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Kategorie: Wie ich des Heim kennen lernte

Der Herr war so derartig barmherzig mit mir, dass ich bereits mit 13 Jahren das Vergnügen hatte, das Heim kennen zu lernen. Und zwar durch meine Schwester Ana. Sie machte sich auf nach Cuenca, um dort die Sozialarbeiterausbildung zu machen, gab es doch in Ciudad Real, meiner Heimatstadt, keine Möglichkeit dazu. Wie es die göttliche Vorsehung so wollte, traf sie dort mit zwei Kandidatinnen der Dienerinnen des Heims der Mutter zusammen, die sie einmal bei den Schwestern zum Essen und wieder ein anderes Mal zu Einkehrtagen, usw. einluden. Um die lange Geschichte kurz zu machen, sie war so sehr vom Heim begeistert, dass sie an jenem Wochenende, an dem sie zum ersten Mal nach Hause kam, nichts anderes tat als vom Heim zu sprechen. Das Wort Heim hatte für mich zu diesem Zeitpunkt keinen andere Bedeutung als das Altersheim, das sich in der Nähe meines Hauses befand und in welches die Omas und Opas gingen, um eine Runde Karten zu spielen und einen angenehmen Nachmittag zu verbringen. Ich bemerkte, dass in meiner Schwester ein Wandel vor sich ging, doch drangen meine Gedanken nicht tiefer in das Geheimnis ein, als zu sagen: „Armes Schwesterchen, wer hat ihr doch nun schon wieder den Kopf mit Vögelchen gefüllt.“

In dieser Zeit hörte ich, wie sich meine Mutter und meine Schwestern darüber unterhielten, dass es gut wäre, würden wir eines der Ferienlager besuchen oder an Sommeraktivitäten teilnehmen. Zufälligerweise kam meine Schwester Ana mit einen kleinen Flugblatt nach Hause und sagte zu mir: „Das ist für dich!“ Ich nahm es und sah auf der Vorderseite ein Zelt und darunter eine Phrase: „Melde dich für das Ferienlager des Heims der Mutter an!“ Die Idee kam mir nicht ganz so schlecht vor. Was mich jedoch störte war während so langer Zeit so weit von meiner Mutter entfernt zu sein und „mein Umfeld“ verlassen zu müssen. Doch die Teilnahme an einem neuen „Abenteuerchen“ zog mich unglaublich an.

Was ich mir an letzter Stelle vorgestellt hätte, war die Tatsache, dass dieses „Abenteuerchen“ meinem Leben eine 180° Drehung geben würde. Das heißt, niemals im Leben wäre ich auf die Idee gekommen, dass diese Aktivität so religiös sein würde. Ich stellte mir vor, dass wir vor dem Schlafengehen, oder wenn etwas schief ging, oder um mit der Hilfe Gottes etwas Besseres zu erreichen, oder um beim Spiel die meisten Punkte zu erlangen, ein Vaterunser beten würden. Wie du hier erkennen kannst, hatte ich eine sehr arme Glaubenbildung erhalten. Ich hatte die Erstkommunion gemacht und einige Jahre später hörte ich auf, jede Woche zur Sonntagsmesse zu gehen. Obwohl ich einen ziemlich aufgeweckten Charakter habe, sprach in meiner Umgebung oder in meinem Leben nichts direkt von Gott.

Das Ferienlager war einfach traumhaft. Die Worte, die zu meinen Ohren gelangten, drangen mit einer beeindruckenden Kraft tief in meine Seele ein. Sie waren wie superstarke Scheinwerfer, die all die Dunkelwelt in meinem Inneren erleuchteten. Immer wieder gingen mir diese Worte durch den Kopf: „Ich weiß nicht warum, auch verstehe ich es nicht wirklich, doch handelt es sich dabei zweifellos um die Wahrheit.“ Dieses Licht half mir, den Schmutz in meiner Seele immer besser zu erkennen. Bald schon schlug man mir vor, zur Beichte zu gehen, doch getraute ich mich nicht. Ich dachte, dass mich keiner der Priester verstehen würde, außerdem wusste ich auch gar nicht wirklich, wie ich all das ausdrücken sollte, was in mir vorging. All das vermischt mit einer guten Dosis Feigheit brachte mich dazu dieses Angebot abzuschlagen. Doch dauerte das nicht allzu lange. Immer stärker verspürte ich das Verlangen nach einer guten Beichte… bis ich mich schließlich entschied, es doch zu tun. Uff, welch eine Last mir doch dabei abgenommen wurde!

