Wie ich das heim kennen lernte - Sarah Harmon
Wie lernte ich das Heim kennen? Gut, also ich glaube, es gibt zwei Arten, wie man jemanden oder etwas kennenlernen kann. Erstens, ich kann etwas kennenlernen, mit dem ich in Kontakt komme und von dem ich etwas Einfaches wie den Namen weiß. Auf diese Weise also habe ich das Heim der Mutter im Februar 2005 kennengelernt. Außerdem gibt es noch eine weitere Art jemanden kennzulernen, die darüber hinausgeht, den Namen zu wissen. Etwas zu kennen verlangt darüber zu lernen und gelernt wird am Besten durch Erfahrung. Und meine Erfahrung mit dem Heim der Mutter ist eine derartige gewesen, dass sie mein Leben verändert hat.
Meine Annäherung zum Heim ging schrittweise vor sich. Man kann nur schwer die Geschehnisse nachvollziehen, um zu verstehen, wie ich dazu kam. Ich gehe an die Universität „Ave Maria“ in Naples in Florida. Als ich dorthin kam, wusste ich nicht, dass Ave Maria ein sogenanntes „Entscheidungsprogramm“ für Mädchen hat, das die Dienerinnen des H.M. leiten. Die Schwestern helfen bei der Seelenführung der Mädchen der Universität auf der Suche nach der Berufung, die Gott für sie bereithält, sei es für ein Leben in einer Ehe, oder sei es für das gottgeweihte Leben. Ich hatte im ersten Semester an der Uni keine Ahnung von diesem Programm.
Am Beginn des zweiten Semesters gab es ein Treffen für Mädchen, das auch von den Schwestern geleitet wurde. Viele von meinen Freundinnen gingen zu diesem Treffen, aber ich wollte nicht. Bis einige Minuten vor der Abfahrt war ich in meiner Bequemlichkeit fest entschlossen, in der Universität zu bleiben. Aber schließlich überredeten mich meine Freundinnen mitzukommen, has heißt, sie packten mich, schoben mich ins Auto und wir fuhren los. Dann entschied ich mich, dass ich vielleicht darüber nachdenken sollte.
Als ich zu dem Treffen kam, lernte und erfuhr ich viele Sachen, die mein Leben veränderten. Einer der Priester dort, er war auch vom Heim, begann über die Wichtigkeit des täglichen Messbesuchs, der täglichen Anbetung, des täglichen Rosenkranzgebets und der regelmäßigen Beichte zu sprechen. Er unterstrich und bestand auf die Tatsache, dass jeder von Gott dazu berufen worden ist, heilig zu werden. Heilig? Das war das erste Mal, dass ich so etwas hörte! Eine andere Sache, auf die hingewiesen wurde, war das Loslösen von ans Herz gewachsenen Dingen, das nötig ist, wenn diese uns von Gott trennen. Das alles traf mich wie der Schlag und ich fing an, viele Sachen in meinem Leben zu ändern. Außerdem hatte ich nun öfters mit den Schwestern und mit dem Heim zu tun.
Ich begann also ein aktives Gebetsleben zu führen und folgte den Ratschlägen. Ich bat eine der Schwestern, meine geistliche Führerin zu sein und mir mit ihrem Rat zur Seite zu stehen, wie ich mein geistliches Verhältnis zu Gott verbessern könne. Als „Gegenleistung“ dafür, dass ich mich von gewissen Hobbies trennte, schenkte mir Gott eine tiefe Freude. Ich fühlte als wollte er mir sagen: „Ich wollte schon lange deine Seele mit meiner Freude füllen“. Als ich sah, dass es viele Dinge in meinem Leben gab, die Hindernisse auf dem Weg zu Gott waren, begann ich danach zu suchen, worauf ich für ihn verzichten könnte. Ich war wie ein kleines Kind, das vorbehaltlos fragte: „Was kann ich dir jetzt geben?“. Ich fragte also ständig in meinem Gebet und nachdem ich einige Monate so weitergebetet hatte, antwortete er mir: „Alles!“. Nach dieser Antwort, die das Letzte war, was ich mir erhofft hatte, begann ich meine Großzügigkeit ein wenig zu drosseln. Für mich bedeutete dieses „Alles“, das er sich von mir erbat, dass ich ihm mein Leben als Ordensschwester geben sollte, was ich aber wiederum nicht wollte. Deshalb antwortete ich mit einem starken „Nein“ auf seinen Wunsch. Danach entschied ich nicht mehr zu fragen, was er von mir wollte, weil ich nicht bereit war es zu geben. Ich führ mit meinem Gebetsleben fort, aber von diesem Moment an begann ich den Frieden zu verlieren, der in meine Seele eingekehrt war. Ich durchlebte Momente drastischen Wandels in den folgenden Wochen, während ich gegen das kämpfte, was Gott mir offenbart hatte. Ich sprach nie darüber mit meiner geistlichen Führerin und die Bürde, die ich alleine trug, drückte schwer auf meine Seele.
