach und nach sein Priestergewand und seine Person immer mehr hasste. Unter gleichgültigen jungen Christen aufgewachsen, hatte ich bis dahin für die Christen weder Sympathie noch Antipathie verspürt. Aber die Bekehrung meines Bruders, die ich als unerklärliche Verrücktheit betrachtete, ließ mich die Christen als Fanatiker erkennen, vor denen mir graute.

Da ich noch als Kleinkind zuerst meine Mutter und später meinen Vater verlor, war ich im Besitz meiner Erbschaft. Nach dem Tod meiner Eltern lebte ich mit meinem erlauchten Onkel, der, wo er selbst keine Kinder hatte, seine ganze Liebe den Kindern seines Bruders schenkte. Dieser Onkel trug dazu bei, dass in mir die Neigung für das Bankwesen aufkam, wovon er der Besitzer war. So studierte ich in Paris Recht. Später wurde ich von meinem Onkel nach Strassburg gerufen, der alles Mögliche tat, damit ich bei ihm sein könnte. Unmöglich ist es mir, all seine Geschenke zu zählen: Pferde, Autos, Reisen; Er überhäufte mich mit seiner Großzügigkeit und verneinte mir kein einziges Vergnügen. Zu diesen Beweisen der Zuneigung kam ein sehr positives Zeichen seines Vertrauens hinzu: Er überließ mir die Unterschrift seines Bankwesens und Versprach mir ebenso die Vorteile als Partner, Versprechen, dass er am 1. Jänner 1842 erfüllte, während ich mich in Rom befand.

Nur eine Sache warf mir mein Onkel vor: „Dir gefällt die Eliseostraße in Paris zu sehr.“ Ich dachte an nichts anderes so sehr wie ans Vergnügen. Ich träumte ausschließlich von Feiern und Unterhaltungen, bei denen ich mich von meinen Leidenschaften hinreißen ließ.

Nur dem Namen nach war ich hebräisch, glaubte ich doch nicht einmal an Gott. Niemals im Leben hatte ich ein Religionsbuch geöffnet. Weder im Haus meines Onkels, noch im Haus meiner Ge-schwister wurden die Mindestvorschriften des Judentums eingehalten.

In meinem Herzen herrschte eine Leere und nichts machte mich glücklich. Ich hatte eine Nichte, Tochter meines älteren Bruders, die mir versprochen wurde, als wir noch beide Kinder waren. Sie bewegte sich allzu zierlich vor meinen Augen und in ihr sah ich all meine Zukunft und all meine Hoffnung des Glücks, das mich erwartete. Sehr schwer wäre es, sich ein noch süßeres, noch liebenswürdigeres und noch graziöseres junges Mädchen vorzustellen. Nur einen einzigen Menschen meiner ganzen Familie hasste ich: meinen Bruder Theodor. Dessen unge-achtet liebte er mich, doch rief seine Kleidung Abneigung hervor, seine Gegenwart nervte, sein schweres und ernstes Wort ließ mich zornig werden.

Betrachtete ich meine Verlobte, erwachte in mir ich weiß nicht welch ein Gefühl an Menschenwürde. Ich fing selbst an die Unsterblichkeit der Seele zu glauben an, und noch viel mehr, instinktiv betete ich zu Gott, dankte Ihm für mein Glück und doch war ich noch nicht vollkommen glücklich.

Aufgrund des zarten Alters meiner Verlobten, erachtete man als angebracht, die Ehe aufzuschieben. Sie war sechzehn Jahre alt. Ich sollte eine Vergnügungsreise unternehmen, die bis zur Hochzeit dauern würde. Doch wusste ich nicht wohin. Meine Schwester, die in Paris lebte, wollte mich bei ihr haben. Ein sehr guter Freund lud mich nach Spanien ein. Schließlich gefiel mir die Idee nach Neapel zu fahren und in Malta zu überwintern, um meine zarte Gesundheit auf Fordermann zu bringen. So verbrachte ich nun einen Monat in Neapel, wo ich alles besuchte und aufzeichnete. Vor allem schrieb ich gegen die Religion und gegen die Priester, die mir in jener Stadt als unangebracht erschien. O, wie viele Gotteslästerungen doch in mein Tagebuch kamen! Spreche ich davon, so ist es, um die Ruchlosigkeit meiner Seele aufzuzeigen. Ich schrieb nach Strassburg, dass ich am Vesubio den Likör Lacryma Christi auf die Gesundheit des ehrwürdigen Herrn Ratisbonne getrunken hätte und, dass mir diese Tränen äußerst wohl schmeckten.

