Wie ich
das Heim kennen lernte - Andrew Kirsche
Boulder, Colorado
(USA)
22 Jahre
Mein Weg
zum Heim begann während meinem letzten Jahr der Grundschule
mit dem Beginn meiner Bekehrung. Die Last meiner
Sünden und der falsche Weg, auf dem ich mich befand,
hatten mich in ein tiefes schwarzes Loch geführt.
Ich verspürte eine von der Sünde und dem Weltenleben
verursachte schreckliche Leere, Unordnung und Traurigkeit,
die viele Menschen erfahren. Trotz meiner Erziehung im
Glauben begnügte ich mich, wie alle anderen jungen
Leute meiner Schule zu leben. Aufgrund meiner Freunde und
der neuen Orientierung, die ich meinem Leben gab, kamen
Sünden und Laster hinzu, die mich schrecklich versklavten
und auf einen Weg des völligen Verfalles brachten,
der schließlich unerträglich
wurde. Ich hatte sogar Selbstmord-gedanken, eine wahren
Plage der heutigen Jugend. Einzig allein der Gedanken,
dass ähnliches
Gott verletzen würde, hielt mich ab, diese Gedanken auch
tatsächlich in die Tat umzusetzen. Dies war bereits
eine unglaubliche Gnade.
So suchte ich diesem Elend und dieser Unglückseligkeit
zu entwischen, wobei mir Gott den Weg zeigte, der mich vorerst
dazu brachte, die Universität Ave Maria als Studienzentrum
zu wählen. Im Grunde genommen hatte ich viele Universitäten
angeschrieben, die ich mittels irgendeinem Stipendium besuchen
konnte. Ich träumte von einer großen Universität
mit vielen Möglichkeiten,vielen Studenten, einem schönen
Campus, usw. auf der ich Architektur oder ähnliches
studieren würde, um später einen guten Arbeitsplatz
mit einem ordentlichen Gehalt zu bekommen. Meine Mutter aber
forderte mich auf nach Ave Maria zu gehen. Auch meine Taufpatin
betete zu jener Zeit sehr viel für mich. Verstand
ich es auch sehr gut mein Elend und meine Probleme zu verbergen, so
wusste sie, dass ich nicht glücklich war und mein Leben
nicht gut verlief.
Keinesfalls gefiel mir die Idee, auf eine kleine katholische
Universität zu gehen, die erst kurz zuvor gegründet
wurde. Mein Cousin aber besuchte Ave Maria, brachte Fotos
mit nach Hause und erzählte mir ein wenig von seiner
Erfahrung, was mir half, mein Interesse zu steigern und meinen
Widerstand, auf diese Universität zu gehen, etwas zu
schwächen. So bewarb ich mich ebenso in Ave Maria und
wurde bald darauf auch akzeptiert. Doch noch verspürte
ich absolut keine Lust, dorthin zu gehen. Kurz vor Ablauf
der endgültigen Entscheidungsfrist erhielt ich
aber ein besonders große Gnade: ich verspürte
die liebende Gegenwart von Gott Vater und seiner Hand, die
mich bewegte, mich für Ave Maria zu entscheiden. So
entschied ich mich mit großem Frieden und Freude für
Ave Maria, wusste ich doch, dass es für mich das Beste
war und mir dabei helfen würde, mich aus meiner hoffnungslosen
Situation zu befreien.
Nach meinem Reifeprüfungs-abschluss, es war bereits
gegen Ende der Sommerferien, gelangte ich zu dem
Punkt, an dem ich verstand, dass es mir unmöglich war,
die Ketten meiner Sünden mit meinen eigenen Kräften
zu zerbrechen, sehnte ich mich auch immer mehr danach.
So betete ich eines Nachts verzweifelt um Gottes Hilfe, wusste
ich doch, dass es für Ihn möglich war und Er es
auch tun würde, vertraute ich auf Ihn. Dies ereignete
sich kurz vor meiner Reise zur neuen Universität. Nach
meiner Ankunft in Ave Maria, sah ich mich schlagartig und
auf wundervolle Weise von meinen ärgsten Lastern
befreit, was mich zutiefst beeindruckte und mir eine
große Freude und einen neuen Enthusiasmus für
das Leben schenkte. Gott befreite mich von meinen zutiefst
verwurzelten Knechtschaften und erneuerte mein Herz auf solche
Weise, dass es ohne Zweifel einer der größten
Schritte meiner Bekehrung war.
