Mamie und die Gründung des Heims der Mutter
Wie ihr vielleicht schon wisst, befinden wir uns in Festtagsstimmung. Seit unserer Gründung sind nun 25 lange, jedoch tröstliche Jahre vergangen. Am 29. Juli 1982 begannen sechs junge Mädchen mit diesem Abendteuer. Rufe ich nun die Namen Ana Campo, Reme Rodriguez, Conchi Garcia del Pino, Esmeralda Perez, Mavisa Gomez und Marivi Corroto in Erinnerung, so rufe ich ebenso den Namen Mamie in Erinnerung. Gemeinsam mit Pablo Concepcion, der uns während jenen wunder- vollen Tagen begleitete, nahm sie untrennbar an jener Pilgerreise teil.
Mamie erfreute sich wie niemand anderer über diese Gründung, hatte auch niemand anderer für diese so viele Opfer dargebracht.
Am 28. Juli fand am Petersplatz die Generalaudienz mit dem Hl. Vater Johannes Paul II. statt. Seit seiner Papstwahl waren nun bereits über drei Jahre vergangen. Ich erinnere mich noch an diese Audienz, als hätte sie gestern stattgefunden. An unserer Pilgerreise nahmen vierundfünfzig Jugendliche teil. Vierzehn von diesen gehörten der Gebetsgruppe vom Heiligen Herz Jesu, einige verschiedenen anderen Gruppen und der Rest ihren jeweiligen Pfarrgemeinden an.
Ich bat Mamie, während der Audienz für mich zu beten, da ich die Gelübdeformel der Jugendlichen, die sich bereits zu Beginn der Pilgerreise in Lourdes und später in der schweizerischen Stadt Lugano dazu entschieden hatten, dem Heim der Mutter Ursprung zu schenken, niederschreiben wollte. Mamie betete, ich schrieb und der Hl. Vater sprach mit jener Kraft, die uns alle innerlich bewegte. Jene Formel blieb als Gelübdeformel aller zukünftigen Mitglieder des Heims.
Als wir am nächsten Tag den Petersdom betraten, klopften unsere Herzen wie wild, hatten wir uns doch entschieden, den HMJ an diesem Ort zu gründen, um so unseren Glauben und unsere Treue zum „süßen Christus
auf Erden“ (hl. Katharina von Siena) Ausdruck zu verleihen. Es war einen wunderschöner, sonniger Tag, an dem die römische Julihitze schweren Gemütes auf der Stadt lag. Doch bei betreten des Doms überkam uns augenblicklich die Atmosphäre der Heiligkeit. An der rechten Seite befindet sich die Kapelle der Pieta, links vom Altar ruhen die Reste des hl. Pius X., auf der ersten Säule befindet sich die Statue der hl. Theresa von Avila, ihr gegenüber die Statue des hl. Petrus von Alcantara, zwei unserer Schutzpatrone. So durchquerten wir nun den Dom, bis wir zu den Papstgräbern gelangten. Und dort, ganz nahe bei den Resten des hl. Petrus, neben dem Eingang zur Klementinischen Kapelle, vor den Resten von Pius XII. legten die ersten sechs Mitglieder des HMJ ihr Versprechen ab. In diesem Augenblick erblickte eine neue Realität der Kirche das Licht der Welt.
Mamie war bei all diesen Augenblicken gegenwärtig. Außer den sechs jungen Mädchen begleiteten uns noch zwei weitere, die heutige Sr. Elvira, Dienerinnen des Heims, und Ester, aus Toledo. Danach waren noch Pablo, Mamie und ich als Zeugen gegenwärtig. Es handelte sich um eine sehr einfache Zeremonie.
Die Freude war einfach übergroß. Als wir den Petersdom wieder verließen, setzten wir uns in der Nähe der vatikanischen Bücherei auf den Boden. Pablo kaufte einige Ansichtskarten Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II., die die geistliche Kraft gut zum Ausdruck brachten. Auf diese Karten schrieben wir eine kleine Widmung als Erinnerung an jenen Tag, unterschrieben sie und verteilten sie unter uns. Heute noch besitze ich dieses Erinnerungs-stück.
Doch, wie lebte Mamie diesen Tag? Selbstverständlich befand ich mich nicht in ihr, doch war die unglaubliche Freude und die Hoffnung ihres Herzens nicht zu übersehen. Ich glaube nicht zu irren, behaupte ich, dass Mamie innerlich davon überzeugt war, dass in der Kirche etwas Großes geboren worden war. Und, wie alles Große, war es zu Beginn etwas sehr Kleines. Das Reich Gottes gleicht einem Senfkorn. Und wir waren dieses Samenkorn, das Kleinste unter den Gemüsepflanzen.
Von P. Rafael Alonso
©Zeitschrift HM Nr. 29 Mai/Juni 2007


