Wie ich das Heim kennen lernte - Ruth Jennifer O'Callaghan
Wie ich das Heim kennen lernte? Für mich ist es sehr offensichtlich: Es war die Vorsehung Gottes und die helfende Hand unserer allerheiligsten Jungfrau Maria.
Ich absolvierte einen Tourismuskurs, da ich nach Medjugorje ziehen wollte. Kurze Zeit vorher machte ich eine unbeschreibliche Erfahrung der Liebe Gottes, die mein ganzes Leben änderte. Ich kehrte von dort mit dem Wunsch zurück, meine Vergangenheit vollständig zurück zu lassen und ausschließlich für den Herrn zu arbeiten. Aber wie sollte ich das anstellen? Ich wusste es nicht. In meinem Herzen bat ich den Herrn darum, ausschließlich Ihm zu gehören und mein ganzes Leben Ihm zu widmen. Der Herr rief mich in meinem Inneren dem Weg des Ordenslebenor zu folgen, doch erkannte ich meine “Berufung” während dieser Zeit noch nicht als solche, ich wusste ganz einfach, dass ich Ihm gehören musste. Ehrlich gesagt ging mir diese Idee hin und wieder durch den Kopf, doch schien es mir aufgrund meiner Vergangenheit ein Ding der Unmöglichkeit. Ich eine Klosterschwester? Einfach unmöglich!
All das ereignete sich während der Monate August 1998 und Februar 1999. Ich hatte den Kurs im September 1998 begonnen und war beinahe schon fertig. Die Idee nach Medjugorje zu ziehen war mir schon wieder aus dem Kopf gegangen und ehrlich gesagt wusste ich nicht, was nun. Ich wollte dem Herrn nachfolgen, doch hatte ich keine Ahnung wie und wo, noch war ich mir sicher ob ich Ordensschwester werden sollte, oder ob es sich um eine meiner Ideen handelte oder es der Herr tatsächlich so wollte. Ich war einfach verwirrt. “Mein Gott, was soll ich bloß tun?” Ich hatte schreckliche Eile, die Antwort endlich zu erfahren, um danach dementsprechend handeln zu können, doch der Herr schwieg. Wie ich sah, dass der Herr nicht im Geringsten auf mich hörte, fing ich wie wild zur Heiligen Jungfrau Maria zu beten an. Ich wusste, dass Ihr der Herr nicht widerstehen konnte. Und Ehre sei Gott in der Höhe: “Es kam das Heil in dieses Haus!”
Während ich mich eines Abends bei mir zu Hause in Irland befand, klingelte das Telefon. Es war Frau Maeve Elliot, die mir sagte: “Es werden einige spanische Priester kommen, die eine Jugendmesse feiern. Möchtest du nicht vorbeischauen?” Frau Elliot hatte ich eine Woche zuvor bei einem Göttlichen Barmherzigkeitsabend kennen gelernt. Die Messe sollte um sieben Uhr abends beginnen. Nach der Messe würde es einen Vortrag geben. Doch wo? In meiner Pfarre. Und mit wem? Mit den Dienern des Heims der Mutter. Der Herr ist einfach traumhaft, Er ist immer wieder auf alles aufmerksam, ständig verhätschelt Er uns mit solchen kleinen Aufmerksamkeiten.