Während meinem ersten Jahr auf der Universität
lebte ich noch auf leichtem Fuß und begann einige Fehler,
doch wurde ich bereits geläutert. Besonders wichtig
war es für mich den hl. Augustinus kennen zu lernen
und seine Konfessionen zu lesen, die mein Herz entzündeten
und mich ermutigten, auf jenem Weg fortzusetzen, auf dem
mich Gott führen wollte. Gegen Ende des ersten Jahres
in Ave Maria erhielt ich die Gnade zu erfahren, wie zerlumpt
doch noch immer meine Seele aufgrund der vielen Leidenschaften,
Wünsche und Zuneigungen war, die mich ständig hin
und her zerrten und mich davon abhielten, so zu handeln,
wie ich wusste, dass ich handeln musste.
Vom Heiligen Geist geleitet und gestärkt, sammelte
ich mich während jenem Sommer. Ich suchte vor allem
die Liebe und Hilfe Gott Vaters. Da ich aufgewachsen
war, ohne meinen wahren Vater zu kennen, suchte ich auf besondere
Weise danach. Obwohl meine Mutter heiratete, als
ich zehn Jahre alt war, so fehlte mir während meiner
Kindheit die Liebe und Erziehung eines Vaters, was für
mich sehr wichtig war, um mich wahrhaftig als Mann und als
Christ zu bilden. Wie gesagt wurde ich während jenem
Sommer stark vom Heiligen Geist geführt, um langsam
und geduldig, wenn auch so schnell wie möglich, jedoch
ohne zu stürzen, am langen Weg des Gebetes, der Tugend
und einem Leben des Einverständnisses mit Gott voranzuschreiten. Während
diesem Sommer legte ich Gott das wichtige Versprechen ab,
all das zu tun, was Er von mir verlangen würde und dorthin
zu gehen, wohin Er mich führte, hatte Er mir doch während
dieser Zeit so sehr geholfen. Als der Sommer wieder zu Ende
neigte, führte mich Gott immer offen-sichtlicher in
Richtung Heim der Mutter, um in dieses einzutreten und den
Weg des Priestertums zurück-zulegen. Ich rastete
gerade auf einem Sofa, als ich mir bewusst wurde, dass mich
Gott tatsächlich dazu rufen könnte, Priester zu
werden.
Meine Antwort kam zuerst piep-send, danach jedoch
immer kräftiger: „Nein, nein, nein, ich denke
gar nicht daran.“ Ich rollte auf dem Sofa
selbst von einer Seite auf die andere, da ich diesen Ruf
auf sehr reale und klare Weise vernahm und somit fürchtete. Nach
dieser Erfahrung aber gelang es mir die Angst loszuwerden
und ich über-gab mich Gott mit vollem Vertrauen auf
seine Güte. Von da an verspürte ich
einen tiefen Frieden, dachte ich über das Priestertum
nach und verstand, dass Gott für meine großen
Mängel und Schwächen aufkommen würde.
Nun verspürte ich einen starken Wunsch das Skapulier
Unserer Lieben Frau auf dem Berg Karmel zu tragen. Irgendwie
aber verstand ich, dass ich noch warten sollte, da es mir
bei meiner Rückkehr auf die Universität auferlegt
werden würde. Und so war es auch. Wieder in Ave Maria
zurück, legte mir P. Colm, Diener des Heims der Mutter,
das Skapulier auf, was ohne Zweifel ein kleines, aber sehr
schönes Zeichen dafür war, dass mich Gott immer
mehr zum Heim führte, von dem ich zu jener Zeit nur
sehr wenig wusste. Ich erhielt die Gnade, vom Versprechen,
dass die selige Jungfrau durch das Tragen des Skapuliers
gab, und von ihrem Schutz und ihrer Liebe berührt zu
werden. Um das Samstagsprivileg zu erhalten und vor allem,
um die selige Jungfrau zu ehren, begann ich täglich
den Rosenkranz zu beten, den ich im Konkreten Unserer Lieben
Frau auf dem Berg Karmel widmete. Durch diese Rosenkränze,
die ich kniend in der Kapelle betete, näherte ich mich
der seligen Jungfrau
immer mehr, wodurch meine Seele große Stärkung
erfuhr.
