Heim der Mutter*

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Home Zeitschrift HM Bisherige Ausgaben Nr. 17 - Mai/Juni 2005 Zeitschrift HM - Wir sprechen mit Guillermo Blasco
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blascoWir sprechen mit Guillermo Blasco

Guillermo Blasco gab während der letzten
Spanienreise des Heiligen Vaters
Johannes Paul II.
im Mai 2003 öffentlich sein Zeugnis ab.

Aufgrund der Umstände der letzten Monate und eines Interviews mit Guillermo, entschlossen wir uns, die Worte, die Guillermo während der Gebetsvigil des Heiligen Vaters mit den Jugendlichen an diesen richtete, anschließend abzudrucken:


Lieber Heiliger Vater!
Ich heiße Guillermo Blasco und bin neunzehn Jahre alt. Ich stamme aus einer ziemlich kinderreichen Familie, insgesamt sind wir sechs. Derzeit studiere ich technische Architektur. Ich wurde am Festtag der Ohne Erbsünde empfangen Jungfrau und Gottesmutter Maria, die mich während all dieser Jahre unter ihrem Mantel trug, geboren. Die Grundschuljahre verbrachte ich in der Schule „Unserer Lieben Frau der Erinnerung“ in Madrid. Während all dieser Jahre wurde ich von meinen Eltern treu im Glauben erzogen.
Heiliger Vater, bereits als Kleinkind vernahm ich in meinem Herzen etwas sehr Großes. 1998 pilgerte ich schließlich mit einer Gruppe großer Marienverehrer, den Montaneros de la Asuncion, nach Santiago de Compostela. Der Jakobsweg tat meinem geistlichen Leben ungemein wohl. Ich verspürte, wie Christus von mir etwas mehr wünschte.
Am 15. August 1998, Mariä Aufnahme in den Himmel, verstarb mein Bruder Fernando in Irland. Ursache dafür war ein Terroristenanschlag. Er war zu diesem Zeitpunkt nur zwölf Jahre alt. Diese Tatsache prägte nun meine Jugendzeit sehr stark. Während dieser Nacht, in der ich über dieses furchtbare Ereignis informiert wurde, rief ich bis früh am Morgen bei allen Spitälern Irlands an. Die schreckliche Nachricht konnte mir dann am nächsten Tag entgültig bestätigt werden. Augenblicklich besuchte ich mit meinem Vater die Heilige Messe.
Zwischen Verwirrung und Angst leuchtete nun am Horizont ein kleines Licht auf. Es handelte sich um das Licht des Jakobsweges, auf dem sich etwas durchaus Kraftvolles dem Innersten meines Seins bemächtigt hatte. Es war die Kommunion, in der ich mehr Kraft fand, als ich mir je hätte vorstellen können. Niemals zuvor hatte ich die Macht Gottes am eigenen Menschen gesehen. Als meine Eltern den Mördern meines Bruders vergaben, prägte sich ihr Zeugnis tief in mein Herz ein. Seit diesem Augenblick bin ich völlig davon überzeugt, dass die Heilige Jungfrau meine Familie unter ganz besonderem Schutz nahm.
Der Tod meines Bruders änderte mein Leben auf einem Schlag. Meine Familie vereinte sich mehr denn je zuvor und dank dem Beispiel meiner Mutter, fing ich nun damit an, noch vor Schulbeginn täglich die Hl. Messe zu besuchen. Wie sehr benötigte ich sie doch. Ich verstand plötzlich, dass Jesus Christus mein bester Freund war, von dem mich niemand trennen konnte. Weiters wurde ich mir bewusst, wie sehr ich die innere Kraft benötigte, die mir die Eucharistie schenkt.
Es waren sehr schwere Zeiten, Meine Heiligkeit, doch die tägliche Kommunion und das christliche Zeugnis meiner Eltern ließen nicht zu, dass die Hoffnung untergehe. Ich pilgerte nun auch nach Javier, nochmals nach Santiago und im Jahr 2000 nahm ich an der unvergesslichen Gebetsvigilie von Tor Vergata teil. Dort fühlte ich, wie auch später in Toronto, und wie man es auch heute Abend in Cuatro Vientos wahrnehmen kann, wie der Heilige Geist grenzenlos auf uns herabkom.
Das darauf folgende Jahr wollte mir Christus etwas mehr geben. Etwas, dass man nur dann jemanden gibt, wenn man ihn tatsächlich gerne hat. Er gab mir seine Mutter, Maria, die mich nach und nach in die unendlich große Liebe ihres Sohnes einführte. Und ich übergab Ihr mein Leben. Ich weihte mich Ihr in der marianischen Bewegung „Mariä Aufhahme in den Himmel“. Seit diesem Augenblick gehöre ich der Heiligen Jungfrau, die nie damit aufhörte, mich unter ihrem schützenden Mantel zu verbergen.
Seit diesem Tag, und für immer, versuche ich Ihr durch das Gebet all das aufzuopfern, was auch immer ich tue: jedes Fußballtraining, jedes Blatt, das ich bemale… Sie hat mir geholfen, das Gebet, den Dialog mit dem Freund, der einem nie in Stich lässt, und mich ausschließlich darum bittet, dass ich mich lieben lasse, da Er mich mit seinen Gnaden überhäufen möchte, zu verkosten. Deshalb bitte ich Sie darum, Meine Heiligkeit, meine Brüder, die jungen Menschen einladen zu können, mit mir diese Liebe zu Maria, zu Christus, dem treuen Freund, der niemals zulässt, dass wir uns alleine fühlen und uns einzig allein darum bittet, dass wir unser Herz mit seiner Liebe füllen lassen, zu teilen. Heute Abend stellt Er uns allen diese eine Frage: „Möchtest du mein Zeuge sein, möchtest du dich von mir lieben lassen?“.
Ich bin davon überzeugt, Heiliger Vater, dass das Lebensgeheimnis seiner Heiligkeit in der Liebe zur Heiligen Jungfrau Maria besteht, die mit dem Motto TOTUS TUUS ausgedrückt wird. Daraus wächst Ihre Kraft, trotz Ihrer Krankheit und den körperlichen Schwächen, als Zeuge der Wahrheit und der Liebe Christi auf der ganzen Welt herumzureisen. Danke, Heiliger Vater, Großer Freund, dass Sie nach Spanien gekommen sind, um uns wieder einmal daran zu erinnern, dass Maria der kürzeste Weg ist, um zu Christus zu gelangen.