Die Heilige Messe wurde von P. Felix gefeiert, wobei mich vor allem seine Predigt überraschte, da ich alles was er sagte, in meinem Inneren erlebte. Ununterbrochen kam es mir in den Kopf: “Wer sind bloß diese Menschen?” Nach der Heiligen Messfeier fing der Vortrag an. Sie sprachen über das Heim der Mutter, ihre Ziele, ihre Aufgaben… und je mehr ich zuhorchte, desto mehr entzündete sich mein Herz. Einer der Brüder sprach über seine Vergangenheit und seine Berufung. Ich konnte mich völlig mit dem Gesprochenen identifizieren. Auch er hatte nicht gerade ein Gnadenleben geführt, bis er eines Tages Gott entdeckte, und in ihm der Wunsch entstand, sich vollständig Gott zu schenken. Dieses Lebenszeugnis gab mir die Sicherheit, dass ich noch nicht
meinen Kopf verlor. Nach dem Vortrag sprach ich mit diesem Bruder und er lud mich zu einem Ostertreffen in Spanien ein, was ich jedoch als schwierig erachtete. Auf der einen Seite bedeutete es eine Woche des Kurses zu verlieren und auf der anderen Seite hatte ich absolut kein Geld. Ich erzählte meiner Mutter von diesem Angebot und von meinen Schwierigkeiten, diesem Angebot nachzugehen, worauf sie mir eine Geschichte erzählte, die sie selbst erlebt hatte. Sie wollte einmal mit einer Pilgergruppe mitfahren, hatte jedoch auch kein Geld, weshalb sie zu den Füßen der Heiligen Jungfrau ein Briefkuvert mit der folgenden Bitte legte: War es der Wille Gottes, dass sie auf diese Pilgerreise fuhr, so sollte Sie das Briefkuvert mit dem nötigen Reisegeld füllen. Und sie wartete. Überzeugt vom Glauben meiner Mutter, tat ich dasselbe, jedoch fügte ich noch einen kurzen Brief hinzu, für den Fall, dass Sie nicht gesehen habe, wer das Briefkuvert zu ihren Füßen legte.
Es vergingen drei Tage und auf drei verschiedenen Wegen erhielt ich das nötige Geld für das Flugticket. Ich konnte es einfach nicht glauben. So vermutete ich bereits, dass die Heilige Jungfrau Maria etwas im Laufen hatte. Nun machte ich mich mit einigen Lautsprechern im Herzen auf den Weg zur Osterwoche, hoffte ich doch, die Stimme Gottes zu hören.
Ich erinnere mich noch, wie ich während der ersten Nacht des Ostertreffens mit den Kandidatinnen sprach, die mich unglaublich beeindruckten, sah ich sie doch so arm, jedoch zur selben Zeit so fröhlich. Ich fragte eine von ihnen, wie lange sie bereits Kandidatin war, wobei ihre Antwort von solch einem Lächeln begleitet wurde, die all ihre Fröhlichkeit zeigte. “Welch ein Glück!”, dachte ich.
Am Karfreitag erklärte P. Rafael (unser Gründer), wie Kiko Argüello in Gegenwart des Heiligen Vaters die Jugendlichen, die den Ruf Gottes vernahmen, ihr Leben Ihm vollständig zu schenken, aufzustehen aufforderte. Ich bemerkte, wie mich in meinem Inneren eine gewisse Unruhe überkam, als uns P. Rafael sagte, dass auch wir keine Angst haben sollten, uns zu erheben, falls wir den Ruf Gottes verspürten. Ich dachte: “Herr, auch ich möchte mich erheben, doch bitte ich dich, dass ich mich jetzt nicht vom Sessel erheben muss.” Plötzlich setzte P. Rafael fort: “Erhebe dich nicht von deinem Stuhl, sondern erhebe dich in deinem Herzen.” Wie froh ich doch war. Augenblicklich erhob ich mich wie eine Rakete. Die Heilige Jungfrau Maria hieß mich in diesem Augenblick in ihrem Heim herzlich willkommen. Meine liebe Mutter, welch eine große Freude, endlich war es soweit!
Im Heim verbringe ich nun die glücklichsten Jahre meines Lebens. Ununterbrochen danke ich unserem Herrn und unserer Gottesmutter für all das, was sie mir gratis gegeben haben. Hoch lebe das Heim der Mutter!, denn durch dieses und die Barmherzigkeit Gottes hat Sie mein Leben wieder erneuert. Danke Mutter.
©HM Nr. 18 Juli-August 2005