NACH ROM NICHT!

Ich hatte absolut keinen Wunsch nach Rom zu fahren. Meine Verlobte wünschte, dass ich direkt nach Malta reiste und sandte mir eine Verschreibung meines Arztes, der mir , dort den Winter zu verbringen empfahl. Außerdem verbot er mir strengstens nach Rom zu fahren, herrschte dort doch die Malaria.

Wie kam ich nun nach Rom? Ich kann es nicht sagen, ich kann es einfach nicht beschreiben. Ich glaube, ich irrte mich, als ich mich in den Saal nach Palermo begab, wohin ich eigentlich fahren wollte. Plötzlich befand ich mich in der Postkutschenagentur nach Rom. Ich verließ Neapel am 5. Jänner und kam am 6. Jänner, dem Heiligen Dreikönigstag, in Rom an. Am 20. Jänner wollte ich wieder die Rückreise nach Malta antreten.

Der erste Eindruck Roms war nicht ganz so überwältigend, wie ich erwartet hatte. Ich hatte nur wenige Tage Zeit für diesen improvisierten Ausflug, weshalb ich mich beeilte, all die antiken und modernen Ruinen, die die Stadt der Geschicklichkeit des Touristen anbot, so gut wie möglich abzulaufen. Als ich am 8. Jänner, durch die Stadt schlenderte, wurde ich plötzlich bei meinem Namen gerufen. Es war Gustav de Bussierre, Freund seit meiner Kindheit. Wie sehr freute ich mich über dieses Treffen, kam mir doch die Einsamkeit schrecklich vor. Er lud mich zum Essen im Hause seines Vaters ein. Als wir das Haus betraten, kam uns der Baron Theodor de Bussierre, der Erstgeborene dieser erlauchten Familie entgegen. Ich wusste, dass er Freund meines Bruders war und den Protestantismus aufgegeben hatte, um Katholik zu werden. Dies genügte, um in mir eine Antipathie hervorzurufen. Doch aufgrund seiner Reisen in den Nahen Osten und nach Sizilien, schien es mir angebracht, ihn vor meiner Reise um einige Ratschläge zu bitten. War es aus diesem Grund oder aus reiner Erziehung, drückte ich ihm meinen Wunsch aus, mich mit ihm unterhalten zu wollen.

Baron de Bussierre sprach zu mir: „Da Sie den angeblichen christlichen Aberglauben so sehr verabscheuen und sich zu ganz freisinnigen Ansichten bekennen mit ihrem aufgeklärten Geist, so erlaube ich mir die Frage: Würden Sie vielleicht den Mut aufbringen und sich einer recht harmlosen, unschuldigen Probe unterziehen?“

„Welcher Probe?", fragte ich. Und der Baron darauf: „Sie sollten nur einen Gegenstand bei sich tragen, den ich Ihnen geben möchte! Hier ist er: eine Medaille der seligsten Jungfrau Maria. Das erscheint Ihnen sicher lächerlich, nicht wahr? Aber ich lege großen Wert auf diese Medaille."
Meine Antwort darauf lautete: „Der Vorschlag - ich gestehe es - befremdet mich sehr, weil er sonderbar und kindisch ist!" Auf diesen Ausgang unseres Gesprächs war ich in keiner Weise vorbereitet und meine erste Reaktion war dann noch Achselzucken und Lachen. So willigte ich spaßhalber ein, die Medaille als Beweisstück für den katholischen Aberglauben anzunehmen; ich würde sie meiner Braut überbringen. Gesagt, getan! Baron de Bussierre hängte mir die Medaille um den Hals, und zwar nicht ohne Mühe, denn der Knoten war zu kurz und das Band passte nicht. Durch anhaltendes Ziehen bekam ich schließlich die Medaille auf meine Brust und rief dann lachend aus: „So, nun bin ich also ein apostolischer und römischer Katholik!“ Es war der Teufel, der durch meinen Mund so prophezeite.