 

Interview

blascoWie alt bist du jetzt?
21 Jahre

Kannst du uns kurz über deine Familie berichten?
Im Großen und Ganzen habe ich drei Brüder und drei Schwestern. Meine Eltern sind sehr gläubige
Menschen, und als solche haben sie mir auch von klein auf beten gelernt.

Gehörst du einer apostolischen Gruppe an?
Der marianischen Bewegung Mariä Aufhahme in den Himmel.

Hast du während all der Jahre deinen Glauben in Treue gelebt?
Ja immer. Bereits von sehr klein auf, natürlich immer dem Alter entsprechend. Hier beziehe ich mich auf das geistliche Wachstum und der Suche der Reife in meinem Glauben.
Guillermo Blasco
Gab es in deinem Leben einen Augenblick, oder gewisse Umstände, die für dich eine Art Umkehr voraussetzten?
Ehrlich gesagt gab es solch einen Augenblick. Dies war, als mein Bruder starb. Und seit diesem Zeitpunkt überrascht und erneuert mich der Herr immer wieder.

Wie lebst du deinen Glauben jetzt?
Aufgrund meiner Weihe an die Jungfrau Maria lebe ich nach der Lebensregel dieser marianischen Bewegungen, deren Fundament sich in der ignatianischen Spiritualität gründet. Das bedeutet:
Tägliches Gebet
Häufiger Empfang der Sakramente
Geistliche Leitung
Einmal jährlich Schweigeexerzitien nach dem hl. Ignatius
Teilnahme an den verschiedenen Akten der Bewegung
Geistliche Lektüre

Oftmals konnten wir den Heiligen Vater Johannes Paul II. während seinem Pontifikat beobachten, wie er den jungen Leute aller Welt kraftvoll jene beeindruckenden Worten zurief: „Habt keine Angst heilig zu sein!“. Möchtest du heilig sein? Hast du Angst davor?
Natürlich wünsche ich heilig zu sein. Angst? Wovor? Da ich völlig glücklich sein könnte? Wovor wir Angst haben müssen, ist nicht völlig glücklich zu sein.

