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Kategorie: Wie ich des Heim kennen lernte

Wie ich das Heim kennen lernte?… Ich würde eher sagen, dass das Heim mich kennen lernte. Ich erkläre: Mein Vater war bereits während seiner Jugendzeit ein sehr enger Freund Mamies. Seine ganze Freizeit verbrachte er in ihrem Haus. Mamie war später auch auf seiner Hochzeit und als ich zur Welt kam, schenkte sie mir eine Medaille. Wie ihr seht, hatte ich noch bevor ich es überhaupt wusste, Kontakt mit der, die das in die Erde gelegte und aufgeopferte Weizenkorn sein würde, das als Frucht das Heim produzierte. Das Heim war, noch bevor es gegründet wurde, bereits ein Teil meines Lebens. Welch großes Glück ich doch habe, nicht wahr?


Ich musste nur noch warten, bis ich etwas älter war und mich meine Eltern auf ein Ferienlager schickten. Ich kann mich noch immer sehr gut daran erinnern. Wir befanden uns gerade zu Hause, als mein Vater den beiden Älteren von uns Kindern erklärte, daran gedacht zu haben, uns zu einem Ferienlager nach Cervera de Pisuerga (Spanien) zu senden. Wir würden dort mit einigen Zelten in den Bergen schlafen und müssten Taschenlampen, Kopfbedeckung, Stiefel, Essgeschirr, und alles Notwenige für Märsche, Flussabenteuer, Insektenbekämpfung, usw. mitnehmen. Mein Gott! Wie glücklich wir doch waren! Wie sehr wir doch die Abenteuer liebten.

Selbstverständlich hatte ich während diesem Ferienlager eine traumhafte Zeit. Ich liebte einfach alles und es gab tatsächlich überhaupt nichts, das mir schwer gefallen wäre. Von zuhause her waren wir daran gewöhnt, uns ununterbrochen „selbst zu überwinden“ und alle Arten von Knappheit zu teilen. Und ich glaube, dass uns unsere Eltern, ohne sich selbst vollständig darüber bewusst zu sein, ständig in der Überwindung von Schwierigkeiten und Unbequemlichkeiten mit aller Freude unterrichtet hatten. So fühlte ich mich während diesem Sommerlager wie ein Fisch im Wasser. Dieses Ferienlager half mir sowohl auf menschlichem wie auch auf geistigem Niveau unglaublich (ich kehrte innerhalb meiner armen Möglichkeiten viel ordnungsliebender, dienstbereiter und geduldiger nach Hause zurück). Ich kann mich noch immer an den Rosenkranz erinnern, den wir täglich mit der ganzen Familie beteten. Ich langweilte mich zu Tode. Doch nach dem Ferienlager zog ich mich täglich einen kurzen Augenblick in meinem Zimmer zurück, um dort ein Rosenkranz-gesätzchen zu unserer Gottesmutter zu beten. Natürlich mogelte ich dabei. Ich betete einfach die Hälfte eines jeden Gebetes und da mir niemand auf den restlichen Teil des Gebetes antwortet, ließ ich diesen ganz einfach unter den Tisch fallen.

Ich lernte ebenso P. Rafael kennen, der trotz seines nachdrücklichen Geschreis, das mich vorerst ängstigte, meine ganze kindliche Zuneigung und Bewunderung gewann. Als er vier Jahre später nach Santander zog, versammelte er all jene, die wir während diesen Jahren auf den Ferienlagern waren, und schlug uns vor, mit dem Heim der Mutter zu beginnen. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht wirklich daran erinnern verstanden zu haben, was das Heim wirklich war. Weder verstand ich ihre Aufgaben noch irgendetwas anderes. Und doch fühlte ich mich von der Atmosphäre, vom Geist, den ein jeder während dem Ferienlager ausstrahlte, unwider-stehlich angezogen. So legten wir, meine zwei älteren Geschwister und eine Freundin, am 27. Dezember 1988 unser erstes Versprechen als Anfänger ab.

