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Die Verheißung
des Heiligen Geistes
Das aufmerksame Hören auf das Wort Gottes in Bezug auf das
Geheimnis und das Wirken des Heiligen Geistes macht uns offen für
große und inspirierende Erkenntnisse, die ich in den folgenden Punkten
zusammenfassen möchte.
Kurz vor seiner Himmelfahrt, hat Jesus zu seinen Jüngern gesagt:
„Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat,
zu euch herab senden“ (Lk 24,49). Das wurde
am Pfingsttag Wirklichkeit, als sie mit der Jungfrau Maria betend im Obergemach
vereint waren. […] Schon von den ersten Seiten an stellt die Bibel
den Geist Gottes vor als einen Hauch, der „über dem Wasser
schwebte“ (vgl. Gen 1,2), und verdeutlicht,
dass Gott den Lebensatem in die Nase des Menschen blies (vgl.
Gen 2,7) und ihm so das Leben ein- hauchte. Nach der Erbsünde
offenbart sich der lebenspendende Geist Gottes mehrmals in der Geschichte
der Menschen und erweckt Propheten, um das auserwählte Volk aufzufordern,
zu Gott zurückzukehren und seine Gebote treu zu halten. […]
In der „Fülle der Zeit“ (vgl.
Gal 4,4) verkündet der Engel des Herrn der Jungfrau von
Nazareth, dass der Heilige Geist, „die Kraft des Höchsten“,
auf Sie herabkommen und Sie überschatten wird. Der, den Sie gebären
wird, wird deshalb heilig und Sohn Gottes genannt werden (vgl.
Lk 1,35). Nach den Worten des Propheten Jesaja wird der Messias
derjenige sein, auf dem sich der Geist des Herrn niederlassen
wird (vgl. 11,1–2; 42,1). Und vor seinem Tod am
Kreuz wird er mehrmals seinen Jüngern das Kommen des Heiligen Geistes,
des »Trösters«, ankündigen […]
Pfingsten
[…] Mit noch größerer Kraft kam der Heilige Geist
am Pfingsttag auf die Apostel herab. […] Der Heilige Geist
erneuerte die Apostel in ihrem Inneren und erfüllte sie mit einer
Kraft, die ihnen Mut gab, furchtlos zu verkünden: „Christus
ist gestorben und auferstanden!“ […] Aus furchtsamen
Fischern wurden sie zu mutigen Boten des Evangeliums. […]
Nichts konnte sie aufhalten. Jenen, die sie zum Schweigen bringen wollten,
antworteten sie: „Wir können unmöglich schweigen über
das, was wir gesehen und gehört haben“ (Apg 4,20).
[…]
Der Heilige Geist: Seele der Kirche und
Ursprung
der Gemeinschaft
Um aber die Sendung der Kirche zu verstehen, müssen wir in das Obergemach
zurückkehren, wo die Jünger mit Maria, der »Mutter«,
in Erwartung des ver-heißenen Heiligen Geistes im Gebet verharrten
(vgl. Lk 24,49). An dieser Ikone der entstehenden Kirche muss
sich jede christliche Gemeinschaft beständig inspirieren.
Die apostolische und missionarische Fruchtbarkeit ist nicht in erster
Linie das Ergebnis von klug ausgearbeiteten und »wirksamen«
pastoralen Programmen und Methoden, sondern sie ist die Frucht des unauf-hörlichen
gemeinschaftlichen Gebetes (vgl. Paul VI., Apostolisches
Schreiben Evangelii nuntiandi, 75). Die Wirksamkeit der Mission
setzt außerdem voraus, dass die Gemeinden eins sind,
das heißt „ein Herz und eine Seele“ haben (vgl.
Apg 2,32). […] Der Diener Gottes Johannes Paul
II. schrieb, dass Mission noch vor aller Aktivität Zeugnis und Ausstrahlung
bedeutet (vgl. Enzyklika Redemptoris missio, 26). […]
Nach diesem kurzen Blick auf das Wort Gottes in der Bibel lade ich Euch
ein zu entdecken, dass der Heilige Geist das höchste Geschenk
Gottes an den Men-schen ist, das heißt das höchste
Zeug- nis seiner Liebe zu uns, einer Liebe, die konkreten Ausdruck findet
im »Ja zum Leben«, das Gott für jedes
seiner Geschöpfe will. Dieses »Ja zum Leben«
erreicht seine vollkommene Gestalt in Jesus von Nazareth und seinem Sieg
über das Böse durch die Erlösung. […]
Der Heilige Geist:
»Innerer Lehrmeister«
Liebe Jugendliche, auch heute wirkt der Heilige Geist weiterhin kraftvoll
in der Kirche und seine Früchte sind in dem Maße reich, in
dem wir bereit sind, uns seiner erneuernden Kraft zu öffnen. Deshalb
ist es wichtig, dass Ihn jeder von uns kennt, mit Ihm in Beziehung tritt
und sich von Ihm führen lässt. Aber an diesem Punkt
stellt sich natürlich eine Frage: Wer ist der Heilige Geist für
mich? Für nicht wenige Christen ist Er tatsächlich weiterhin
der »große Unbekannte«. Deshalb wollte
ich Euch bei unserer Vorbereitung auf den nächsten Weltjugendtag
einladen, die persönliche Kenntnis des Heiligen Geistes zu vertiefen.