Wie soll man „die Heiligkeit erreichen“ nun tatsächlich verstehen? Was bedeutet heilig zu sein?
Ich versuche den Weg zurückzulegen, den der Herr für mich vorgesehen hat. Der Mensch wurde geschaffen, um unseren Herrn und Gott zu preisen, anzubeten und Ihm zu dienen. Und auf diese Weise retten wir unsere Seele, das heißt, wir sind heilig. Die Art und Weise, auf die ein jeder diese drei Aufgaben realisiert, hängt nun ganz von der Berufung ab, die wir von Gott empfangen.

Hast du dich schon damit auseinandergesetzt, wofür dich wohl der Herr bestimmt hat?
Natürlich. Und weiß man dann einmal, was Gott von dir wünscht, und man zögert nicht, dem Ruf nachzufolgen, so erfährt man im Herzen eine große Freude und verspürt ebenso die Kraft, dem Ruf zu folgen.

Hilft dir das Umfeld, in dem du dich bewegst, an Heiligkeit zu wachsen? Hast du nahe stehende Menschen, die dir dabei behilflich sind?
Es ist nicht so sehr das Umfeld, das dir dabei hilft, an Heiligkeit zu wachsen, sondern vor allem das Gebet, das in dir den Wunsch nach Heiligkeit hervorruft. Fragst du mich nun, ob es mir schwer fällt, so muss ich mit einem ehrlichen Ja antworten. Doch es ist einmal so. Das ewige Problem der ewigen Dinge liegt darin, dass wir in die Zeit eingeschlossen leben, und dass alles schnell gehen muss. Gott sei Dank ist unser Herz immer sehr aufmerksam, wie es das beste Umfeld ausfindig macht. Grundsätzlich habe ich viele Menschen um mich, die mir bei meinem Streben nach Heiligkeit behilflich sind, angefangen bei meiner Freundin, die mir immer dabei hilft, dem Gebet treu zu sein, danach habe ich meine Eltern, meinen geistlichen Leiter, die Leute der Gemein-schaft,…

Als Johannes Paul II. während seiner letzten Spanienreise 2003 in Cuatro Vientos in Madrid halt machte, hattest du die Möglichkeit, ihm sehr nahe zu sein. Wie lebtest du diese Augenblicke?
Ich verspürte einen unglaublichen Frieden und sehr viel Freude. Der Heilige Geist war für mich an diesem Tag stärker als an irgendeinen anderen Tag verspürbar.

Glaubst du, dass die jungen Leute leiden?
Ja. Sehr viel sogar.

Der Heilige Vater Johannes Paul II. sprach vor allem in den letzten Monaten sehr viel über das Leiden und dem christlichen Sinn dieses zu leben.Wie stelltest du dich dem Tod deines Bruders gegenüber und wie konntest du diese Situation überwinden?
Die Wahrheit ist so, dass, wenn sich die Vergebung einfindet und der Glaube die restlichen Zweifel löst, schon nur noch die Traurigkeit zurückbleibt, nicht mehr Zeit mit dem Bruder verbringen zu können, da er nun einmal von uns gegangen ist. Um bis zu dieser Situation der vollständigen Vergebung zu gelangen half mir das Beispiel meiner Eltern und die Erinnerung an den Jakobsweg, die gelebte Erfahrung dieser Tage, um den direkten Weg des Verstehens dieser Situation zu entdecken und vor allem, um die Pläne Gottes zu akzeptieren, die nicht immer so verlaufen, wie wir gerne hätten, jedoch immer die besten sind.

Kannst du uns vielleicht noch erzählen, wie dir der Heilige Vater Johannes Paul II. in deinem geistlichen Leben und dich Gott nähern geholfen hat?
Ich ernährte mich im großen Maße von den Weltjugendtreffen. Seit jenem unvergesslichen Treffen, der Gebetsvigilie in Tor Vergata, wollte ich ununterbrochen aus seinen Botschaften trinken, weshalb ich mir einige Bücher, mit den vorherge-henden Botschaften der Weltjugendtreffen zulegte. Diese Tatsache half mir sehr stark, das Konzept der Universalkirche zu verstehen. Weiters schöpfe ich sehr viel Mut daraus, kraftvoll diesem unglaublichen Projekt der Heiligkeit nachzufolgen.

