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Das 20. Jahrhundert
kann als das Märtyrerjahrhundert bezeichnet werden, war es auch das
blutigste Jahrhundert der Geschichte des Christentums. Bereits
Papst Johannes Paul II. legte Nachdruck darauf, dass wir diese Erinnerungen
keinesfalls vergessen dürfen, sondern, beim Anblick aller, die aufgrund
ihres Glaubens „im Kolloseum“ des 20. Jahrhunderts
ihr Leben gaben, vielmehr müssten wachsen. Er spricht von „unzähligen
Legionen“, den die Spuren des Gekreuzigten Königs folgten
und zu bekunden verstanden, dass „die Liebe viel stärker
ist als der Tod“.
Andrea Ricardi würde sagen, dass es sich nicht um
„die Geschichte einiger mutiger Christen, sondern um die Geschichte
eines massiven Marty-riums handelt“.
Die Gründe dieser Verfolgungen waren je nach Land und den verschiedenen
historischen Augen-blicken unterschiedlich. Hinter vielen Verfolgungen
stecken atheistische Ideologien oder verschiedene Formen an Vergöttlichung
des Staates. So war es der Fall in der Sovietischen Union und den kommunistischen
Regimes von Ungarn, Yugoslawien, Polen, Tschechoslowakei, Rumänien,
Bulgarien, Albanien, China, Vietnam, Kambodscha, Laos, Nordkorea. Oder
dem Nazismus, mit seinen Christen verfolgungen in Deutschland, Polen,
Frankreich, Italien, Holand und Belgien. Und so war es auch mit den Bürgerkriegen
in Mexiko und Spanien.
Bei anderen Gelegenheiten vereinen sich politischen Gründen antichristliche
Impulse, wie es japanische Soldaten in Teilen Asiens, China und den Philippinen
verbreiteten. Wurde das Christentum gelegentlich verfolgt, da es als fremde
Relgion betrachtet wurde, so gewisse Verfolgungen unter anderen Umständen
nicht immer dieselbe Entschuldigung. So ist es in Zonen mit Mehrheit islamischer
Bevölkerung der Fall, wo das Christentum – wenn auch Minderheit
– vor der Ankunft des Islams präsent war.
Ein besonders schmerzhaftes Kapitel stellt das Zeugnis vieler Frauen -
sowohl Laien wie auch Ordensfrauen - dar, die zu gewissen geographischen
und ge-schichtlichen Umständen ihr Leben hingaben, um der Gewalt
nicht nach-zugeben. „Häufig ist das christliche Martyrium
des 20. Jahrhunderts eine weibliche Widerstandsseite im Namen des Glaubens
und der eigenen Würde.“ Auf jedem Fall ist es ein Martyrium,
das in vielen Aspekten nicht zur Vergangenheit gehört.
Am 28. Oktober werden in Rom 498 Märtyrer der religiösen
Verfol-gung Spaniens während der Jahre 1934 bis 1937 selig
gesprochen. Nachdem Papst Johannes Paul II. im Rahmen des großen
Jubiläums im Jahr 2000 um einen Katalog der christlichen Märtyrer
des 20. Jahrhunderts bat, realisierte der Historiker Vicente Carcel
Orti ein Studium, wobei er von zehntausend spanischen
Märtyrern spricht, die während der oben angegebenen
Zeitspanne umgebracht wurden. Die Zahlen werden so aufgeschlüsselt:
zwölf Bischöfe, ein apostolischer Verwalter, um die siebentausend
Priester, Ordensbrüder und –schwestern, und in etwa dreitausend
Laien, wobei die Mehrzahl dieser der Katholischen Aktion angehörte.
Bis zum11. März 2001 – der letzten Seligsprechung spanischer
Märtyrer unserer Zeit – wurden 471 Märtyrer selig gesprochen.
Die ersten Seligsprechungen fanden am 29. März 1987 statt. Von diesen
471 Märtyrern waren 379 Ordens-leute, 4 Bischöfe, 43 Diözesanpriester
und 45 Laien. Mit Pedro Poveda sind es nun elf spanische Märtyrer
dieser geschichtlichen Zeitspanne, die bereits heilig gesprochen wurden:
ein Diözesanpriester, ein Ordenspriester und neun Ordensbrüder.
Wir können ruhig sagen, dass sich die Kirche in Festtagsstimmung
be-findet, und auf ganz besondere Weise die spanische Kirche.
Lesen wir das Märtyrerzeugnis so vieler junger Männer und Frauen,
Kinder und Alten, die ihr Leben aus Liebe zu Gott gaben, so sind wir zutiefst
gerührt und unser Herz füllt sich mit Dankbarkeit und Freude.
Wir sind nun dazu aufgerufen unser christliches Leben zutiefst zu erneuern,
indem wir das Zeugnis so vielem aus Liebe zu Gott und unseren Mitmenschen
vergossenen Blut zusammensammeln. Wir stehen in der Schuld so vieler Märtyrer,
die uns voraus gingen und uns vom Himmel her ermutigen und für uns
einsprechen, damit wir das große Glaubenserbe, das uns all die Jahrhunderte
hindurch übermittelt wurde, nicht verlieren.
