Mamie
und die Protestanten
Es ist schon möglich, dass der heutige Titel dieses
Artikels eigenartig klingen mag. Doch Mamie, Elisabeth van
Keerbergen, lebte vor ihrem Aufenthalt in Spanien ein ganzes
Leben lang in Brüssel, der belgischen Hauptstadt, änderte
sie auch innerhalb Brüssels mehrere Male aufeinanderfolgend
den Wohnsitz.
Ihr Gatte, Francois Treuttens, war Metallarbeiter,
der einige riesige Schraub-stöcke und Fräsmaschinen
besaß, mit denen er aus Messing und Eisen alle mögliche
Schraubenarten und ähnliches herstellte. Das Atelier
befand sich im Erdgeschoß einer ihrer Gebäude.
Da sich Mamie während ihrer langen Krankheiten nicht
fortbewegen konnte, hatte sie ihr Krankenbett in ein „Büro“ umgestaltet,
um auf diese Weise ihrem Gatten bei der Arbeit zu helfen.
Mamie war sehr liebenswürdig und besaß eine
große Anziehungskraft. Die Kunden ihres Ehemannes
gehörten oftmals verschie-dener protestantischer Bekenntnisse
an, deren Frauen die Geschäftsreisen ausnützten,
um in Brüssel einkaufen oder ganz einfach spazieren
zu gehen. Auf diese Weise schlossen viele von ihnen mit Frau
Treuttens Freundschaft.
Während die Ehemänner mit Herrn Treuttens die
Geschäfte abschlossen, unterhielten sie sich mit der
Kranken, die ihnen mit viel Geduld zuhörte. Zu diesem
Zeitpunkt besaß Mamie noch keinen Glauben, doch hatte
ihr Hausverstand, ihre Kapazität zu überlegen,
ihre Empfindsamkeit gegenüber dem Leiden anderer durch
die verpflichtete Meditation während so vieler Stunden
von Einsamkeit und Stille stark zugenommen. Hier
muss gesagt werden, dass der Heilige Geist in ihrem Geist
arbeitete sie für die Wahrheit und die Güte empfindsam
machte, war sie sich auch nicht wirklich darüber
bewusst. Sie war von Natur aus eine gute Menschenseele und
verstand es, die Art zu entdecken, Gutes zu tun, was Tag
für Tag durch Ihn, der heimlich in ihrem Herzen arbeitete,
vervollkommnet wurde.
Nach und nach gingen die Gespräche über die Geschäfte
ihrer Ehemänner zum Eheleben, zu jener inneren Leere über,
die sie auch dann verspürten, wenn ihnen alles zu lächeln
schien. Und die Herzen dieser Frauen ließen ihre Wunden,
die Wunden aus dem Leben, dem täglichen Zusammenleben,
ihrer nie vollkommen erfüllten Sehnsüchten sehen.
Und ebenso ihre religiösen Ängste, ihre Wünsche
des Heils und der Erlösung.
Zu einer Frau, die ihr ihre Probleme mit ihrem Ehemann,
die Vermutungen und Beweise seiner Untreue mit anderen Frauen
schilderte, sagte Mamie:
Ich weiß, dass die Katholiken, wenn sie diese Schwierigkeiten
haben, zu ihren Priestern gehen und es ihm erzählen.
Und sie erhalten von diesen Richtungs-weisung, um auf dem
Weg fortzusetzen. Warum gehen Sie nicht auch zu ihrem Pastor
und erzählen ihm von ihren Schwierigkeiten?
Die Frau antwortete:
O nein, Frau Treuttens. Mein Pastor hat bereits zum
dritten Mal geheiratet. Und jetzt ist er kurz davor sich
von seiner Frau scheiden zu lassen, um mit einem jungen
Mädchen zusammenzuziehen. Wie könnte er mich
mit meinen Leiden verstehen?
Mamie erzähle mir diese Geschichte, als wir uns auf
dem Weg nach Lourdes befanden. Und sie sagte mir: Von
da an verstand ich den großen Wert des kirchlichen
Zölibats.
Später beteten wir vor der gekrönten Marienstatue
auf dem Gelände der Heiligstätte. Und ich, Priester,
dachte über die große Gabe für die Kirche
nach, die uns der Herr geschenkt hat, indem Er die Kirche
zur Einheit des Sakraments des Ordens und ihrem Gesetz des
kirchlichen Zölibats inspirierte.
Dort, inmitten ihrer Schmerzen, empfing Mamie vom
göttlichen Meister eine Lehre, die ihr später
dienen sollte, um ihre Kinder, die Priester, zur Treue
ihres Versprechens vor dem Bischof am Tag ihrer Weihe zu
ermutigen.
©Revista HM º35 Mai/Juni 2008 |