Nur zwei Monate später verstarb mein Vater. Vor seinem Tod hatte er uns P. Rafaels Obhut anvertraut, so dass er auf ganz besondere Weise die Rolle als Vater im zweifachen Sinne übernahm. Und teuer kam ihm diese Vaterschaft zu stehen! Ihm und ebenso Mamie, die uns jeden Freitag in ihrem Haus empfingen, wo wir die Gruppentreffen abhielten. Wir verwandelten das Haus in ein reines Schlachtfeld!

Hunderttausend Anekdoten und Details könnte ich aus dieser Zeit erzählen. So viele Dinge waren es, die ich während dieser Zeit empfing und nicht genug wertschätzte. Doch blicke ich jetzt zurück… sehe ich die Hand unserer Gottesmutter bei mir zuhause und in meinem Leben so klar und deutlich über diese „Bande von Verrückten“ wirken, die diese demütige Pflanze der Kirche, die das Heim ist, anfingen.

Wie viel Geduld! Wie viel Zärtlichkeit! Wie viel Arbeit von all jenen verrichtet wurde, die dabei mithalfen! Danke, danke, tausend Dank!

Während dem Ferienlager des darauf folgenden Jahres legte ich zum ersten Mal das Versprechen als Experte ab. Man hatte eine Statue unserer lieben Mutter unter der Verehrung Unserer Liebe Frau des süßen Namens Maria ins Zentrum gestellt und wir Mädchen umkreisten sie, indem wir einen riesigen Rosenkranz formten. Nach dem Gebet knieten wir uns nieder, um das Versprechen abzulegen. In diesem Augenblick schenkte mir unsere Mutter die Gnade, sehr, sehr stark an mein Herz zu sprechen. Sie erklärte mir, dass ich im Heim zu sein glaubte, da ich dort eine tolle Zeit verbrachte. Doch in Wahrheit war Sie es, die mich angezogen und ausgewählt habe, um Teil des Heims zu werden… Meine Mutter! Den ganzen Abend und die ganze Nacht über war es mir unmöglich diesen unendlichen Strom an Tränen zu stoppen. Seit diesem Tag verspürte ich große Freude, da ich hier „etwas“… zu leben entdeckt habe, wie an keinem anderen Ort. Weiters wurden meine Sehnsüchte, die ich bereits von klein auf in meinem Herzen trug und deren Erfüllung mir immer als unmöglich erschienen war, erfüllt.

Na gut, kehren wir wieder zum Thema zurück, denn lasse ich meine Gedanken in den vielen Erinnerungen herumschweifen, müsste ich ein Sonderheft dieser Zeitschrift für mich alleine in Anspruch nehmen.

Schritt für Schritt unterwies mich unsere Gottesmutter und zeigte mir den Weg. Im Jahr 1991 nahm ich zum dritten Mal an Schweigeexerzitien der Gebetsgruppe vom Heiligen Herz Jesu teil. Zu diesem Zeitpunkt wurden sie noch nicht vom Heim der Mutter organisiert. Und während der Exerzitien sagte mir der Herr mit aller Klarheit vom Tabernakel her, dass Er mich auserwählt habe, damit ich vollständig Ihm gehöre. Und Er fragte mich, ob ich annehmen wolle. Wo ich doch nicht ganz auf dem Kopf gefallen bin antwortete ich mit einem Ja. Noch verstand ich nicht vollständig, was das Ordensleben so an sich hatte, doch wusste ich, dass es darum ging, vollständig Ihm zu gehören. Alleine der Gedanke: „Ich gehöre Gott!“, ließ mich vor Freude in die Luft springen.

Und hier bin ich, Dienerin des Heims der Mutter. Ich trat gemeinsam mit meiner Schwester am 22. August 1992 in die Gemeinschaft ein. Und was kann man sich mehr wünschen! Jeden Tag bin ich noch glücklicher, weiß ich mich doch von unserer Mutter geliebt und auserwählt… und darin gründet sich mein Vertrauen, mein Friede, meine Kraft und meine Freude.

©HM Nr. 19 September-Oktober 2005

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