DAS „MEMORARE“

Darauf sagte er: „Nun müssen wir die Probe aber noch ver-vollständigen! Es gilt nämlich noch, morgens und abends das so genannte 'Memorare' („Gedenke, o mildreichste Jungfrau ...) herzusagen, ein kurzes, aber sehr wirksames Gebet, das der hl. Bernhard von Clairvaux an die seligste Jungfrau Maria gerichtet hat." „Was wollen Sie denn mit Ihrem Memorare", rief ich aus, "lassen wir doch diese Dummheiten!“ Denn in diesem Augenblick fühlte ich all meine Abneigung aufkommen. Ich bat den Baron de Bussierre hier einzuhalten und mich über ihn lustig machend, beklagte ich mich, leider kein hebräisches Gebet zu haben, das ich ihm hätte geben können, doch kannte ich absolut keines. Mein Gesprächspartner aber bestand darauf und erklärte mir, dass die Probe nutzlos wäre, würde ich dieses kurze Gebet nicht beten, außerdem würde ich damit die freiwillige Dickköpfigkeit preisgeben, derer man die Hebräer beschuldigte.

Ich wollte der Sache keine weitere Wichtigkeit schenken und antwortete: „Nun gut, ich verspreche Ihnen auch noch, dieses Gebet herzusagen; wenn es nichts nützt, so wird es wenigstens nichts schaden!" Baron de Bussierre holte nun den Gebetszettel hervor und ersuchte mich, ihn daheim abzuschreiben. Ich sagte es zu, aber mit der Bedingung, dass er meine Kopie bekommen und ich das Original behalten würde. Mein Vorhaben war, meine Niederschriften mit einem Beweisstück zu belegen.

Wir trennten uns dann. Den Abend dieses Tages verbrachte ich im römischen Theater. Dabei vergaß ich die Medaille und das „Memorare“ wieder vollkommen. Als ich wieder nach Hause zurückkehrte fand ich eine Nachricht von Baron de Bussierre vor, durch die er mich wissen ließ, dass ich ihm vor meiner Abreise das „Memorare“ zurückgeben müsste. Am nächsten Tag machte ich mein Gepäck bereit und fing an, das Gebet abzuschreiben: „Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria, dass es noch nie gehört worden ist, dass jemand, der zu dir seine Zuflucht genommen hat und um deine Fürbitte gefleht, von dir sei verlassen worden. Von diesem Vertrauen beseelt, nehme ich meine Zuflucht zu dir, o Jungfrau der Jungfrauen und meine Mutter. Zu dir komme ich, vor dir stehe ich als sündiger Mensch. O Mutter des Ewigen Wortes, verschmähe nicht meine Bitte, sondern höre mich gnädig an und erhöre mich. Amen." Die Worte schrieb ich einfach mechanisch ab, ohne ihnen tatsächlich Aufmerksamkeit zu schenken. Es war spät und ich war müde.
Am nächsten Tag, dem 16. Jänner, ließ ich meinen Reisepass stempeln und erledigte die letzten Vorkehrungen für meine Rückreise. Dieses Gebet aber tauchte immer wieder in meiner Erinnerung auf; während des Gehens wiederholte ich ohne Aufhören die Worte des „Memorare“. Woher kam das nur, o Gott, dass jene Worte sich so lebendig und stark in meinem Geist eingeprägt hatten? Ich konnte sie einfach nicht mehr loswerden. Immer wieder kamen sie mir in den Sinn, ständig wiederholte ich sie, so ähnlich wie es einem mit Arien ergeht, die einen verfolgen und quälen und die man gegen seinen Willen immer wieder vor sich hin summen muss. Um elf Uhr besuchte ich Baron de Bussierre, um ihm sein geheimnisvolles Gebet zurückzugeben. Ich erzählte ihm von meiner Reise. Plötzlich rief er aus: „Es ist sehr komisch, dass Sie Rom gerade jetzt verlassen wollen, wo doch jedermann nach Rom kommt, um den Feiern des Hl. Petrus beizuwohnen.“ Ich antwortete ihm, dass ich die Fahrkarte bereits reserviert und bezahlt hatte. Aus welchem Grund auch immer entschied ich mich, meinen Aufenthalt in Rom zu verlängern. Ich gab dem Drängen eines mir kaum bekannten Mannes nach, hätte ich dieses selbst meinen engsten Freunden abgeschlagen.