In Ave Maria lernte ich ebenso ein junges Mädchen kennen. Sie
war sehr schön, doch vor allem besaß sie viele Tugenden und hatte
ein reines Herz. Von ihrer starken Anziehungskraft und dem Einfluss meiner
Freunde bewegt, bat ich sie um ihre Freundschaft. Unsere Beziehung dauerte
nicht länger als ein Monat, da ich aufgrund meiner Un-treue zu
Gottes Willen schreckliche Finsternis verspürte. Niemals habe
ich ähnliches erfahren, auch nicht danach. Die Tage verwandelten sich
in etwas unerträgliches und ich brach wieder mit ihr ab, um über
meine Berufung nachzudenken, wusste ich auch bereits, dass es nicht der Weg
des Ehelebens, sondern des Priestertums und eventuell des Ordenslebens war. So
besuchte ich die in Ave Maria vom Heim der Mutter organisierten Ein-kehrtage
und P. Colm wurde zu meinem geistlichen Begleiter. Jedoch offenbarte ich ihm
nichts von all dem was Gott in meinem Leben getan hatte, nicht einmal die großen
Gnaden, die ich empfangen, und denen ich jetzt den Rücken zugedreht hatte. Folge
davon und einiger falschen Überlegungen und Zuneigungen war, dass ich
drei Monate später von neuem mit diesem Mädchen beisammen war. Diese
neue Untreue bezahlten wir später mit unzähligen Schwierigkeiten
und Leiden.
Wenige Wochen später wurde ich von einem starken
Wunsch den Weg des Ordenslebens einzuschlagen ge-plagt. Obwohl
ich dieses Thema in Gegenwart meiner Freundin nur einmal
angeschnitten hatte, schien sie meine inneren Kämpfe
zu vernehmen und litt ebenso darunter. Nun kam es zu einem
großen Kampf, der zu einem großen Alptraum
wurde und in meinem Gebet und geistlichen Leben zu großer
Ver-wirrung führte. Nachdem wir über ein Jahr
beisammen waren, während dem es viele Höhen und
Tiefen gab, wohnte ich einem vom Heim der Mutter
organisierten Ostertreffen bei, das für mich entscheidend
war, wieder den richtigen Weg einzuschlagen. Bereits vor
den Ostertagen hatte ich den starken Wunsch, gerade das
zu tun. Gegen Ende des Treffens trat ich in die Laiengruppe
des Heims ein, die ich schon etwas näher
kannte und sah, dass ich bestens hineinpasste. Diesen Schritt
getan verspürte ich die Gegenwart Gottes und der seligen
Jungfrau, was mich ermutigte, weitere Schritte zu tun,
war doch dieser noch nicht genug.
Wenige Zeit später brachen meine Freundin und ich aufgrund
der Schwie-rigkeiten, die wir hatten, unsere Bezie-hung ab.
Ich musste zugeben, dass ich dazu berufen war, einen anderen
Weg zu gehen und bin ihr zutiefst dankbar,
diese Trennung mit so viel Weisheit, Gnade und Stärke
gelebt zu haben. Auch weiß ich, dass sie der Herr bereits
für ihre Treue und Offenheit zu seinem Willen belohnt
hat.
Den Sommer des Jahres 2007 verbrachte ich bei der Gemeinschaft „Diener
des Heims der Mutter“ in Spanien, wo ich viel über
die erhaltenen Gnaden Gottes in meinem Leben nach-dachte
und erkannte, wie mich die gött-liche Vorsehung
zum Heim geführt hatte. Dort sollte ich auch
meine Be-rufung ausleben, der wahre Vorsatz meiner Bekehrung.
So trat ich als Kandidat in die Gemeinschaft der Diener ein. Nun
danke ich Gott aus ganzem Herzen, mich in diese neue Familie
gerufen zu haben. Meine Berufung ist eine unendliche
Gabe seiner Barmherzig-keit und mein Weg zu wahren Freude
in diesem Leben, doch vor allem im zukünftigen Leben.
Es ist sein Werk. Möge sich in mir und in uns
allen sein gütiger und heiliger Wille erfüllen.
©Revista HM º35 Mai/Juni 2008 |