Heim der Mutter*

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Home Zeitschrift HM Bisherige Ausgaben Nr.15 - Januar/Februar 2005 Zeitschrift HM - Interview - Maria Isabel Cardoso
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cardosoInterview - Maria Isabel Cardoso

Maria Isabel, worin besteht die Heiligkeit?
Indem wir Gott über alle Dinge lieben und den Nächsten wie uns selbst. Sie besteht darin, all das zu geben, was Jesus von uns verlangt, indem wir lieben und mit Freude dienen, ständig versuchen, unseren eigenen Willen zu vermeiden, um so den Willen Gottes suchen zu können. Dafür haben wir all unsere Gefühle und die verschiedensten Versuchungen unter Disziplin zu stellen. Es bedeutet ebenso, alles aus Liebe zu Jesus zu erleiden und zu wissen, dass Er für uns alles ist und wir ohne Ihn nichts können.

Warst du im Glauben schon immer so stark wie jetzt, oder gab es so etwas wie ein Vorher und ein Nachher?
Ich führte ein sehr zügelloses Leben ohne Horizont. Dabei fühlte ich mich von schrecklicher Traurigkeit umhüllt, konnte bei nichts Ruhe finden und je mehr ich in oberflächlichen Dingen suchte, desto leerer fühlte ich mich. Nichts konnte meine Wünsche erfüllen. Ich war totaler Sklave meiner Eitelkeit, des Anscheins und der Dinge dieser Welt.

Mein Glaube war ein reines Erfüllen von Verpflichtungen, weshalb ich nur sonntags die Hl. Messfeier besuchte. Nach vielen Jahren leerer Pflichterfüllung, fing ich damit an, täglich die Hl. Messe mitzufeiern. Auch fuhr ich mit meinem Ehemann nach Fatima, wo ich den ersten Aufruf, mein Leben zu ändern,vernahm. Dieses Zusammentreffen mit der Heiligen Jungfrau Maria war für mich ein regelrechter Faustschlag, wobei ein inniger Wunsch, ein Versprechen abzulegen, eine Verpflichtung einzugehen, zu sprießen begann. Mein Mann schenkte mir ein Buch über das Memorandum von Sr. Lucia, in dem sie Geschichte Fatimas berichtet. Dieses Buch bewegte mich innerlich unglaublich und wurde für mich zu einem großen Wegweiser.

Wie lebtest du deinen Glauben während deiner Jugendzeit und den ersten Ehejahren?

Weit entfernt von Gottes Gegenwart. Ich fühlte mich immer unverstanden, weshalb ich schließlich meine Leere damit füllte, indem ich immer nur meinem eigenen Willen Aufmerksamkeit schenkte. Jahre später kehrte ich wieder zur Kirche zurück, besuchte regelmäßig die Sonntagsmesse und näherte mich wieder dem persönlichen Gebet.

Was veranlasste dich, diesen Schritt zu unternehmen?
Ich wurde mir über die geduldige und Stille Liebe Gottes während all meiner Jugendjahre und meiner sündhaften Erfahrungen bewusst. Von großer Bedeutung war die Liebe, der Frieden und die Stabilität, die ich in der Ehe vorfand.

Welche Tatsachen waren während deinerBekehrung besonders wichtig?

Das Gebet, die Mitfeier der täglichen Messe, die Beichte, das Lesen der Bibel, so wunderschöne Bücher zu entdecken, wie es die Nachfolge Christi, das Leben des hl. Franz von Assisi, der hl. Theresa vom Kinde Jesus und vieler anderer Heiligen sind.