Worin bestand, o mein Gott, dieser unwiderstehliche Impuls, der mich dazu verpflichtete das zu tun, was ich nicht wollte? O göttliche Vorsehung!
Ich unternahm mehrere Spaziergänge mit Baron de Bussierre. Wir sprachen davon, was unsere Augen beeindruckte: Monumente, Gemälde, usw. In diese Gespräche mischten sich religiöse Themen, die Baron de Bussierre mit aller Natürlichkeit einschob. Würde es etwas geben, das einen Menschen von der Religion entfernen könnte, so muss es diese Beharrlichkeit sich zu bekehren sein, dachte ich mir. Aufgrund meines jugend-lichen Charakters lachte ich über die ernsteren Dinge und meiner Spöttelei vereinte ich das höllische Feuer der Gotteslästerungen. Bekümmert verharrte Baron de Bussierre ruhig und duldsam. Bei einer Gelegenheit sagte er zu mir: „Trotz ihres Benehmens in ich davon überzeugt, dass Sie eines Tages Christ sein werden. In Ihnen steckt eine Grundlage an Ehrlichkeit, die mir versichert und mich davon überzeugt, dass Sie eines Tages erleuchtet sein werden, müsste der Herr dafür auch einen Engel senden.“ Worauf ich antwortete: „Viel Glück, denn auf andere Weise wäre es äußerst schwierig.“

Am Mittwoch 19. Jänner traf ich noch einmal auf Baron de Bussierre. Er schien traurig und niedergeschlagen zu sein. Ich hatte das Rückfahrtticket nach Neapel nun dieses zweite Mal für den 22. Jänner bestellt. Währenddessen murrte ich ununterbrochen die Anrufung des hl. Bernard und das mit einer seltsamen Ungeduld. Doch in der Nacht vom 19. auf den 20. Jänner erwachte ich verstört. Unverkennbar sah ich vor mir ein großes schwarzes Kreuz besonderer Größe und ohne dem Christus. Ich strengte mich an, diese Bild wieder loszuwerden, doch gelang es mir einfach nicht. Auf welche Seite auch immer ich mich drehte, hatte ich es vor mir.

20. JÄNNER 1842


Nachdem ich im Hotel mein Frühstück zu mir genommen hatte, besuchte ich meinen Freund Gustav, der bereits von der Jagd zurückgekehrt war. Wir trennten uns gegen elf Uhr wieder. Später betrat ich am Spanischen Platz ein Kaffeehaus, um schnell die Tageszeitungen etwas durchzublättern. Plötzlich näherte sich Alfred von Lotzbeck, ein Protestante. Wir sprachen über die Jagd, die Vergnügen, dem Karneval. Als ich das Kaffeehaus wieder verließ, stieß ich auf die Kutsche von Theodor de Bussierre, der mich einzusteigen aufforderte, um mit mir eine Spazierfahrt zu unternehmen. Wir stop-pten einige Minuten bei der Kirche „Sant’Andrea delle Fratte“. Er schlug mir vor, in der Kutsche auf ihn zu warten, doch zog ich vor mit ihm auszusteigen, um mir die Kirche anzusehen. Man bereitete gerade ein Begräbnis vor und ich fragte nach dem Namen des Verstorbenen. Bussierre antwortete: „Er war einer meiner Freunde, der Graf La Ferronays. Sein unerwarteter Tod ist das Motiv meiner Traurigkeit, die dir während der letzten Tage sicher nicht entgangen war.“

