Your browser does not support script


 

Vielleicht könnte ich so anfangen, wie es unsere Großmütter taten, wenn sie uns Geschichten erzählten: „Es war einmal vor langer, langer Zeit…“, da bereits über fünfundzwanzig Jahre vergangen sind, als ich zum ersten Mal jenes Priesterheim in Toledo betrat, wo ich zum ersten Mal an einem Studienkreis über den kath-
olischen Glauben teilnahm.
Doch werde ich vorerst noch ein wenig weiter zurückgehen, den das Heim bedeutete für mich nicht nur jene Fortbildungstreffen am Samstag-
abend, sondern vielmehr eine Art zu leben, wobei mein ganzes Leben, alles was ich tat, mit dem Heim zu tun hatte.


Ich möchte euch kurz über meine persönliche Situation während jenem Sommer von 1981 schildern. Ich lebte in Madrid, war fünfzehn Jahre alt (ich verbiete euch jetzt mein Alter nachzurechnen), bekam gute Schulnoten, wurde überall von allen geliebt und war in der Firmunterrichtsgruppe meines Dorfes und bei anderen Aktivitätsgruppen, in denen ich äußerst gefährliche Freundschaften genoss, sehr aktiv. Hin und wieder, jedoch vor allem während der Ferienzeit, fuhr ich mit meinen Eltern nach Mocejon, (Toledo), ihrem Geburtsort, wo sich ebenso ein Großteil meines Freundeskreises befand. Die einzige Veranstaltung dieses Dorfes war der „Tanz“, zu dem sich die Jugendlichen trafen. Von Anfang an bedeutete dieses Dorf sehr viel für mich.

Eines Abends befand ich mich mit meinen Freundinnen beim Mocejoner Tanz, als sich mir ein hübscher, sympathischer, redegewandter und überzeugungskräftiger Junge näherte und mich zu einem Spaziergang einlud. Ich denke, dass er vorerst vielmehr mit dem Mädchen aus Madrid „anbandeln“ wollte, als ein zukünftiges Leben in Ehe plante. Doch ging sein Vorhaben nicht ganz so wie geplant aus, heirateten wir doch bereits nach neun Monaten enger Freundschaft, und das vor bereits über sechzehn Jahren.

Rafa, der hübsche Junge, war während der letzten zwei Sommer mit einer Gruppe namens „Heim der Mutter der Jugend“, die der Priester Rafael Alonso leitete, auf zwei Ferienlagern gewesen. Ehrlich gesagt ärgerte es mich anfangs ein wenig, dass er „der perfekte Junge“ war: er studierte Pharmazeut, befand sich in einer Jugendgruppe, liebte die Natur, war hübsch, besaß ein Motorrad… wo war doch bloß der Kniff? … Tatsache ist, dass ich mich Hals über Kopf in ihn verliebte (wie man sich eben mit 15 und mit 20 und mit 30 und mit…Jahren verliebt). Und obwohl jetzt sein Scheitelhaar bereits etwas lichter ist und er sein Motorrad mit einem Auto eintauschte, das bereits aus allen Teilen fällt, hat sich diese innige Liebe nicht geändert.