Keinesfalls geht es darum, alte Wunden zu öffnen, wie bereits Johannes
Paul II. sagte: „Wenn wir uns dieses Erbes rühmen, dann
tun wir es weder voreingenommen noch aus dem Wunsch heraus, gegenüber
den Verfolgern Genugtuung zu verspüren. Vielmehr rühmen wir
uns dieses Erbes, weil sich darin die außerordentliche Kraft Gottes
niederschlägt, die weiterwirkt zu allen Zeiten und an jedem Ort.
Wir tun es, indem wir unsererseits vergeben und dabei dem Beispiel der
vielen Zeugen folgen, die getötet wurden, während sie für
ihre Verfolger beteten“ (7. Mai 2000).
Mit dem Motiv dieser großen Seligsprechung schrieben die spanischen
Bischöfe eine Botschaft, die „dazu beitragen soll,
dass dieses ‚große Zeichen der Hoffnung‘, das Zeugnis
der Märtyrer, nicht vergessen wird“.
Die Märtyrer, Zeichen
der Hoffnung
Bei der Bischofsvollversammlung im Jahr 1999 dankte ich Gott für
die Erfolge des 20. Jahrhunderts und bat für die Sünden dieses
sich zu Ende neigen-den Jahrhunderts um Verzeihung. Unter den Sünden
erinnerten wir die „himmelschreienden Gewalttaten“,
zu denen die Welt, Europa und Spanien durch „totalitäre
Ideologien, die mittels Gewalt weltliche Utopien zur Realität machen
versuchten, angestiftet wurden“. Und wir dankten mit Johannes
Paul II. Gott, dass „gegen Ende des zweiten Jahrtausends die
Kirche von neuem zu einer Märtyrerkirche wurde“ und, dass
„das Zeugnis tausender Märtyrer und Heiliger stärker
war, als die Intrigen und Gewalttaten der falschen Propheten der unreligiösen
Einstellung und des Atheismus“.
Die Märtyrer stehen über den tragischen Umständen,
die sie in den Tod führten. Mit ihrer Seligsprechung wollen
wir vor allen Dingen Gott für den Glauben preisen, der die Welt besiegt
(vgl. 1Joh 5,4) und die Dunkelheit der Ge-schichte und
da die Schuld der Menschen überschreitet. Die Märtyrer „siegten
Kraft des Blutes des Lammes und durch das Wort ihres Zeugnisses, und sie
ihr Leben nicht als das höchste Gut angsahen“ (Offb
12,11). Sie priesen Gott mit ihrem Leben und ihrem Tod und verwandelten
sich für uns alle in Zeichen der Liebe, der Verzeihung und des Friedens.
Durch das Vereinen ihres Blutes mit dem Blut Christi, sind sie Propheten
der Erlösung und einer wahrhaft besseren göttlichen Zukunft
für einen jeden Menschen und für die ganze Menschheit.
Aus diesem Grund schrieb Johannes Paul II.: „Damit es niemals
vergessen wird, möchte ich euch allen das große Zeichen der
Hoffnung vorschlagen, das die zahl-reichen christlichen Glaubenszeugen
des letzten Jahrhunderts sowohl im Osten wie auch im Westen bilden. Sie
verstanden es, das Evangelium in Augenblicken der Feindseligkeit und Verfolgung
zu leben, häufig selbst bis zum allerhöchsten Zeugnis des Blutvergießens.
Diese Zeugen, ganz besonders jene, die dem Martyrium die Stirn boten,
sind ein vielsagendes und großartiges Zeichen, dass von uns die
Betrachtung und die Nachfolge verlangt. Sie zeigen uns die Lebenskraft
der Kirche; sind für diese und für die Menschheit wie ein Licht,
ließen sie doch in der Dunkelheit das Licht Christi erstrahlen […].
Und was noch viel radikaler ist, sie bezeugen, dass das Martyrium die
höchste Verkörperung des Evangeliums der Hoffnung ist.“
Die neuen
spanischen Märtyrer
Die Seligsprechung, die wir feiern werden, trägt dazu bei,
dass dieses „große Zeichen der Hoffnung“, das das Zeugnis
der Märtyrer darstellt, nicht vergessen wird. Beinahe fünfhundert
sind es, die für dieses Mal vorgeschlagen werden. Und wie auch bei
den vorherigen Gelegenheiten, wurde ein jeder Fall während vielen
Jahren sehr genau unter-sucht. Diese Märtyrer gaben ihr Leben an
verschiedenen Orten Spaniens während der Jahre 1934, 1936 und 1937.