[…] Dennoch reicht es nicht, Ihn nur zu kennen; Er muss als Führer
unserer Seelen angenommen werden, als »innerer Lehrmeister […]
Ich weiß sehr wohl, was für eine große Wertschätzung
und Liebe zu Jesus Ihr in Eurem Herzen tragt, wie sehr Ihr Ihm begegnen
und mit Ihm sprechen wollt. Nun, bedenkt, dass es gerade die Gegenwart
des Heiligen Geistes in uns ist, die unsere Person nach der Person des
gekreuzigten und auferstandenen Jesus bildet, sie kräftigt und aufbaut.
Werden wir also mit dem Heiligen Geist vertraut, um es mit Jesus
zu sein.
Die Sakramente der Firmung und
der Eucharistie
Aber, so werdet Ihr sagen, wie können wir uns vom Heiligen
Geist erneuern lassen und in unserem geistlichen Leben wachsen?
Wie Ihr wisst, lautet die Antwort darauf: Das kann man durch die
Sakramente, weil der Glaube durch die Sakramente in uns entsteht
und sich kräftigt, vor allem durch die Sakramente der christlichen
Initiation: die Taufe, die Firmung und die Eucharistie, die einander
ergänzen und untrennbar voneinander sind (vgl. Katechismus der Katholischen
Kirche, 1285).
Die Firmung verleiht uns eine be-sondere Kraft, um mit unserem
ganzen Leben Gott zu bezeugen und zu verherrlichen (vgl. Röm 12,1);
sie macht uns zutiefst unsere Zugehörigkeit zur Kirche, dem »Leib
Christi«, bewusst, dessen lebendige, untereinander solida-rische
Glieder wir sind (vgl. 1 Kor 12,12–25). Wenn er
sich vom Heiligen
Geist führen lässt, kann jeder Getaufte seinen eigenen Beitrag
zum Aufbau der Kirche leisten, dank der Charismen, die Er verleiht, denn
jedem „wird die Offen-barung des Geistes geschenkt, damit sie
anderen nützt“ (1 Kor 12,7). […]
An alle unter Euch, die das Sakrament der Firmung noch nicht empfangen
haben, richte ich die herzliche Einladung, sich auf den Empfang vorzubereiten,
indem sie ihre Priester um Hilfe bitten. Es ist eine besondere Gelegenheit
der Gnade, die der Herr Euch anbietet: Lasst sie Euch nicht entgehen!
Ich möchte hier ein Wort über die Eucharistie
hinzufügen. Um im christ-lichen Leben zu wachsen, ist es notwendig,
sich mit dem Leib und dem Blut Christi zu nähren. […] Als »Quelle
und Höhepunkt« des kirchlichen Lebens ist die
Eucharistie ein »fortwährendes Pfingsten«, denn
jedesmal wenn wir die heilige Messe feiern, empfangen wir den Heiligen
Geist, der uns tiefer mit Christus vereint und uns Ihm ähnlich macht.
Wenn Ihr, liebe Jugendliche, häufig an der Eucharistiefeier
teilnehmt, wenn Ihr ein wenig Eurer Zeit der Anbetung des Allerheiligsten
Sakraments widmet, werdet Ihr von der Quelle der Liebe, der Eucharistie,
die freudige Entschlos-senheit erhalten, das Leben der Nachfolge des Evangeliums
zu widmen. Zugleich werdet Ihr erfahren, dass dort, wo unsere
Kräfte nicht ausreichen, es der Heilige Geist ist, der uns verwandelt,
uns seine Kraft schenkt und uns zu Zeugen macht, die vom missionarischen
Eifer des auferstandenen Christus erfüllt sind.
Die Notwendigkeit und
die Dringlichkeit der Mission
Viele Jugendliche blicken angstvoll auf ihr Leben und stellen
sich viele Fragen über ihre Zukunft. […]
Vergessen wir nicht, dass je größer die Gabe Gottes
ist – und die Gabe des Geistes Jesu ist die allergrößte
Gabe – , desto größer auch das Bedürfnis
der Welt ist, Ihn zu empfangen, und deshalb ist die Mission der Kirche,
davon glaubhaft Zeugnis zu geben, groß und begeisternd.