An den Wochenenden reiste ich nun von Madrid nach Mocejon, um mich mit ihm zu treffen. Wo er sich aber auf dem vom Heim organisierten Samstagabendtreffen in Toledo befand, musste ich stets auf seine Rückkehr warten, was mir gar nicht gefiel. Doch bald schon lud er mich ein, mit ihm zu fahren. Ehrlich gesagt handelte es sich um ein wahres Abendteuer, bis wir in Toledo angelangten. Als wir aber damit anfingen, gemeinsam die Spiritualität des Heims zu leben und zuteilen, konnten wir an keinem einzigen Treffen mehr fehlen. Bei meinem ersten Treffen leitete Rafa die Gruppe der Kleineren, weshalb er mich zur Mädchengruppe sandte, die ihr Treffen zur selben Zeit hatten. Dieses erste Treffen mit den Mädchen eroberte mich augenblicklich, vielleicht auch deshalb, da es in mir jenen Erziehungsinstinkt wachrief, der in meinem späteren Leben stets gegenwärtig war. Das darauffolgende Treffen mit den Jugendlichen gefiel mir bereits weniger. Ich weiß nicht ob es aufgrund des eigentlich ganz sympatischen „Priesters mit Tallar“ oder der „erzkonservativen“ Dinge war, von denen er sprach (Hier sei erwähnt, dass meine christliche Erziehung von einer Gemeinschaft stammte, nach deren Erachten Christus alles erlaubte, war Er doch mein bester Freund). An diesem Abend verließ ich die Gruppe etwas erschrocken, doch luden mich die Mädchen während dem darauffolgenden Wochenende zu einem Lager ein, was sich schon viel besser anhörte. Wie nett und hilfsbereit sie doch alles waren! Ihm Laufe der Jahre fand ich heraus, dass sich „mein geliebter Rafa“ bereits darum gekümmert hatte, dass sie sich um „mich sorgten“ und mich zu allen möglichen Aktivitäten einluden. Während jenem Lager sprach der Priester über die Beichte. Ich nehme an, dass er über alles Mögliche sprach, doch alles was ich hörte war über die Beichte. Ich weiß nicht, wie viele Jahre seit meiner letzten Beichte vergangen waren. Als ich nach dem Lager nach Madrid zurückkehrte, suchte ich mir so schnell wie möglich eine Kirche, um eine gute Beichte abzulegen.

Eine Woche nach dem Lager stand eine Pilgerreise nach Fatima auf dem Programm. Jene so gastfreundlichen Mädchen, Marivi und die heutigen Sr. Reme und Sr. Conchi, luden mich auch zu dieser Pilgerreise ein. Am Abend vor der Abreise brachten wir unsere letzten Reisevorbereitungen unter Dach und Fach. Wir übten ebenso einige Lieder ein, was mir ganz besonders gefiel, halfen mir doch Gesang und Gitarrenspiel stets dabei, mich Gott und Unserer Mutter zu näheren, um ihnen jene Gefühle auszudrücken, die ich auf andere Weise nicht auszudrücken vermochte. Während der Pilgerreise erlebte ich die selige Jungfrau zum ersten Mal als meine Mutter, die stets bei mir war und mich liebte. DIE MICH LIEBT! Nimmt man dies als Realität wahr, so tritt alles andere in den Hintergrund. Selbst der Talar des Priesters erschien mir schon nicht mehr so schrecklich. Ab dieser Pilgerreise ließ ich Gott über mein Leben bestimmen, besser gesagt, versuchte ich seinem Handeln so wenig wie möglich im Wege zu stehen, was mir großen Frieden schenkte.

Ich betete zu Ihm: „Herr, mach mit mir, was auch immer du willst und falls ich es hin und wieder nicht zulasse, so gib mir ganz einfach eine Kopfnuss.“ Und welch eine Kopfnuss Er mir doch gibt, vergesse ich darauf.

Von nun an war ich bei jedem Samstagabendtreffen der Mädchen und der Jugendlichen. Außer der geistlichen Einheit, die herrschte, bestand eine wahre Freundschaft, eine FREUNDSCHAFT, die mit Großbuchstaben zu schreiben ist. Jene Art von Freunde, die, sehen sie sich auch nicht täglich, doch einen jeden Augenblick ihres Lebens teilen, da sie sich auf demselben Weg befinden.

Wenig später organisierte Rafa für die Knabengruppe Toledos in Mocejon ein Lager, an dem auch einige Ministranten teilnahmen, wodurch ebenso in Mocejon eine Knaben- und eine Mädchengruppe entstanden. Die wohl eindrucksvollsten Augenblicke dieser Zeit waren die Ostertreffen, bei denen wir die Ostertage auf besonders intensive Weise lebten und an der ebenso viele unserer Eltern teilnahmen. Ein weiterer großer Augenblick war das Rosenkranzgebet mit der Familie, bei dem wir gemeinsam, in Begleitung der Hl. Jungfrau, wundervolle Stunden verbrachten. Im Laufe der Zeit entstand eine wundervolle Gruppe von Erwachsenen, ohne deren Hilfe wir viele Dinge nicht hätten unternehmen können. Falls einige von euch diese paar Zeilen lesen, möchte ich euch aus ganzem Herzen danken.