Ich dachte viel darüber nach, was Gott wollte und was ich wollte, aber irgendwie konnten wir uns nicht einigen. Ein entscheidender Punkt war für mich in diesem Kampf die letzte Lebenswoche von Papst Johannes Paul II. Eine Schwester schrieb mir von Rom ein E-Mail mit einigen seiner letzten Worte: „Ich habe euch gesucht. Jetzt seid ihr es, die ihr zu mir kommt. Und ich danke euch dafür!“. Diese Sätze sind sehr schön. Das einzige Problem war, dass ich es nicht lesen konnte, weil es auf Spanisch war. Also ging ich ins Internet und suchte einen Übersetzer, um zu sehen, was es hieß. Als ich aber das versuchte, lud die Webseite nicht korrekt. Ich wartete und wartete, aber das Einzige, was auf dieser Seite kam, war ein Link: „Wort des Tages“. Schließlich wurde ich ungeduldig und klickte auf den Button um die Seite zu aktualisieren. Aber anstatt die Seite zu aktualisieren, öffnete eine neue Seite mit dem „Wort des Tages“, das mir wie ein Schlag ins Gesicht vorkam: ENTSCHEIDUNG. Ahhh!!! Ich klicke schnell auf den Pfeil, um zur vorigen Seite zurückzukehren, aber im Geiste sah ich immer noch das eine Wort. Die Geduld Gottes mit mir und meiner leeren Großzügigkeit war offensichtlich zu Ende und deshalb hatte er sich entschieden, das zu schreiben, was er wollte, klar und deutlich, damit ich es sehen musste. An diesem Punkt in meinem Leben bemerkte ich, was ich zu tun hatte und ich bemerkte, dass ich seinen Willen akzeptieren musste.
Und so erlangte ich langsam den Frieden wieder, während ich von neuem den richtigen Weg suchte. Ich fühlte, dass ich mehr über das Heim und seine Schwestern erfahren musste, die mich mit ihrer außerordentlichen Freude über ihre Berufung angesteckt hatten. Es war so als ob Gott wollte, dass ich über den Sommer nach Spanien ging, um zu erfahren, ob es das war, was er von mir wollte. Ich ging also für zwei Monate nach Spanien und in dieser Zeit sah ich, was ich zuvor schon gehört hatte, nämlich, dass das wirklich das Heim der Mutter ist. Es war, als wäre ich vom ersten Moment an in einer großen Familie. Trotz dieser Erfahrung habe ich viel gelernt und trotz dieses Lernens habe ich viel erkannt und trotz dieser Erkenntnis habe ich den Ruf Gottes gehört, der wollte, dass ich dem Heim der Mutter beitrete. Nach all dem zeigte mir Gott klar und deutlich, dass er mehr von mir wollte, wie er schon gesagt hatte, dass ich ihm alles gäbe. Und so kam es, dass ich am 13. Juli 2005 als Kandidatin der Dienerinnen des H.M. eintrat. Als ich es meinen Eltern sagte, machte mich ihre Reaktion unglaublich glücklich. Sie akzeptierten meine Berufung mit Liebe und das zeigten sie mir mit einem Zitat von Papst Johannes Paul II. aus „Die Bedeutung der Berufung“: …Ein Kind zu zeugen hei0t vor allem, es von Gott zu empfangen. Man muss das Kind, das man gezeugt hat, von Gott einfach nur als Geschenk annehmen. Aus diesem Grund gehören die Kinder in erster Linie Gott und dann erst den Eltern. Und das ist eine Wahrheit, die viele Verpflichtungen mit sich bringt, sowohl für die Eltern, als auch für die Kinder.“. Ich denke, dass die Zustimmung meiner Eltern und ihre Großzügigkeit ein enormes Geschenk unserer Mutter Maria war.
Ich danke Gott dafür, dass er mich zum Heim geführt hat und dafür, dass er mich gerufen hat ein Teil des Geschenks zu sein, das er seiner Mutter machen möchte. Durch das Herz seiner Mutter hat Christus gearbeitet und mich umgewandelt und so schließe ich mich jeden Tag seinem Willen an, indem ich mit seiner Mutter sage: „Mir geschehe nach deinem Wort!“.
©Zeitschrift HM º 24Juli/August 2006


