Heim der Mutter*

  • Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
Home Zeitschrift HM Bisherige Ausgaben Nr. 20 - November/Dezember 2005 Zeitschrift HM - Mamies erster geistlicher Sohn: P. Enzo Bianchi
Banner








P.EnzoMamies erster geistlicher Sohn: P. Enzo Bianchi

von P. Rafael Alonso

Am vergangenen 1. September dieses Jahres befanden wir, P. Felix Lopez Lozano, Br. Jose Javier Martins de Passos und ich, uns gegen 11 Uhr morgens in einem Spitals-zimmer in Verona, wo wir die Hl. Eucharistie feierten.

Am Vortag hatten wir aufgrund eines Telefonanrufes eines italienischen Freundes, der uns über den schlimmen Gesundheits-zustandes von P. Enzo Bianchi - geistlicher Sohn Mamies und guter Freund des Heims der Mutter - informierte, gegen 7 Uhr in der Früh überstürzt Spanien verlassen.

Er befand sich im Radiographieabteil. So betraten wir sein Zimmer und begrüßten die dort anwesenden: Don Giuseppe, P. Enzos Oberer, zwei Mädchen, einen Bur-schen, die Frau Doktor Ana, eine Ordens-schwester, die ihn pflegte, und eine Psycho-login des Spitals.

Nach der Begrüßung sprachen wir ein wenig miteinander, wobei wir vom schlimmen Gesundheitszustand P. Enzos unglaublich beeindruckt waren. Bevor wir das Zimmer betraten hatten, wurde mir gesagt, dass er höchstens noch zwei Monate zu leben hätte. Mit gewisser Schwierigkeit konnte man ihn hören, wobei ich jedoch seine Worte kaum verstand. Ständig mussten ihm die Lippen mit Wasser befeuchtet werden, damit er sprechen konnte.

Wir hatten alles für die Feier der Heiligen Eucharistie mitgebracht, und so baten wir um die Erlaubnis, im Spitalszimmer zu feiern und organisierten sofort alles. Den Tisch für den Altar brachte die Ordensschwester, und P. Enzo bat mich auf Spanisch zu feiern. Von seinem Krankenbett aus konzelebrierte er, wofür wir ihm die Stola anbrachten. Er folgte danach dem ganzen heiligen Ritus. Während der Wandlung erhob er den Arm, um zu konsekrieren. Während der Predigt wies er uns darauf hin, dass wir im Ver-trauen auf die göttliche Barmherzigkeit kühn sein müssen.

Ich wurde von diesen Worten sehr stark berührt. Auch der Frau Doktor und der Psychologin liefen Tränen über die Wangen. Die Heilige Messfeier war durch und durch von der Gegenwart des Heiligen Geistes geprägt. Nach der Messfeier blieben wir noch eine Weile bei ihm, ver-stauten wieder alles in der Tasche und verließen ihn schließlich.

Am nächsten Tag, dem 2. September, verließen wir um 6:30 Uhr Milan, wo wir im Haus von Paolo Braghin Unterkunft bekommen hatten und reisten den ganzen Tag über, um nach Spanien zurück.

Gegen 2:40 Uhr nachmittags rief mich Andrea Bertotto, Silvanas und Marcos Sohn, beide geistliche Kinder P. Enzos, an und überreichte mir eine zutiefst beein-druckende Nachricht: P. Enzo war um 2:30 Uhr verstorben. Ich dankte unseren Herrn und unserer Gottesmutter, uns dazu bewegt zu haben, die lange Reise von Santander nach Milan und von Milan nach Verona zu unternehmen, damit wir diese letzten Augenblicke des Priesters der Pavonigemeinschaft und geistlicher Sohn Mamies gemeinsam verbringen konnten. Ich denke, dass ihn unsere Gegenwart sehr erfreut hatte. Wir beten nun für ihn und ich gebe diese Nachricht an so viele Menschen wie möglich weiter, damit auch sie für ihn beten können.

Welche Beziehung hatte nun P. Enzo zu Mamie?

Ich lernte P. Enzo nach meinem Geschichtestudium kennen, als ich im Haus der Jesuiten von Villagarcia de Campos (Valladolid-Spanien) die Lehr-stuhlprüfung vorbereitete. P. Enzo war Professor an einer Schule der Pavoni-priester im Karmelviertel dieser Stadt. Er hob sich durch seine marianische und eucharistische Frömmigkeit hervor und besaß eine große Gabe, um den Seelen der Jugendlichen zu helfen, von denen er sich stets umgeben sah. Er war ein äußerst fröhlicher Mensch, der aufgrund des frühen Todes seines Vaters ebenso etwas zur Melancholie neigte.

Er war Mamies erster geistlicher Sohn.

Als Dankeschön für die Heilung ihrer Paralyse, die sie sich nach einer Operation zugezogen hatte, half Mamie jedes Jahr während mindestens einem Monat im Dienst der Krankenpflege. Während dieser Zeit lernte sie diesen jungen Priester kennen. Während dieser Zeit war es auch, als sie ein sehr tief-sinniges Innenleben zu haben begann. Mamie verstand, dass sie ihr Leben den Priestern widmen musste. Dieser Priester war der erste, für den sie ihre Opfer und Gebete aufzuopfern hatte. Mamie hatte gegen Ende ihres Lebens insgesamt neunundneunzig geistliche Priester-söhne. Der letzte war P. Felix Lopez. Und jetzt befanden wir uns in diesem Krankenzimmer im Geheimnis des Leidens vereint, wir, drei geistliche Söhne Mamies. Der Erste, den Mamie in Lourdes (Frankreich) empfing, der Letzte, den sie im Kloster der Siege in Cuenca (Spanien) empfing, nachdem er zum Diakon geweiht wurde, und ich, Nummer 43, der ich die Nummer eins sein wollte und doch nur Nummer eins bis sein konnte.

Wie beeindruckt ich doch von der göttlichen Vorsehung bin, und ich be-wundere die geheimnisvollen Zeichen, durch die Gott zu seiner Ehre und dem Gut aller Menschen unsere Leben leiten.

©HM Nr. 20 November-Dezember 2005