| |
Mamie empfing die Sendung, für
die Priester zu beten und sich aufzuopfern. Unsere Mutter war
es, die ihr ihre geistlichen Söhne gab, wie sie selbst mir erklärte.
Und im Laufe ihres Lebens erschienen durch Gottes Vorsehung und keinesfalls
auf zufällige Weise nach und nach jene, für die sie beten und
sich selbst aufopfern musste. Es waren vor allem Priester, doch
auch drei Bischöfe befanden sich unter diesen. Stets war
Mamie ihrer Sendung treu und vernachlässigte diese niemals, wusste
sie doch, was der Herr von ihr erwartete.
Unsere Mutter ließ sie wissen, dass sie neunund-neunzig geistliche
Priestersöhne haben werde. Den ersten empfing sie in Lourdes.
Er gehörte dem Pavonianerorden (vom hl. Ludovico Pavoni gegründet)
an, und hieß Enzo Bianchi. Der letzte geistliche
Sohn war P. Felix Lopez, den sie am selben Tag seiner
Diakonweihe am 13. Juli 1993, ein Jahr vor ihrem Tod empfing. Ich
war die Nummer dreiundvierzig.
Die Liste ihrer geistlichen Söhne trug sie stets in einem
Heftchen, das ebenso als ihr Kalender diente, bei sich. Und als
sie bereits über sechzig Adressen all ihr geistlichen Söhne
eingetragen hatte, wurde es ihr eines Tages unglücklicherweise, am
Mailänder Treppenplatz gestohlen, auf dem sich ebenso, gemeinsam
mit der Galerie von Manuel Filiberto von Saboya, die berühmteste
Opfer befindet. Welch trauriger Tag für Mamie, der
einen tiefen Riss in ihrer Seele verursachte. Doch war es nicht der materielle
Wert des Heftchens, der sie so sehr bedrückte, hatte es ja absolut
keinen Wert und diente den Dieben rein dazu, in den nächsten Mülleimer
geworfen zu werden. In diesem Heftchen befand sich eben ihr größter
Schatz: die Erinnerung eines jeden ihrer Söhne, für
die sie beten und sich mit ihnen in Kontakt setzen musste, um sie bei
ihrem teilweise so schwierigen Dienst zu ermutigen und aufzumuntern. P.
Enzo wusste, dass Mamie in ihrer grünen Reisetasche stets ein Tonbandgerät
mit sich trug, dass man ihr mit all den anderen Sachen gestohlen hatte,
weshalb er ihr ein neues kaufen wollte, um sie auf diese Weise etwas zu
trösten. Doch war es nicht der Verlust dieses Tonbandgerätes,
weshalb sie so sehr litt, nahm sie dieses jedoch freundlich an, um niemanden
zu beleidigen.
Ich kann mich noch immer an einige Namen dieser geistlichen Söhne
erinnern, die ebenso in meinem Herzen und meinem Leben einen besonderen
Platz einnahmen: P. Enzo Bianchi, P. Angel M. Rojas, P. Jose Luis
Rey Repiso, P. Tomás de la Cruz Bañas O. P., P. Higionio
Gonzales, P. Felix Lopez, P. Ramon Rodriguez Alcalde (ihr Beichtvater),
P. Loorens, P. Manuel, P. Gerardo Ricondo…
Nicht alle stammten aus Spanien, sondern Lebten inBelgien, Frankreich,
Italien,… Und wie gesagt, befanden sich ebenso drei Bischöfe
unter ihnen, von denen ich mich jedoch nur noch an zwei erinnere:
Mons. Guerra Campos und Mons. Seitz.
Für Mamie war ein jeder von ihnen ein Sohn, den sie mit ihren Opfern
und Gebeten helfen, stützen und trösten musste. Mit
vielen von ihnen stand sie persönlich im Kontakt, kamen sie doch
auch mit anderen Menschen zum Rosenkranzgebet in ihre Wohnung. Vor dem
Rosenkranzgebet gaben sie für gewöhnlich einige Meditationspunkte,
um auf diese Weise auf die Gebetsübung vorzubereiten.
Mit dem verstreichen der Jahre vergehen für gewöhnlich ebenso
die Details ein wenig und man bleibt mit dem Grundsätzlichen. Doch
hin und wieder erscheinen auf unvorhergesehene Weise Umstände, Worte,
Handlungen,… wobei es einem sehr schwer fällt, diese auch auf
verständliche Weise auszudrücken. Eine dieser Ereignisse fand
im Juni 1975 statt. Mamie besuchte gerade Mons. Guerra Campos. Er empfing
sie zuerst alleine in seinem Büro. Worüber sprachen sie wohl?
Ich weiß es nicht. Doch Mons. Guerra Campos war erkennbar von den
Worten Mamies ergriefen. Danach rief er auch mich ins Büro. Es war
gerade zwölf Uhr mittags, weshalb er uns bat, mit ihm den Engel des
Herrn zu beten, wobei er mich um die Leitung des Gebetes bat. So tat ich.
Danach segnete er uns und bat uns auch weiterhin für ihn und für
die ganze Diözese zu beten. Dies versprochen verließen wir
ihn wieder.
Doch Mamie trug ein Geheimnis in ihrem Herzen und lächelte.
P. Rafael Alonso
©Revista HM º31 Septembre/Oktober 2007
|