[…] Diesbezüglich liegt es mir am Herzen, liebe Freunde, Euch
hier an einige grundlegende Wahrheiten zu erinnern, über die Ihr
nachdenken sollt. Noch einmal wiederhole ich Euch, dass nur Christus
die tiefste Sehnsucht des menschlichen Herzens erfüllen kann; nur
Er kann die Menschheit »menschlich« machen und sie zu ihrer
»Vergöttlichung « führen. […] Wir können
Zeugen Christi nur dann sein, wenn wir uns vom Heiligen Geist führen
lassen, der der »Erstbeweger der Evangelisierung« (vgl. Evangelii
nuntiandi, 75) und die »Hauptperson der Mission«
ist (vgl. Redemptoris missio, 21). Liebe Jugendliche,
wie meine ver-ehrten Vorgänger Paul VI. und Johannes Paul II. mehrmals
wiederholt haben, ist die Verkündigung des Evangeliums und
das Zeugnis des Glaubens heute dring-licher denn je (vgl. Redemptoris
missio, 1). Manche meinen, es sei intolerant, den wertvollen
Schatz des Glaubens denen vorzulegen, die ihn nicht teilen, aber dem ist
nicht so, denn Christus vorzustellen bedeutet nicht, Ihn aufzuzwingen
(vgl. Evangelii nuntiandi, 80). Im Übrigen haben vor zweitausend
Jahren die zwölf Apostel ihr Leben hingegeben, damit Christus gekannt
und geliebt würde. […] Deshalb ist es auch heute notwendig,
dass es Jünger Christi gibt, die weder Zeit noch Kräfte sparen,
um dem Evangelium zu dienen. Es muss Jugendliche geben, die in sich die
Liebe Gottes brennen lassen und großherzig auf seinen dringlichen
Ruf antworten, wie es so viele junge Selige und Heilige in der
Vergangenheit und auch vor gar nicht langer Zeit getan haben. Ich ver-sichere
Euch insbesondere, dass der Geist Jesu Euch Jugendliche heute dazu einlädt,
Überbringer der guten Nachricht Jesu an Eure Altersgenossen zu sein.
[…] Ihr kennt die Ideale, die Sprache und auch die Wunden und Erwartungen
Eurer Altersgenossen sowie ihre Sehnsucht nach dem Guten. […] Jeder
von Euch soll den Mut haben, dem Heiligen Geist zu versprechen, einen
Jugendlichen zu Jesus Christus zu führen, auf die Weise,
die er für die beste hält, indem er »von der Hoffnung,
die ihn erfüllt«, mit Sanftmut Rechenschaft zu geben vermag
(vgl. 1 Petr 3,15).
Um aber dieses Ziel zu erreichen, seid heilig, seid Missionare, denn man
kann Heiligkeit nie von der Mission trennen (vgl. Redemptoris
missio, 90). Habt keine Angst, heilige Missionare zu werden wie
der hl. Franz Xaver, der den Fernen Osten durchquerte und die
Frohe Botschaft bis zum Äußersten seiner Kräfte verkündete,
oder wie die hl. Theresia vom Kinde Jesu, die Missionarin war,
ohne jemals den Karmel zu verlassen; beide sind »Patrone
der Missionen«. Seid bereit, Euer Leben einzusetzen, um
die Welt mit der Wahrheit Christi zu erleuchten; um mit Liebe auf den
Hass und die Verachtung des Lebens zu antworten; um die Hoffnung des auferstandenen
Christus in jedem Winkel der Erde zu verkünden.
Ein »neues Pfingsten«
Liebe Jugendliche, ich erwarte Euch zahlreich im Juli 2008 in
Sydney. Es wird eine von der Vorsehung geschenkte Gelegenheit
sein, um die Kraft des Heiligen Geistes in ihrer ganzen Fülle zu
erfahren. Kommt zahlreich, um Zeichen der Hoffnung und wertvolle
Unterstützung für die Gemeinschaften der Kirche in Australien
zu sein, die sich darauf vorbereiten, Euch zu empfangen. Für
die Jugendlichen des Landes, in dem wir zu Gast sein werden, wird es eine
außer-gewöhnliche Gelegenheit sein, die Schönheit und
die Freude des Evangeliums in einer Gesellschaft zu verkünden, die
in vielerlei Hinsicht säkularisiert ist. Australien hat es
wie das gesamte Ozeanien nötig, seine christlichen Wurzeln wiederzuentdecken.
[…]
Ich lade Euch ein, Euch auf dieser letzen Etappe des Weges, der uns zum
XXIII. Weltjugendtag führt, Zeit zu nehmen für das Gebet und
Eure spirituelle Bildung, damit Ihr in Sydney Euer Tauf- und Euer Firmversprechen
erneuern könnt. Gemeinsam wollen wir den Heiligen Geist anrufen
und Gott vertrauensvoll um die Gabe eines neuen Pfingsten für die
Kirche und die Menschheit des dritten Jahrtausends bitten.
Maria, die mit den Aposteln im Obergemach im Gebet vereint war,
begleite Euch in diesen Monaten und erbitte für alle jungen Christen
eine neue Ausgießung des Heiligen Geistes, der ihre Herzen entflamme.
Denkt daran: Die Kirche vertraut auf Euch! Besonders wir Hirten beten,
damit Ihr Jesus liebt, andere zu dieser Liebe führt und Ihm treu
nachfolgt. Mit diesen Gedanken segne ich Euch alle in großer Zuneigung.
©Revista HM º31 Septembre/Oktober 2007
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