Wir sprechen mit Fr. Wolfgang Bouché
P. Wolfgang, woher stammen Sie?
Ich stamme aus der RHEINPFALZ einer Provinz im Südwesten Deutschlands in der Nähe von Speyer am Rhein.
Und in welcher Pfarrkirche dienen Sie derzeit als Pfarrer?
Bin tätig in drei kleineren Gemeinden im Landkreis München.
Erzdiözese München und Freising, wo Papst Benedikt XVI. als Erzbischof tätig war von 1977 - 1981.
Meine Gemeinden: St. Valentin, Endlhausen St. Margaret, Altkirchen Mariä Geburt, Oberbiberg.
Der Heilige Vater Benedikt XVI. diente während einigen Jahren als Erzbischof von München. Hatte Sie mit ihm Kontakt während dieser Zeit?
Ich war in dieser Zeit als Kardinal Ratzinger in München diente noch nicht Priester (wurde erst im Alter von 41 Jahren 1986 zum Priester geweiht - war vorher Lehrer für kath. Religion und Rechnungswesen<= Wirtschaftswissenschaften>); ich hatte nur losen Kontakt auf Konferenzen etc.
Welche Arbeit leistete er in dieser Erzdiözese?
Erzbischof Ratzinger leistete eine gute Arbeit, trat immer entschlossen und menschlich für die Prinzipien der kath. Kirche ein. Man wusste bei ihm, wo man "dran war“.
Wie würden Sie die Persönlich-keit unseres Heiligen Vaters Benedikt XVI. definieren? Welcher Charakterzug hebt sich bei ihm ganz besonders hervor?
Für mich war Ratzinger eine außerordentliche Persönlichkeit, ein Mann von hohem Wissen, geschliffener und klarer Sprache, ein Wissenschaftler durch und durch, aber auch ein Mensch! Aufrichtig und ehrlich ohne Schnörkel aber auch in seiner bayerischen Heimat verwurzelt, so zeigte sich Ratzinger immer wieder.
Könnten Sie uns vielleicht einige Anekdoten aus dem Leben des Heiligen Vaters erzählen?
Anekdoten?! Eigentlich keine, da ich erst Priester wurde als er schon in Rom war.
Eine Geschichte: er wurde einmal gefragt, er müsse doch wissen, wie der Weg zum Himmel sei, da sagte der Kardinal: "Wege zum Himmel gibt es so viele wie es Menschen gibt“. Eine tolle Aussage!!!! Kardinal R. wurde auch gefragt, ob er in den Himmel komme, da sagte er: wenn es einen gerechten Gott gibt, dann weiß er es nicht, er hoffe aber auf den barmherzigen Gott, dann habe er eine Chance...
In Rom habe ich ein paar Mal mit ihm im Campo Santo konzelebriert; war einmal da mit einer Schulklasse (24 Mädchen!); da sagte er zu mir, nach der Messe lässt er sich mit den jungen Damen fotografieren; das hat er auch getan, was heute im Rückblick bei den jungen Frauen ein besonderes Erlebnis war. Ich traf Kardinal Ratzinger öfter, als ich als Leiter mit Pilgergruppen in Rom war. Immer hat er sich besonders über Gruppen aus seiner ehemaligen Diözese gefreut und viel geplaudert (= unterhalten) und herzlich gelacht. Er ist trotz aller Strenge ein fröhlicher Mensch!
Wissen Sie warum der Heilige Vater das Bischofsmotto „Cooperatores veritatis / Mitarbeiter der Wahrheit“ ausgesucht hat?
Sein ganzes Wesen gipfelt in seinem Wahlspruch: "Cooperatores veritatis“. Der eigentlichen Wahrheit (= CHRISTUS) nachzugehen in Wissenschaft und Glauben, das ist sein Leben meiner Ansicht nach. Darin sieht er sich mit vielen Brüdern und Schwestern gemeinsam tätig und so sieht er sich als Mitarbeiter unter vielen im Weinberg des Herrn!
In welcher Situation befindet sich die Kirche Deutschlands in diesen Augenblicken?
Die Kirche in Deutschland ist gespalten; da ist einmal die sog. „Kirche von Unten“, die alles, was aus Rom kommt skeptisch betrachtet. Auf dieser Seite befindet sich die Mehrzahl der Presse; Frauenpriestertum, Zulassung Geschiedener wiederverheirateter zu den Sakramenten sind nur zwei der kontroversen Themen in der Kirche unseres Landes. In der Frage der Abtreibung werden auch sehr liberale Positionen bezogen. Man spürt halt Deutschland ist das Land Luthers und der Reformation geblieben; vor allem der Norden.
Dagegen gibt es aber auch viele und auch viele junge Menschen, die zwar kritisch, aber dennoch zu Rom stehen. Ist doch auch die Kirche eine Institution, die in einer verworrenen Welt Richtung und auch Orientierung gibt. Und gerade junge Leute suchen letztlich nach Sinn im Leben. Und deshalb begrüßen viele Leute, dass sich Kardinal Ratzinger den Namen BENEDIKT gab, war doch der Vater des abendländischen Mönchtums auch in seiner Zeit richtungweisend für die nach Orientierung suchenden Menschen.
Und wie sah es mit ihrer Reaktion aus, als Sie erfuhren, dass Kardinal Ratzinger zum Nachfolger von Johannes Paul II. ernannt wurde?
Meine Reaktion bei der Wahl des neuen Papstes: Zunächst habe ich vor Freude geschrieen, dann musst ich weinen (vor Freude!). Ich bin mir sicher, dass nach Johannes Paul II. der richtige Nachfolger gewählt wurde, nicht, weil er Deutscher ist, sondern, weil er sprachgewandt, intellektuell, Kenner des Vatikans ist und vor allem, weil er tief gläubig ist!!!
Kardinal Ratzinger sprach während der Hl. Messfeier zur Papstwahl über die Diktatur des Relativismus. Was denken Sie über dieses Thema?
RELATIVISMUS: Dieser Begriff besagt, dass der Mensch das Maß aller Dinge ist (>>Protagoras) wenn der Mensch eine übergeordnete Autorität (z. B. die 10 Gebote---GOTT) nicht anerkennt, dann führt das letztlich zu Diktatur und Unfreiheit.
Denken wir nur an Hitler, Saddam Hussein, Fidel Castro um nur drei von vielen Diktatoren zu nennen. Relativismus ist letztlich das Gefängnis der Freiheit! Man könnte viele Seiten darüber schreiben!
Hatten Sie die Möglichkeit, sich mit Kardinal Ratzinger nach seinem Umzug nach Rom zu treffen? Könnten Sie uns vielleicht von diesem Treffen berichten? Und hatten Sie auch jetzt nach seiner Wahl zum Heiligen Vater wieder Gelegenheit dazu?
Wie schon vorher erwähnt hatte ich in den letzten Jahren mehrmals die Gelegenheit, mit Kardinal Ratzinger zu sprechen. Er erkannte mich auch immer wieder und erzählte dann, dass er im Bereich meiner jetzigen Pfarrgemeinden sonntags (als er noch Erzbischof in München war) oft mit seinem Sekretär spazieren gegangen ist. Er hat ja ein phänomenales Gedächtnis und hat oft die Menschen nach langer Zeit bei ihrem Namen wieder erkannt.
©HM Nr. 18 Juli-August 2005