Johannes Paul II. war ein der Jungfrau Maria und der Eucharistie sehr nahe stehender Papst. Hat er dir für dein Leben in Heiligkeit in diesen beiden Aspekten etwas geholfen?
Es handelt sich dabei um zwei sehr große Aspekte, mit denen ich mich äußerst identifiziert fühle, weshalb mir all sein Wirken in diese Richtung unglaublich viel beim Vertiefen dieser Aspekte geholfen hat.

Welche Rolle nimmt in deinem Leben die Jungfrau Maria ein?
In Wahrheit ist es nicht nur eine Rolle, die Sie in meinem leben einnimmt, sonder nicht mehr und nicht weniger als mein ganzes Leben. Ich wurde am Festtag der Heiligen Jungfrau geboren, ging danach in eine katholische Schule, die der Jungfrau Maria geweiht war. Bevor ich mir später überhaupt bewusst wurde, befand ich mich in einer marianischen Jugendgruppe und danach in einer marianischen Kongregation, in der ich Ihr mein Leben übergab, damit Sie mich zu ihrem Instrument mache und mich so benütze, wie Sie mich auch immer benötigt.
blasco Und die Eucharistie?
Die Eucharistie können wir nicht besser als unser tägliches Brot bezeichnen, durch das wir täglich zu besseren und authentischeren lebendigen Tabernakeln werden. Wie können wir uns dabei nicht der Heiligkeit nähern, wenn sich die selbige Heiligkeit bereiterklärt, mittels der Eucharistie in uns einzutreten!

Du bist jung und wurdest vom Papst sehr stark angezogen. Weshalb glaubst du, wurden die jungen Leute von Johannes Paul II. so sehr angezogen? Worin lag wohl sein Geheimnis?
Er zog an, da es sich bei ihm um einen voll-ständigen Menschen handelte. Und die Liebe und die Reinheit, mit der er blickte, zog all jene Menschen an, die von all der Lüge und der Falschheit dieser Welt genug haben. Sein Geheimnis lag selbst-verständlich darin, dass er den Weg an der Hand unseres Herrn und der Jungfrau Maria zurücklegte, die aus ihm einen ständig neuen Menschen machten, der uns alle erneuerte.

Der Heilige Vater sprach zu den jungen Menschen immer sehr klar, direkt und war dabei sehr anspruchsvoll. Denkst du, dass diese von ihm vorgeschlagene Lebensform für das XXI. Jahrhundert akzeptabel ist?
Ich denke, dass sie nicht nur möglich, sondern mehr den je notwendig ist. Um nicht in die tiefen Schächte dieser Gesellschaft zu stürzen, benötigen wir ein Europa des Geistes, das sich innigst mit der Gesellschaft der Liebe und der Schule Mariens vereint.

Wie hast du den Tod des Heiligen Vater gelebt?
Natürlich mit etwas Traurigkeit, doch vor allem mit Dankbarkeit zu Gott, für dieses große Geschenk, dass Er uns mit dem Heiligen Vater gemacht hat.

Mit welchen Worten würdest du sein langes Pontifikat zusammenfassen?
Ich persönlich brauche eigentlich gar nichts zusammenzufassen, sondern er selbst wird es mit seinem Motto tun: „TOTUS TUUS“.

Was wünschst du, an das sich diese Welt für immer erinnert?
Eine sehr schwierige Frage, hat doch die Welt soviel aus seinem Leben zu lernen. Vielleicht genügt es, erinnern wir uns an das Verständnis, das er für alle Lebensetappen des Menschen hatte, und ebenso ineinander knüpfen und in sie einzudringen wusste, um der Gesellschaft die Wichtigkeit des Lebens und der wunderbaren Schöpfung Gottes sichtbar zu machen.

 

©HM Nr.17 - Mai - Juni 2005