Die verschiedensten Versuchungen halfen mir dabei, mich auf ganz besonders tiefe Art und Weise mit Jesus zu vereinen und wenn auch die Tendenz zu sündigen etwas dem Menschen sehr eigenes ist, so ist die Barmherzigkeit unserem Herrn Jesus Christus nicht weniger eigen. Aus diesem Grund überreiche ich Ihm während meinem Gebet all meinen Kummer und Leiden. So war es auch, wie ich die Gegenwart des Heilands in mein Leben eintreten sah, indem Er mir verzieh, mich in seine Göttliche Liebe aufnahm und mir die süße Freude des sich gerettet Fühlens schenkte. Nie zuvor hatte ich ähnliche Freude und ähnliches Glück verspürt. Einzig allein der Herr kann einen solchen Zustand tiefster Traurigkeit in unvergleichliche Glückseligkeit verwandeln.

Wurdest du während deinem Bekehrungsprozess von deinem Ehegatten begleitet?

Für mich ist er ein unglaublicher Segen Gottes. Seine Liebe ist es, die mich täglich zur Umkehr ruft. Seine liebevolle und geduldige Begleitung hat mir die Möglichkeit aufgetan, an verschiedensten Pilgerorten, die wir bei jeder möglichen Gelegenheit besuchen, wunderschöne Augenblicke zu erleben.

Ist es wichtig, dass innerhalb eines Ehelebens beide Ehepartner im Einklang stehen, was ihren Glauben betrifft?

Ja, es ist unbedingt notwendig, um auch unseren Kindern klare und solide Glaubenskonzepte übermitteln zu können.

Glaubst du, dass es für eine erwachsene Person wichtig ist, einen geistlichen Leiter zu haben?
Einen geistlichen Leiter zu haben ist eine sehr große Gnade, die von Gott empfangen werden kann. So habe ich es auch in meinem Leben erfahren. Während meiner Bekehrungszeit, jedoch auch danach, war dieser ein unerlässlicher Teil meines Lebens. Der Herr macht aus ihnen Instrumente, die uns führen, uns beraten und uns seinen Willen kundgeben.

Aufgrund der Arbeit deines Ehegatten musstest du für einige Zeit nach Rom ziehen. Welche Bedeutung hat diese Zeit für dein geistliches Leben?
Ohne Zweifel ist diese Zeit eine große Gnade, ein göttliches Privileg und eine Zeit wunderschönen Wachstums. Es ist die fühlbarste und bedeutendste Erfahrung, die ich je machen konnte. Das Grab des hl. Petrus zu besuchen bewegt mich immer wieder unglaublich, war er doch der Apostel, der die schönste Wahrheit unseres Glaubens offenbarte, als er sagte: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“. Ich liebe es in Rom die erfüllten Worte des Herrn zu betrachten: „Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen.“. Es ist wahrhaftig berührend.

Die Einsamkeit ist für mich ebenso eine liebenswürdige und nicht wegdenkbare Begleitung, um in meinem geistlichen Leben zu wachsen und es ständig zu vertiefen.
cardoso Wer ist für dich Johannes Paul II.?
Ein Heiliger! Er ist die Stimme Gottes hier auf Erden; Leiter, Wegweiser und Hoffnung des christlichen Volkes. Er verkörpert die Liebe, das Gebet, die Vergebung, die Demut, das Leiden und die Beharrlichkeit. Er ist der Mensch, der das brennende Feuer des Kommunismus ausmachte und die Herzen so vieler Jugendlicher entzündet.

Kann sich eine verheiratete Frau in den Herrn verlieben?
Natürlich. Denn ganzen Tag über werde ich von dieser Liebe zu Ihm begleitet und denke nur an Ihn. Für mich war es das schönste Ereignis, dass mir jemals passieren konnte. Es handelt sich um ein so unglaublich großes Glück, dass es mir unmöglich ist, es mit Worten zu beschreiben.

Ist es in der Welt von heute sehr schwierig, als christliche Ehefrau zu leben?
Es handelt sich dabei um zwei große Heraus-forderungen… hat sich doch die Ehe heute mehr in eine zeitliche Beziehungen verwandelt, wobei die Kinder alle Folgen solcher Beziehungen leiden. Die Ehe ist ein Sakrament, eine Berufung, die wir mit der größtmöglichen Treue zu bewahren haben, wobei die schwierigen Momente mit der Hilfe Gottes überwunden werden, um so gemeinsam bis an unser Lebensende in Liebe, Einheit und Respekt voranschreiten zu können.