Die Menschen, die ich während diesem Lager traf, waren einfach wundervoll. Zu Beginn fiel es mir etwas schwer, war ich doch sehr schüchtern und nicht daran gewöhnt, mit so offenen und liebenswürdigen Menschen zu verkehren, kannten sie mich doch kaum. Wenn auch meine äußere Haltung ernst und verschlossen zu sein schien, musste ich doch zeigen, dass ich als harter Spross durchs Leben ging. Doch innerlich wusste ich, dass ich in diesem Lager etwas ganz besonderes entdeckt hatte: Die Freude, die Einfachheit, die Ehrlichkeit, die Authentizität, die wahre, uneigennützige, hingebende Liebe…

Und trotzdem ging ich während der nächsten zwei Jahre mit dem Heim keine Verpflichtung ein. Während dieser Zeit hatte ich einige Auf und Ab, rief es in mir nicht wirklich eine Illusion hervor, mich zu einem stärkeren Glaubensleben zu verpflichten, vielmehr zog ich es vor, dies ohne öffentliche Form zu tun. Natürlich handelt es sich dabei um eine absurde Idee, ließ ich doch zur selben Zeit einem ganz schön dummen Gedanken die Tür offen: „Erfülle ich das abgegebene Versprechen während einem Tag nicht, hat es schon keine weitere Folgen.“ Als ich schließlich in das Heim eintrat, bereute ich, es nicht schon früher getan zu haben, verstand ich doch, dass dies mein Ort war, dass mich Unsere Mutter für immer hierher geführt hatte. Und so ist. Dank der Gnade Gottes befinde ich mich derzeit im Noviziat der Dienerinnen des Heims der Mutter.

Nun fühle ich mich vollständig mit der Beschreibung des Heims identifiziert. Jedes Mitglied ist das Geschenk, das der Herr seiner Mutter machen möchte. Ich spüre, wie der Herr seine Mutter in einen Garten voll wunderschöner Blumen aller Art geführt hatte und sagte: „Sieh sie dir an. Welche von all denen wünschst du dir?“ Und Sie zeigte auf eine, die in einer schmutzigen Lacke unterzugehen schien und sagte: „Diese hier möchte ich.“ Und diese war ich. Sie verabscheute meine Armut nicht, ganz im Gegenteil. Sie nahm mich zu sich, um mich zu bereichern. Deshalb ist Sie es, die mir ein Geschenk machte mit ihrer Wahl. Ich bin im Heim da Sie es so wünscht, das ist der einzige Grund.

Das Heim kennen zu lernen war das Beste, das mir je im Leben passieren konnte, da es der Herr als Instrument seiner Barmherzigkeit verwendete, um in meiner Seele diese Restaurierung durchführen zu können, die ich so sehr benötigte, und um mich zu seinem Instrument für das Heil Menschen zu machen. Das einzige Wort, das einem vor all dieser Realität im Herzen erklingt ist „Danke“. „Danke“ auch all jenen Menschen, die der Herr in seiner Vorsehung in meinen Weg stellte, um mich wieder zu Ihm zurück zu führen, mir bei der persönlichen und geistlichen Bildung zu helfen, und all jenen, die dem Herrn fügsam waren und seine Güte und Barmherzigkeit widerspiegelten.

Nachdem ich mit euch all diese Gnaden erinnerte und teilte, bleibt mir nur noch mit dem Psalmisten zu sagen: „Wie kann ich dem Herrn erstatten, was er mir alles an Gutem erwies?“

©HM Nr. 22 März-April 2006

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