Die Kirche Sant’ Andrea ist klein, arm und verlassen. Ich glaube, dass ich beinahe alleine war.
Mechanisch wanderte ich durch die Kirche und sah mir alles an, ohne dabei an etwas Konkretes zu denken. Ich erinnere mich einzig allein an einen schwarzen Hund, der sich vor mir herumtummelte. Plötzlich verschwanden dieser Hund und ebenso die ganze Kirche. Schon sah ich nichts mehr, besser gesagt, o mein Gott, ich sah schon nur noch eine Sache! Wie könnte ich doch bloß davon sprechen? O nein! Das Menschenwort kann das Unbeschreibliche nicht ausdrücken. Jegliche Beschreibung, wie erhaben sie auch sei, wäre nichts anderes als eine Entweihung der unbeschreiblichen Wahrheit. Dort befand ich mich auf den Knien, weinte, mein Herz war außer sich, als mich Baron de Bussierre wieder ins Leben zurückrief. Unmöglich konnte ich auf die von ihm hastig gestellten Fragen antworten. Doch nahm ich die Medaille, die ich um meinen Hals trug und küsste das mit Gnaden umstrahlte Bild der seligen Jungfrau mit großer Zuneigung. Sie war es!

Ich wusste nicht, wo ich mich befand. Ich wusste nicht, ob es Alfons oder jemand anderer war. Ich verspürte eine so große Wandlung, dass ich eine andere Person zu sein schien. Eine riesengroße Freude durchströmte mein ganzes Herz. Ich konnte einfach nicht sprechen. Ich wollte nichts offenbaren. Ich fühlte in mir etwas Großartiges und Heiliges, das mich zu einem Priester rief. Ich ging zu ihm. Und nur nachdem er es mir ausdrücklich befohlen hatte, sprach ich mit zitternden Herzen so gut ich konnte über das sich Ereignete.

Alfons erklärte während seiner Aussage vor dem Vikariat: „Ich sah wie durch einen Schleier. Die Kirche schien dunkel zu sein, einzig allein eine Kappelle vereinte gleichsam alles Licht in sich. So kehrten meine Augen zu dieser Kapelle zurück und inmitten dieses Lichtglanzes erschien vor mir auf dem Altar groß und leuchtend, voll Majestät und Süßigkeit, die Jungfrau Maria, so wie sie auf der Medaille darge-stellt ist; eine unwiderstehliche Gewalt trieb mich nun zu Ihr hin. Die Jungfrau machte mir ein Zeichen mit der Hand, ich solle niederknien. Sie schien mir dann zu sagen: ‚Es genügt schon.’ Sie hat es nicht gesagt, doch verstand ich es so. Vor dieser Vision fiel ich an der mich befindenden Stelle auf die Knie. Mehrere Male versuchte ich die Augen zur seligen Jungfrau zu erheben, doch aus Respekt und auf-grund des Glanzes senkte ich sie wieder, ohne jedoch die Offensichtlichkeit dieser Erscheinung zu verhindern. Auf die Hände achtend, vernahm ich den Strahl der Vergebung und der Barmherzigkeit. In der Gegenwart der Hl. Jungfrau verstand ich trotz ihres Schweigens das Grauen meines Zustandes, in dem ich mich befand, die Missbildung durch die Sünde, die Schönheit der katholischen Religion, in einem Wort, von da an habe ich alles verstanden.“

Ich verließ ein Grab, die Tiefe der Finsternis und war lebendig, vollkommen lebendig und weinte!
In der Tiefe des Abgrundes sah ich das unglaubliche Elend, dem ich aufgrund der unendlichen Barmherzigkeit entrissen wurde.

 

©Zeitschrift HM Nr. 27 Januar/Februar 2007

 

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