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Kategorie: Weiteres

Fortsetzung der H.M. Zeitschrift Nr. 12
Gemeinschaft der Dienerinnen (Ecuador)

Wir konnten nicht mehr tun, als dem Herrn ununterbrochen für seine unend-liche Geduld und Barmherzigkeit zu danken. Das Gesicht des alten Mütter-chens war von viel Freude und Un-schuld geprägt.

Vor einiger Zeit traf ich auf der Straße eine gute Freundin, die ich schon seit gar langer Zeit nicht mehr gesehen hatte. So begrüßten wir uns und fingen eine nette Unterhaltung an, bei der sie mich plötzlich nach jener Frau fragten, über die bei einer vor-herigen Ausgabe der Zeitschrift im Artikel „Die letzte Schlacht“ geschrieben wurde. Frau Carmen war schon sehr krank und vom Alter sichtlich geschwächt. Noch dazu hielt sie der Feind mittels eines gotteslästerlichen Eids fest, der sie daran hinderte, ihren Kindern zu vergeben und auf diese Weise die Vergebung Gottes emp-fangen zu können. So entschlossen wir uns für die Frau Carmen mittels eines Zeitschriftenartikels um Gebete zu bitten. Nun erklärte mir meine Freundin, dass sie für Frau Carmens Bekehrung sehr viel gebetet habe und interessiert sei, wie diese Ge-schichte weiterging.

Wir können jetzt bestätigen, dass Frau Carmen tatsächlich von der Gnade Gottes berührt wurde. Und nicht einen Augenblick zweifle ich daran, dass all die ständigen Gebete so vieler Menschen, selbst aus den verschie-densten Ländern, Frau Carmens Seele bearbeiteten und so auf das Handeln Gottes vorbereiteten. Wie mächtig doch die Kraft des Gebetes ist!

Die Nachfrage meiner Freundin rief in mir den Wunsch hervor, euch darüber zu berichten, wie sehr die Barmherzigkeit Gottes alleine bei dieser Seele fühlbar war. Gepriesen sei der Herr für alle Zeit.

Nach unserem Abenteuer, von dem wir bereits berichtet hatten, konnten wir nichts anderes tun, als für Frau Carmen zu beten, sie von Zeit zu Zeit zu besuchen, mit ihr zu sprechen, sie zum Lachen zu bringen und mit ihr den Barmherzigkeitsrosenkranz zu beten, wozu sie sich immer bereit erklärte. Jedes Mal, wenn wir bei ihr vorbeischauten, nahm sie uns an der Hand und drückte diese, als wollte sie uns sagen: „Lasst mich nicht allein.“. Brachen wir danach wieder auf, um unsere Arbeit fortzusetzen, so wiederholte sie ständig: „Vergesst mich bitte nicht.“. So vergingen die Monate und als wir uns eines Tages in der Nähe ihres Hauses befanden, entschieden wir trotz Zeitmangel einen Augenblick lang bei ihr vorbeizuschauen.

Wie immer fanden wir sie im Bett liegend vor. Beim Betreten des Hauses wiesen uns ihre Familienangehörigen darauf hin, dass sich ihr Gesundheitszustand sichtlich verschlechtert hatte. Sie habe bereits ihren Kopf verloren und körperlich schien sie so gut wie zu Ende sein. Alle dachten sie, dass sie schon nur noch wenige Augenblicke auf dieser Erde verweilen würde. Zu unserer Überraschung erkannte sie uns beim Näher treten und mit einer beinahe unverständlichen Stimme hauchte sie: „Die Schwesterchen“. Nachdem wir das Haus wieder verlassen hatten, informierten wir augenblicklich einen Priester über ihren Zustand, der sofort die heiligen Öle zu sich nahm und mit uns zu Frau Carmen zurück-kehrte. Der Priester versuchte mit ihr zu sprechen, um eventuell ihre letzte Beichte zu hören, doch war es bereits unmöglich auch nur einen Satz zu verstehen. Noch dazu hatte das Gesprochenen absolut keinen Zusam-menhang. Schließlich, nachdem wir mit ihr gebetet hatten, verabreichte ihr der Priester die letzte Ölung, mit der Hoffnung, dass sie das Sakrament innerlich zur Vergebung vorbereiten würde. Bevor wir das Haus wieder verließen, sprach der Priester noch schnell mit den Familieangehörigen und bat sie darum, die mit ihr verfeindeten Kinder zusammen-zurufen, damit sie unter sich ins Gespräch kämen und sich verzeihen würden, denn der Friede unter den Kindern würde es Frau Carmen einfacher machen, ihnen aus ganzem Herzen zu verzeihen.

Wenige Wochen später schauten wir wieder bei Frau Carmen vorbei. Sie befand sich in einem viel besseren Zustand als beim letzten Mal, konnte sich selbst wieder etwas aufrichten, erkannte uns ohne Probleme und wir konnten mit ihr ein vernünftiges Gespräch führen, da sie ihre geistlichen Fähigkeiten wiedererlangt hatte. Ihr Gesicht widerspie-gelte unglaublich viel Ruhe und Frieden. Eine ihrer Töchter erzählte uns, dass all ihr Brüder schließlich tatsächlich gekommen waren, vor ihrer Mutter kniend all den ihr angerichteten Schaden bereuten und sie um Verzeihung baten. Anfangs viel es ihr sehr schwer, ihnen zu vergeben, doch als diese um einen Kuss, als Zeichen der Vergebung, baten, konnte sie sich nicht mehr weigern. Wir fragten sie nun, ob sie Beichten möchte, worauf sie mit einem Ja antwortete.

Könnt ihr euch unsere Freude und unsere Lobpreisungen Gottes vorstellen?

Am nächsten Tag kehrten wir in Begleitung des Priesters und unseres Herrn, verborgen in der Heiligen Eucharistie, zurück. Der Priester war zutiefst beeindruckt, als er Frau Carmens guten Zustand sah. Der Herr hatte ihr diese Gnade geschenkte, sich mit Ihm auszusöhnen. Ihr Gedächtnis schien besser den je zuvor zu sein. Nachdem sie alles bereut hatte, empfing sie die Vergebung Gottes und danach die Krankensalbung und den Leib unseres Herrn. Wie viele Gnaden für diese doch so notdürftige Seele! Unglaublich beeindruckte mich, die Macht Gottes zu sehen, die durch die Hände des Priesters wirkte. Es waren dieselben Hände unseres Herrn Jesus Christus, die hier heilten.

Zutiefst gerührt wohnten wir diesem wunderschönen Augenblick bei und konnten nichts anderes tun, als den Herrn für seine unendliche Geduld und Barmherzigkeit zu danken. Das Gesicht des alten Mütterchens war von viel Freude und Unschuld geprägt. Sie schien ein kleines Mädchen mit sechsundachtzig Jahren zu sein.

Vielen Dank, Herr, uns die Gnade zu schenken, der Bekehrung dieser Seele beiwohnen zu können. Vielen Dank, uns deine unendliche Liebe und Barmherzigkeit erfahren zu lassen.

Vielen Dank auch euch allen, die ihr für diese Seele gebetet habt. Wie wenig wichtig ist es doch, sie gekannt oder nicht gekannt zu haben. Wie wenig wichtig ist es doch, in ihrer Nähe oder weit von ihr entfernt zu wohnen. Wir alle befinden uns in der großen Familie unserer Kirche und wir alle müssen uns dabei helfen, in den Himmel zu kommen. All unsere Gebete gelangen bis ans Herz unseres Gottes und Er verwandelt sie danach in gute Früchte. Gepriesen sei Er.

©HM Nr.17 - Mai - Juni 2005

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