Dieses Mal geht es um die Bischöfe von Cuenca und Ciudad Real, mehrere
Diözesan-priester, viele Ordensleute – Augustiner, Dominikaner/innen,
Salesianer, Brüder der christlichen Schulen, Maristen, Karmeliter/innen,
Franziskaner/innen, Anbeterinnen, Dreifaltigkeitsbrüber und -schwestern,
Marianisten, Herz Jesu Missionare, Herz Marientöchter –, Seminaristen
und Laien, Jugendliche, Verheiratete, Männer und Frauen. […]
Als gemeinsame Charakterzüge dieser neuen Märtyrer können
wir folgende hervorheben: sie waren Männer und Frauen des
Glaubens und des Gebetes, deren Zentrum die Eucharistie und die
Marienverehrung darstellten; aus diesem Grund nahmen sie sooft
wie möglich, selbst während ihrer Gefangenschaft, an der Heiligen
Messe teil, empfingen die Hl. Eucharistie und riefen durch das Rosenkranzgebet
Maria an; sie waren Apostel und jedes Mal dann mutig,
mussten sie ihren Glauben bekennen, bereit, die anderen
Gefängnisinsassen zu stützen; wiesen die Vorschläge,
ihre christliche Identität geringzuschätzen oder abzuweisen
zurück; hielten den Foltern und Misshandlungen statt; vergaben
ihren Henkern und beteten für diese; zur Stunde
ihres Opfers zeigten sie Fassung und Ruhe, priesen Gott und verkündeten
Christus als den einzigen Herrn.
Zeugen Gottes
und der neuen Menschheit
Das Martyrium ist das authen-tischste Zeichen der Kirche Jesu
Christi: eine Kirche, die aus schwachen und sündigen Menschen
besteht, die aber ein kräftiges Zeugnis ihres Glaubens und ihrer
uneingeschrenkten Liebe zu Jesus Christus ablegen, kostet dies auch den
Preis ihres eigenes Lebens. Wo doch die Märtyrer aus allen sozialen
Schichten stammen, wo sie während ihrem Leben stets Gutes taten,
litten, auf ihr eigenes Leben verzichteten und jenen vergaben, die sie
schlecht behandelten, stellen sie uns vor eine Realität, die alles
menschliche übertrifft und uns dazu einlädt, die Kraft und Gnade
Gottes anzuerkennen, die in der Schwachheit der Menschengeschichte handelt.
Das Geheimnis des Martyriums ist von jener Mission untrennbar,
die Gott einem jeden Menschen gibt und in der sich das Vorhaben der Vorse-hung
erfüllt (vgl. Is 53,10). In Jesus erreicht die Reihe an
Verfolgungen all der Gesandten Gottes seinen Höhepunkt (vgl.
Mt 23,31), und bei Jesus beginnt eine wachsende Schülerschaft,
auf die dasselbe Glück ihres Meisters wartet (vgl. Joh 15,20;
16,1). In den Nachfolgern lebt Jesus von neuem sein Martyrium
(vgl. Apg 9,4; Kol 1,24) und für sie ist der Tod
ein Gewinn (vgl. Phil 1,29). In der Kirche sind die Verfolgungen
Zeichen und Bedingung des endgültigen Sieges Christi und der Seinen:
sie haben eine eschatologische Bedeutung, erscheinen wie eine Vorverlegung
des Gerichtes und der vollständigen Wiederherstellung des Reiches
(vgl. 1Petr 4,17-19) und leiten den Triumph des Lebens
über den Tod und die Herkunft eines neuen Himmels und einer neuen
Erde (vgl. Offb 6,9; 7,13-17; 11,11; 20,4).
Eine Gnadenstunde
Die Seligsprechung, die wir bald schon feiern, ist eine große Gande
der pilgernden Kirche Spaniens und der ganzen Gesellschaft. Wir laden
euch dazu ein, euch gut auf diese Feier vor-zubereiten und auf die Weise
teilzunehmen, dass sie sich für alle in eine neue Anregung zur Erneuerung
unseres christlichen Lebens verwandelt. In diesen Augenblicken, in denen
sich in unserer Gesellschaft die laizistische Mentalität verbreitet
und die Wieder-gutmachung bedroht zu sein scheint, benötigen wir
solch eine Erneuerung auf ganz besondere Weise. Die Märtyrer,
die vergebend starben, sind die beste Kraft, um den Geist der Wieder-vereinigung
zu fördern.
Möge sich durch das Zeugnis und die Fürsprache der Märtyrer
unser Glauben, unsere Jüngerschaft und Freundschaft mit dem Herrn,
der in die Welt kam und für die Wahrheit Zeugnis ablegte (vgl. Joh18,37;
Offb 1,5; 3,14); der sein Blut als Preis für die Erlösung gab
(vgl. Heb 9,22) und der, von der Erde erhöht, alle an sich zieht
(Joh 12,32), wiederbeleben und stärken.
Möge sich durch das Zeugnis und die Fürsprache der Märtyrer
unsere Hoffnung stärkten und unsere Liebe entzünden.
Sie verstanden es, durch die Hoffnung des ewigen Lebens bewegt, die Liebe
und den Gehorsam zum evan-gelischen Gesetz, dem neuen Gesetz der größten
Liebe und der Förderung der Würde und Freiheit eines jeden Menschen,
vor ihr eigenes Leben zu stellen. Die Märtyrer sind die höchsten
Zeugen der Wahrheit, die uns befreit. […]
Bitten wir jetzt schon um die Früchte dieser Seligsprechung, die
wir dank der Gnade Gottes und der Fürsprache der seligen Jungfrau
Maria als reichlich für alle voraussagen können.

©Revista HM º32 Septembre/Oktober 2007
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