Im Juli 1982 unternahm die Mädchengruppe eine Pilgerreise nach Italien. Eine der ersten Zwischenstopps war Lourdes. Dort angelangt, hatten wir mit P. Rafael unter einer großen Tanne gegenüber der Grotte eine Besprechung, wobei er darüber sprach, was das Heim sein würde. Hätte uns jemand „mit etwas Hausverstand“ reden hören, so wär er wahrscheinlich in ein großes Gelächter ausgebrochen. Er erklärte uns, dass es gottgeweihte Leute, Priester und Familien geben würde, die die Eucharistie, die Ehre unserer Mutter, ganz besonders im Privileg ihrer Jungfräulichkeit, verteidigen und ihr Leben für die Eroberung der jungen Leute für Jesus Christus hingeben würden. Er sprach von Jugendlichen, die dazu bereit wären, ihr Leben vollständig für die Kirche hinzugeben. Unsere Herzen schienen kaum noch in uns selbst zu passen, so sehr wuchsen sie an.

Ich erinnere mich, wie sich Mavisa, Ana und ich danach zusammentaten und darüber redeten, dass wir das Versprechen mit dem Heim ablegen wollten. Wir wollten genau das leben, was wir gehört hatten. Als wir Reme später davon erzählten, erlebten wir die größte Enttäuschung, die man in solch einem Augenblick erleben kann. Sie erklärte uns, dass P. Rafael dieses Versprechen für Reme, Conchi und Marivi, die er bereits seit längerer Zeit kannte, vorgesehen hatte. Als wir ihm unsere Wünsche äußerten, schloss er diese in sein Gebet ein. Und Unsere Mutter, die so SEHR Mutter ist, wollte, dass auch wir an ihrem Geschenk, am ersten Teil ihres Geschenkes teilnehmen. Sie wählt mit anderen Kriterien aus, als wir es tun. Sie wählt keinesfalls die Schönen, die Gescheiteren, nicht einmal die Liebenswürdigeren oder die Großzügigeren aus, sondern jene, die Sie wünscht und wann auch immer Sie wünscht.

So gaben wir am 29. Juli vor dem Grab des Heiligen Petrus an den Herrn und Unsere Mutter unser erstes Versprechen ab. Es ist sehr schwierig, die Empfindungen, Gedanken und Gefühle dieser Augenblicke auszudrücken, doch bin ich völlig sicher, dass dieses Versprechen, gemeinsam mit dem vorhergehenden Prozess, in all den Augenblicken meines Lebens gegenwärtig war.

Höhepunkt von allem war die im Oktober stattfindende Reise von Johannes Paul II. nach Spanien, wo wir bei seinem Treffen mit den Jugendlichen im Fußballstadium Bernabeu in Madrid und in Toledo teilnehmen konnten. Für mich war es ein unvergesslicher Augenblick, jene lebendige, junge Kirche zu verspüren, die der Hl. Vater so sehr liebte. Er, als ihr Kopf, war ebenso mit uns und stellte große Anfor-derungen, sprach davon, das „Salz der Erde“ zu sein. Er forderte und zur selben Zeit gab er sich, da ein Vater fordert, jedoch stets selbst mehr gibt.

Danke, Herr, für alles, was du mir während jenen Jahren gabst. Danke für deine Kopfnüsse, vergesse ich, auf meinem Weg voranzuschreiten. Danke, dass ich mich aufgrund deiner Liebe etwas Besonderes fühle, dass ich mich auserwählt fühle. Danke für meine Familie. Und ein besonderes Dankeschön dafür, dass meine Kinder im Heim ähnliche Erfahrungen machen können, die ich selbst vor langer, langer Zeit lebte, doch ist dies bereits eine andere Geschichte.

©Zeitschrift HM Nr. 29 Mai/Juni 2007

 

Startseite - Aktivitäten - Fernsehen - Wir über uns - Musik- Radio - Zeitschrift H.M. - Kinderzeitschrift -
History of the Magazine
- How do we make the Magazine? - Abonnement - Bisherige Ausgaben