Heim der Mutter*

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Home Zeitschrift HM Bisherige Ausgaben Nr.15 - Januar/Februar 2005 Zeitschrift HM - Mamie und Unsere Liebe Frau von Lourdes
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mamieMamie und Unsere Liebe Frau von Lourdes

Wollte man die innige Beziehung zwischen Mamie und der Heiligen Jungfrau beschreiben, die Sie mit einem sehr vertraulichen Ton „Unsere Mutter“ nannte, wäre man gezwungen ein sehr ausgedehntes Sonderheft zu veröffentlichen. Für dieses Mal werde ich mich darauf beschränken, einige Beobachtungen dieses Verhältnisses zwischen Mamie und der Jungfrau in ihrem Abbild Unserer Lieben Frau von Lourdes zu beschreiben.

„ Lourdes“ zu sagen bedeutet soviel wie „Mamies Heilung im Wasserbecken“ zu sagen, das heißt, spricht man von „Lourdes“, so erwähnt man eine Geschichte voller Großzügigkeit auf Seiten der Heiligen Jungfrau und von einer großzügigen Antwort von Mamie.

Während der langjährigen Krankheit Mamies, die sie mit viel Geduld und einer außergewöhnlichen Kapazität Leiden zu ertragen durchlitt, näherte sie sich mittels der Heilige Jungfrau Maria Schritt für Schritt Gott. Der Weg, den sie dabei zurücklegte, weist auf mehrere Etappen hin, die sie nach und nach in Einsamkeit, die sie nach ihrer Operation, welche ihre Invalidität hervorrief, und der Einsamkeit ihres Herzens durchlebte, hinter sich brachte.

Bereits von Kindheit an liebte Mamie alles was schön war; stark neigte sie dazu, an den Mitmenschen Gutes zu tun und geduldig deren Einschränkungen und Elend zu ertragen. Stets war sie bereit zuzuhören, zu trösten, zu stützen, zu ermahnen, Mut zu machen,… Und all das besaß sie, können wir sagen, auf natürliche Weise.

Unserer Mutter zu begegnen und Ihr mit einem großzügigen Ja zu antworten war ein einziger Schritt.


Ich könnte jetzt nicht mit Sicherheit sagen wann und wo in ihr der Wunsch entstand nach Lourdes zu pilgern. Weiters ignoriere ich, ob sie zum ersten Mal hinfuhr. Doch sicher ist, dass sie sich zu diesem Zeitpunkt, als sie zu ihrem Ehemann Francois Treuttens vom ihrem Wunsch nach Lourdes zu fahren sprach, gesundheitlich bereits sehr schlecht fühlte und nicht mehr sehr weit von einer Paralyse entfernt war.

Ihr Ehemann liebte sie mit aller Zärtlichkeit, weshalb er all ihren Wünschen, falls sie innerhalb seiner Möglichkeiten standen, sofort nachging. Als er sie jedoch in dieser Situation vorfand, verschwieg er ihr seine Ängste nicht und riet ihr, mit dem Hoffnungszug, das heißt, mit dem Krankenzug hinzufahren. Auf diese Weise könnte man ihrer Krankheit mehr Aufmerksamkeit schenken. Mamie sprach zu diesem Thema ein klares und deutliches Nein aus. Sie wollte diese Reise mit ihren eigenen Füßen und nicht auf einer Krankenliege machen. Jedoch schien dieses Unternehmen unmöglich, konnte sie doch zu diesem Zeitpunkt kaum noch gehen.

Trotz all der Umstände überzeugte sie ihren Ehemann mit dem Zug nach Lourdes zu fahren. Sie wollte sich zwischen ihm und einer geistlichen Tochter namens Josefina Rosi setzen, die während vielen Jahren das Milchmädchen der Familie war. Und so machten sie dann auch die Reise. Diese Art zu reisen war für ihren Körper eine wahre Folter. Das ständige Hin und Herschaukeln des Zuges, das Bremsen, die Haltestellen, usw. waren für ihren völlig geschädigten Organismus ein ununterbrochener Angriff. Doch ihr Traum, unsere Liebe Frau von Lourdes ein letztes Mal zu besuchen, war viel stärker als all ihr Leiden.

In Lourdes angekommen, machten sie sich auf den Weg zu ihrer Unterkunft, dem Hotel „La Basilique“. Sobald sie die erste Möglichkeit hatten, gingen sie zur Grotte und den Schwimmbädern. Dort angekommen, wurde Mamie von fünf Frauen in eines der Schwimmbecken gehoben. Es war dazumal das Zweite, fängt man auf der Grottenseite zu zählen an.

„ Als ich in das Wasserbecken eingetaucht wurde“, erzählte sie mir, „kam es mir vor, als wäre ich in den Wolken.“. Sie wurde sich nicht im Geringsten darüber bewusst, dass man sie badete, wieder herausnahm und ankleidete. Als sie wieder zu sich kam, war sie bereits außerhalb der Schwimmbäder und stand auf ihren eigenen Füßen. Sie bemerkte, wie ihr Gatte auf sie einsprach, jedoch nahm sie keinen einzigen Ton wahr. Die ersten Worte, die sie nach diesem ersten Eindruck verstand, waren von ihrem Gatten, der auf Französisch sagte: „Aber Lulu, was ist mir dir geschehen?“. Worauf sie augenblicklich mit ihren beiden Händen nach ihren Beinen griff und ausrief: „Oh, meine Beine!“. All jene Leute, die ihren Zustand vor dem Bad gesehen hatten und ihren Zustand nun nach dem Bad sahen, drängten sich um sie und riefen außer sich: „Wunder, Wunder!“.

Mamie geriet in Verlegenheit, nahm sofort ihren Ehemann und Josefina an der Hand, lief in Richtung Grotte und mischte sich unter die Leute.

Nach ihrer Heilung versprach Mamie jedes Jahr ein Monat nach Lourdes zu gehen, um als Zeichen der Dankbarkeit den Kranken zu helfen, wobei sie persönlich für die ganzen Unkosten aufkommen wollte.

Ich kenne einige Ordensschwestern, Sr. Bernardette und Sr. Bernarda, sehr gute Freundinnen von Mamie, die immer wieder mit großem Vergnügen die Zeiten in Erinnerung rufen, während denen sie gemeinsam mit Mamie die Kranken freiwillig im Stillschweigen und mit großer Wirksamkeit pflegten. Man stellte Mamie in die Küche, doch war sie für diese Arbeit etwas zu tollpatschig, danach in den Speisesaal, doch ebenfalls zu tollpatschig, bis sie schließlich einen Platz fanden, wo sie das Allerbeste gab, das sie hatte: ihr Herz. Mamie sollte die Kranken empfangen und mit ihrem Lächeln und ihren Worten trösten.

von P. Rafael Alonso Reymundo

©HM Nr.15 - Januar /Februar 2005