Welche Hauptschwierigkeiten findest du vor, um deine Kinder christlich zu erziehen?
Das Vergnügen, das sie mit dem Fernseher und den Computerspielen verspüren, da diese sie von den Mitmenschen absondern und ihre Kreativität annullieren und zerstören. Es verliert sich die Möglichkeit der Unterhaltung, um so Erlebtes zu teilen und in Familie und Gesellschaft zu wachsen… Dann sind auch noch die verzehrten, getarnten und wertelosen Botschaften, die die Konsumgesellschaft übermittelt.

Wer ist für dich die Heilige Jungfrau Maria?
Sie ist die Mutter Gottes, die Mutter von Jesus und unsere Mutter! Maria ist die Frau des stillen Schmerzes, die den Willen Gottes vom Anfang bis zum Ende auf vollkommene Weise akzeptierte. Sie ist die Frau voller Gnaden! Sie ist unsere Fürsprecherin und unsere Beschützerin… durch Sie können wir zu ihrem Sohn gelangen.

Ist das Gebet etwas überflüssiges, von dem man nicht unbedingt Gebrauch machen muss?

Nein, niemals handelt es sich dabei um etwas überflüssiges, ganz im Gegenteil. Das Gebet bereitet unsere Seele vor, um jeglicher Schlacht die Stirn bieten zu können. Das Gebet ist für mich der wunderschönste und glücklichste Augenblick… es ist meine Möglichkeit und die Sehnsucht, die in meiner Seele wächst, um mich mit Gott zu vereinen. Es handelt sich um wunderschöne Momente, in denen ich weder Raum noch Zeit Aufmerksamkeit schenke. Das Gebet ist der Friede meiner Seele, ohne Gebet kann ich nicht leben.

Kannst du uns den Ablauf deiner Gebetszeit kurz beschreiben?
Sie fängt zu dem Zeitpunkt an, an dem ich meine Augen öffne und endet, wenn ich sie wieder schließe. Ich bete beim Aufstehen, Tagsüber und wenn ich schlafen gehe; jederzeit, wenn ich die Möglichkeit habe, während der Arbeit, auf dem Nachhauseweg, wenn ich die Natur betrachte… jederzeit. Ich habe bevorzugte Gebete, wie den Rosenkranz, den Kreuzweg, Anrufungen des Heiligen Geistes und der Heiligen Dreifaltigkeit, die ich täglich wiederhole. Danach suche ich immer Augenblicke der Stille, des Friedens und der Betrachtung… ebenso die Unterredung, wobei ich Jesus am Kreuz oder das Heilige Herz Jesu und das Unbefleckte Herz Marias betrachte. Vereint mit ihnen, danke ich Gott, bitte um Verzeihung oder um Hilfe für die unterschiedlichsten Dinge.

Hat ein Leben ohne Gott einen Sinn?

Nein. In solch einem Leben herrscht nichts als Leere, die unerbitterliche Traurigkeit der Einsamkeit, der Tod der Seele…

Wie verbringst du einen gewöhnlichen Tagesablauf?
Indem ich Gemahlin, Mutter und Freiwillige bin.

Betrachtest du dich als eine glückliche Person?

Ja! Sehr glücklich, da ich Jesus kennen gelernt habe.

Wie lautet das Geheimnis solchen Glückes?
Das Leben Gottes in Gott und für Gott zu leben. Wobei der Blick stets auf den Himmel gerichtet sein muss. Ich liebe die Stelle des Paulusbriefes an die Römer, wo er sagt: „Gott führt bei denen alles zum Guten, die Ihn lieben“. Oder was der hl. Augustinus noch hinzufügte, wenn er sagt, dass Gott selbst aus der Sünde Gutes hervorholt.



©HM Nr.15 - Januar/Februar 2005